Schwerpunkt Jugendsport In Solingen: "Fußballspielen ist mir wichtiger als Geld"

Schwerpunkt Jugendsport In Solingen : "Fußballspielen ist mir wichtiger als Geld"

Der Solinger Julius Lohmann wechselte innerhalb der Bundesliga von Borussia Mönchengladbach zum Wuppertaler SV.

Vom TSV Aufderhöhe bis zu Borussia Mönchengladbach - diesen Karriereweg gab es im Solinger Fußball schon einmal: "Christoph Kramer, richtig?", fragt Julius Lohmann, der vor dieser Saison in der A-Junioren-Bundesliga von Gladbach zum Wuppertaler SV gewechselt ist. Stimmt, der Weltmeister hat in der Jugend ebenfalls beim TSV gekickt. Lohmann grinst: "Der ist zwar ein Antifußballer, aber ich fand den immer gut vom Kämpferischen her."

Wie Kramer ist auch der 17-Jährige groß, feingliedrig und blond, doch während der Profi vornehmlich im defensiven Mittelfeld zu Hause ist, spielt Lohmann in der Innenverteidigung der U 19 vom WSV. "Ich war früher mal Stürmer, aber in Gladbach haben sie mich umfunktioniert", sagt Lohmann, der nach fünf Jahren bei Borussia nun in Wuppertal angeheuert hat.

Auf den Seniorenbereich bezogen, scheint das wie ein Rückschritt, die einen sind Europa-League-Teilnehmer, die anderen spielen in der viertklassigen Regionalliga - wo sich die Gladbacher U 23 gerade an der Spitze befindet. "Zwei Schritte zurück, können aber auch drei nach vorne bedeuten", hält Lohmann dagegen. "Ich habe da in der U 17 keine Perspektive mehr gesehen, weil ich nicht mehr so viele Einsatzzeiten bekommen hätte", sagt er über seine letzte Phase in Mönchengladbach. Deshalb einigte er sich mit dem Klub, seinen Vertrag, der noch eine Laufzeit von einem Jahr hatte, aufzulösen. "Wir haben diese Saison mit dem WSV gegen Gladbach gespielt, 1:1. Ich habe, glaube ich, ein gutes Spiel gemacht. Von meinen früheren Mitspielern war kaum einer dabei. Die waren alle zu Hause. In Gladbach würde ich vielleicht die dicke Kohle verdienen, aber hier kann ich spielen. Das ist mir wichtiger als Geld." Eine sehr reife Überlegung eines Teenagers.

Außerdem hat es der Solinger, der seit einem Jahr einen Führerschein besitzt, nach Wuppertal "nicht so weit" zum Training. Am Jugendzentrum an der Nevigeser Straße zeigt er an einem Montagabend, dass er den nötigen Biss hat: Trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und Eisregen krempelt er die Ärmel hoch, eine Mütze wie einige seiner Mitspieler braucht er nicht. Mit seinen knapp 1,90 Metern Körperlänge ist er im Luftkampf häufiger im Vorteil, mit seinen langen Beinen blockt er einige Schüsse ab.

Angefangen hat alles übrigens nicht in Aufderhöhe, sondern beim BSC Union. "Meine Eltern haben mich da zum Fußball gebracht. Am Anfang war ich echt eine Graupe", sagt Lohmann schmunzelnd. "Ich habe ein Jahr just for fun gespielt, aber dann habe ich angefangen, ehrgeizig zu werden." Und das hat sich nicht gelegt: "Profifußballer zu werden, ist schon mein Traum. Wenn es nicht klappen sollte, versuche ich eine Ausbildung oder ein Studium." Derzeit macht er am Berufskolleg Opladen sein Fach-Abi mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung. Aber: "Die erste Karte ist Fußball."

Neben den Hobbies "Freunde treffen und Playstation 4 zocken" schaut sich Lohmann natürlich so viel Fußball wie möglich an. Und wenn nicht Kramer das fußballerische Vorbild ist, wer dann? "Leute, die defensiv spielen", sagt der Innenverteidiger und ergänzt mit Blick auf seinen Positionskollegen bei Rekordmeister FC Bayern München: "Der beste ist für mich Jérôme Boateng. Der ist eine Maschine."

(ame)