Solingen: Handlungskonzept rechnet mit 5300 zusätzlichen Wohnungen

Wohnungsmarkt : Solingen braucht zusätzliche Wohnungen

Zwei Drittel der Solinger Haushalte wohnt zur Miete – diese liegt durchschnittlich bei rund 7,40 Euro pro Quadratmeter.

Die Baubranche boomt seit Jahren. Ein Zeichen dafür, dass Solingen wächst. Oberbürgermeister Tim Kurzbach wird nicht müde, dies positiv herauszustellen. In der Tat erfährt insbesondere auch der Wohnungsbau derzeit einen Höhenflug. Allein auf dem ehemaligen Olbo-Gelände in Ohligs baut der Investor Kondor Wessels derzeit 308 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen in 16 Mehrfamilienhäusern – aufgeteilt in 248 Mietwohnungen und 60 Eigentumswohnungen. Rund 85 Millionen Euro werden hier investiert. Voraussichtlich Ende 2021/Anfang 2022 sollen die Wohnungen fertiggestellt sein.

Auch der Spar- und Bauverein Solingen (SBV) investiert weiter fleißig in Beton. So entstehen in der Siedlung Böckerhof an der Wittekindstraße zunächst 33 barrierefreie Generationenwohnungen (24 Wohnungen frei finanziert, neun mit öffentlichen Mitteln). Weitere 27 Wohneinheiten sollen am Argonner Weg folgen, überdies eine Kindertagesstätte. Investitionsvolumen der größten Wohnungsbaugenossenschaft des Rheinlandes: über zwölf Millionen Euro.

Das alles freut die Stadt Solingen. Denn sie hat das Handlungskonzept Wohnen aufgestellt, das die Grundlage bildet für eine Wohnbauoffensive. „Wir brauchen mehr und bezahlbaren sowie auf den Bedarf abgestimmten Wohnraum“, sagt Sabine Rische. Die städtische Pressesprecherin ergänzt, dass hierbei auch eine „nachhaltige Flächennutzung“ umgesetzt wird und bei der Schaffung von neuem Wohnraum „lebendige Quartiere“ entstehen. Rische: „Bis 2040 brauchen wir rund 5300 zusätzliche Wohnungen“.

Wie wohnt NRW ? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Statistische Landesamt und legt nun Zahlen für 2018 auf den Tisch. Danach gab es landesweit 8,7 Millionen Privathaushalte. In 39,5 Prozent der Fälle lebte eine Person allein in der Wohnung, und in jeder vierten Wohnung lebten ausschließlich Senioren ab 65 Jahren. Im Schnitt 91,2 Quadratmeter Wohnfläche standen den Privathaushalten in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung, errechneten die Statistiker. Die durchschnittliche Wohnfläche je Haushaltsmitglied betrug 44,7 Quadratmeter.

Das passt fast genau auf Solingen. Denn hier liegt die durchschnittliche Wohnfläche je Person bei 44,8 Quadratmetern. Für die bergischen Nachbarstädte Remscheid und Wuppertal wurden 44,3 beziehungsweise 41 Quadratmeter ermittelt. Die Rheinmetropolen Düsseldorf und Köln kommen auf 42,1 und 40,9 Quadratmeter Wohnfläche pro Haushaltsmitglied. Was unter dem Strich bedeutet: Je größer die Stadt, desto kleiner sind die Wohnungen.

Aber nicht nur die Wohnfläche hat das Landesamt untersucht – darüber hinaus auch das Verhältnis zwischen Eigentümern und Mietern. NRW-weit wohnen knapp 59 Prozent der Menschen zur Miete. In der Klingenstadt ist dieser Anteil weitaus höher. Er liegt bei 67,5 Prozent.

Einen Grund für den hohen Mieteranteil in Solingen sieht SBV-Vorstandsvorsitzender Ulrich Bimberg in den fünf Genossenschaften. Allein beim Spar- und Bauverein Solingen ist fast jeder zehnte Solinger Mitglied.

„Auf den Bedarf reagieren“ – auch das ist Bestandteil des Handlungskonzeptes Wohnen. Der SBV setzt dies in der Siedlung Böckerhof mit barrierefreien Generationenwohnungen um. Alt und Jung in einem Mehrfamilienhaus, aber auch barrierefreie Wohnungen für Senioren. „Die Verkleinerung der Haushalte ist ein Trend der vergangenen Jahre gewesen“, sagt SBV-Vorstandsvorsitzender Ulrich Bimberg, „tendenziell führt das aber auch zu einer höheren Fluktuation“.

Im ersten Bauabschnitt werden an der Wittekindstraße 14 Wohnungen mit einer Fläche von 49 bis 53 Quadratmetern für jeweils eine Person entstehen. Weitere 15 Wohneinheiten haben eine Fläche von 58 bis 61 Quadratmetern und sollen jeweils zwei Personen ein neues Zuhause bieten. Vier Wohnungen werden mit jeweils rund 76 Quadratmetern Fläche angelegt. Bei den öffentlich geförderten Wohneinheiten werden hier beim Neubauprojekt rund 5,35 Euro / Quadratmeter Miete veranschlagt, bei den frei finanzierten Wohneinheiten werden voraussichtlich zehn Euro pro Quadratmeter als Miete berechnet.

Neuere Zahlen lassen den öffentlich geförderten Wohnungsbau aber schon auf über sechs Euro pro Quadratmeter steigen. „Der Druck nach preiswertem Wohnraum wächst“, sagt Bimberg. Immerhin: Die durchschnittliche Mieter beim SBV liegt bei 5,73 Euro je Quadratmeter, die fünf Solinger Genossenschaften zusammen mit fast 10.000 Wohnungen kommen auf 5,63 Euro.