1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Hitler-Bild auf Kreuzweg in Viersen

Historisches Fundstück : Hitler-Bild auf Kreuzweg in Viersen

Dieser Scheitel, dieses Bärtchen, diese Stiefel – was, bitte sehr, hat Adolf Hitler auf einem Kreuzweg-Bildnis in der katholischen Pfarrkirche St. Remigius in Viersen zu suchen? Darüber wird in der Gemeinde gesprochen, seit bei einer Kirchenführung nach der Renovierung die Viersener Kunsthistorikerin Jutta Pitzen auf die neunte Station des Kreuzwegs deutete und sagte: „Die rechte Person ist Adolf Hitler.“

Abhängen solle man das Bildnis, zitiert die „Bild“-Zeitung ein Mitglied der Pfarrgemeinde. Pfarrer Roland Klugmann erklärt: „In den fünfeinhalb Jahren, in denen ich hier Pfarrer bin, gab es keine einzige Beschwerde. Und ich habe auch nicht gehört, dass es in den 58 Jahren davor Beschwerden gab.“

Bereits seit 1955 hängt der Nazi-Diktator in dem Gotteshaus; in – nun ja – berühmt-berüchtigter Gesellschaft. Auch Stalin und Mussolini sind auf zwei der 14 Stationen des Kreuzwegs zu sehen. „Theologisch muss man es so deuten, dass keine Macht der Welt, sei sie noch so totalitär und bestialisch, Jesus Christus je besiegen kann“, sagt Klugmann. Er ist überzeugt: „Der Künstler hat durch diese Darstellung versucht, die nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten.“

Darauf deuten auch weitere Stationen des Kreuzwegs hin: So erinnere die achte Station an die irrtümliche Bombardierung Freiburgs durch die deutsche Luftwaffe im Jahr 1940, erklärt Kunsthistorikerin Pitzen. Sie ist selbst in der Gemeindearbeit aktiv, kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Der Maler Walter Meyerspeer hat den Kreuzweg 1955 im Auftrag des damaligen Dechanten Frenken angefertigt und damals gesagt: Hinter allem Kreuz, Leid und Dunkel des Daseins stehen der Trost und die Gewissheit der Erlösung von Leid und Kreuz.“