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100 Jahre LVR-Klinik für Orthopädie Viersen

LVR in Viersen : Vom „Krüppelheim“ zur modernen Klinik

Die LVR-Klinik für Orthopädie Viersen feiert 2021 das 100-jährige Bestehen. Geplant sind ein Film und ein Podcast über die Geschichte des Hauses. Wie sich das Haus seit den Anfängen stetig weiter entwickelt hat.

Ein Arzt, zwei Ordensschwestern. Mehr Pflegepersonal gab es anfangs nicht in Süchtelns neuer „Krüppelheilanstalt“. Die ersten Patienten waren zwei Mädchen aus Köln: Am 1. August 1921 begrüßten Mediziner Ludwig Roeren und die Ordensschwestern sie in dem Bau an der Johannisstraße. Ein halbes Jahr später war die Klinik voll belegt, mehr Personal wurde eingestellt. Rachitis, Tuberkulose und Kinderlähmung gehörten damals zu den üblichen Krankheitsbildern. Im Laufe der Jahre änderte sich das: Die einstige Heilanstalt wurde größer, moderner, auch für erwachsene Patienten zugänglich gemacht. In diesem Jahr feiert die Klinik für Orthopädie Viersen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) 100-jähriges Bestehen.

 Raus aus der Klinik: Das Personal unternahm Ausflüge mit den Kindern, dazu gehörten auch Wanderungen. 
Raus aus der Klinik: Das Personal unternahm Ausflüge mit den Kindern, dazu gehörten auch Wanderungen.  Foto: LVR

Wegen der Corona-Pandemie müssen die Verantwortlichen ihr für 2021 geplantes Festprogramm anpassen. „Nach dem Maße der Vernunft werden wir in diesem Jahr keinen Tag der offenen Tür unbeschwert feiern können, wie wir ihn uns vorstellen. Die Pandemielage ist dafür zu ungewiss und nicht vorhersehbar“, sagt Dorothee Enbergs, Vorstandsvorsitzende der Orthopädie. Sie ergänzt: „Aber natürlich finden wir trotz allem viele Möglichkeiten, das besondere Jubiläum zu begehen.“

So soll es zum Beispiel einen virtuellen Tag der offenen Tür geben – der Termin steht noch nicht fest – und einen 60-minütigen Film über die Geschichte der ehemaligen „Krüppelheilanstalt“. „Wir hoffen, dass es möglich sein wird, den Film in kleinerem Rahmen mit Zeitzeugen präsentieren zu können. Hier bleiben wir optimistisch, dass es klappt“, sagt Jochen Neßler, Ärztlicher Direktor der LVR-Klinik für Orthopädie. Ebenfalls geplant: Eine Festschrift und ein Podcast rund um die Historie der Orthopädie. Bereits jetzt ist auf der Internetseite der Klinik einiges über ihre Geschichte zu finden:

 Auch Spiele gehörten zum Alltag der jungen Patienten in der Süchtelner Heilanstalt.
Auch Spiele gehörten zum Alltag der jungen Patienten in der Süchtelner Heilanstalt. Foto: LVR

Die Anfänge Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Mädchen und Jungen, die infolge von Unterernährung an Krankheiten wie Rachitis, Tuberkulose und Kinderlähmung litten. Damals war es nicht ungewöhnlich, diese Patienten längerfristig in sogenannten Krüppelheimen stationär zu behandeln. 1921 beschloss der Provinzialverband der Rheinlande, dass auch Süchteln so eine Heilanstalt bekommen sollte.

Statt neu zu bauen, wurden die Gebäude der bereits aufgelösten Abteilung für epileptische Kinder der Heil- und Pflegeanstalt Johannistal dafür hergerichtet und in den folgenden Jahren erweitert. Im Mai 1923 konnten dort 200 Patienten behandelt werden, kurz darauf wurde um weitere 180 Plätze aufgestockt.

 Ein junger Patient beim Röntgen. Behandelt wurden Erkrankungen wie Schiefhals, Rachitis und Kinderlähmung.
Ein junger Patient beim Röntgen. Behandelt wurden Erkrankungen wie Schiefhals, Rachitis und Kinderlähmung. Foto: LVR

 Das Personal Ludwig Roeren war anfangs der einzige Arzt in der Klinik. Ab 1922 kamen mehr und mehr Kollegen hinzu, sodass Roeren 1929 zum Direktor der Klinik ernannt wurde. Schwestern aus „der Genossenschaft der christlichen Schulen von der Barmherzigkeit“ aus dem Mutterhaus in Heiligenstadt (Eichsfeld) übernahmen die pflegerischen Aufgaben.

Zwei Schwestern starteten 1921 – sechs Jahre später gab es in der Heilanstalt 47 Schwestern. Die Ordensschwestern wurden 1928 Eigentümerinnen der neu gegründeten Schule für Krankenpflegeberufe. 1932 übernahmen sie auch die Krankenhausführung. Gegen einen pro Kind und Pflegetag zu zahlenden Pauschalsatz übernahmen sie die Verpflegung der Kinder, des Pflegepersonals und des sonstigen Personals sowie dessen Bezahlung.

 Für die jungen Patienten gab es auch Ausflüge und Wanderungen.
Für die jungen Patienten gab es auch Ausflüge und Wanderungen. Foto: LVR

Die Patienten Bereits nach einem halben Jahr – im März 1922 – war die damalige mögliche Höchstbelegung erreicht und machte eine strenge Auswahl der Patienten notwendig. Nur dringende und schwere Fälle konnten noch aufgenommen werden, die Klinik wurde vergrößert.

Die Kinder besuchten in der Heilanstalt auch eine Krankenhausschule: Aufgeteilt in eine Ober- und Unterstufe wurden die gehfähigen Kinder in zwei Klassen unterrichtet. Die bettlägerigen Patienten erhielten pro Tag zwei Stunden Unterricht am Bett. Auch auf eine kulturelle Bildung wurde damals schon Wert gelegt. Dazu gehörten Theater- und Musikaufführungen, Ausflüge und Spiele.

 Gruppenfoto am Wasser. Zwei Mädchen waren 1921 die ersten beiden Patienten, die Zahl stieg in den kommenden Monaten schnell.
Gruppenfoto am Wasser. Zwei Mädchen waren 1921 die ersten beiden Patienten, die Zahl stieg in den kommenden Monaten schnell. Foto: LVR

Die Gegenwart „Vom Krüppelheim zum Kompetenzzentrum“ – so beschreibt der LVR die Entwicklung der Klinik. Sie biete das gesamte Spektrum zur Behandlung von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, also der Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen.

Insgesamt werden pro Jahr etwa 3000 Patienten behandelt, davon mehr als 2000 operativ. Ziel einer orthopädischen Behandlung ist, die Funktionen des Stütz- und Bewegungsapparates weitestgehend aufrecht zu erhalten oder wiederherzustellen. Auch Prävention und Rehabilitation haben daher großen Stellenwert.