Solingen: 18-Jährige rettete Bullen vor dem Schlachter

18-Jährige rettet Rinder vor Schlachter : Bulle Billy darf nun alt werden

Julie Siemering hat Geld gesammelt, um das Charolais-Rind Billy vor dem Schlachter zu retten. Mit Erfolg. Es kam so viel zusammen, dass die 18-Jährige aus Solingen gleich noch mehr Tiere zu sich holte.

Die Geschichte von Julie Siemering und dem Charolais-Bullen Billy hat ein gutes Ende gefunden. Die 18-Jährige aus Solingen sammelte auf einer Crowdfunding-Plattform Geld, um den Bullen kaufen und so vor dem Schlachter retten zu können – am vergangenen Freitag holte sie Billy auf einem Hof in Niedersachsen ab und brachte ihn in einen Pensionsstall im Sauerland, wo er nun bleiben kann.

„Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich bin“, sagt sie. Durch einen Artikel in der „Rheinischen Post“ am 12. November waren  viele Leser aufmerksam geworden und wollten Julie Siemering unterstützen. „Die erste Woche war wirklich heftig“, sagt sie. „Es gab so viele Anfragen von Menschen, die mir helfen wollten.“ Mehr als 10.000 Euro seien zusammengekommen, einige Leute wollen monatliche Patenschaften für Billy übernehmen. Eine Spedition aus Straelen wollte den Transport des mehr als 1000 Kilogramm schweren Tieres organisieren. Doch Julie Siemering kaufte mit dem Geld nicht nur Billy, sondern auch „zwei Freundinnen von ihm“, wie sie sagt. Die vier und 17 Jahre alten Mutterkühe lebten mit Billy in einer Herde in Niedersachsen – auch sie sollten nun geschlachtet werden. „Ich habe genau einen Tag vor der geplanten Schlachtung auch für sie noch einen Platz gefunden“, sagt Julie Siemering. Billy möchte sie behalten, die beiden Kühe will sie in gute Hände vermitteln.

Die Spedition half ihr, ein Viehtransportunternehmen in Mönchengladbach zu beauftragen, und übernahm die Kosten. 300 Euro kosten Stall und Futter jeden Monat für die drei Rinder. Der ehemalige Deckbulle Billy muss außerdem kastriert werden. Er war nach einem Unfall quasi ausgemustert worden, weil er nicht mehr als Deckbulle eingesetzt werden konnte, und sollte deshalb geschlachtet werden. Julie Siemerings Herz hängt an dem Tier, seit sie es vor drei Jahren auf dem Hof ihres Großvaters zum ersten Mal gesehen hat. Damals hieß es, der Bulle sei unberechenbar, sie solle sich fernhalten. Doch das Mädchen kümmerte sich um den Bullen, der keinen Namen hatte, sondern eine Nummer im Ohr. Julie Siemering nannte ihn Billy, striegelte und pflegte ihn, brachte ihm kleine Kunststücke bei und vergaß ihn auch dann nicht, als er nach einigen Monaten nach Niedersachsen verkauft wurde. „Ich habe ihm versprochen, dass ich ihn hole, wenn es mal Probleme geben sollte“, sagt sie.

Das Versprechen hat sie gehalten. Der vierjährige Bulle soll nun alt werden dürfen und ein schönes Leben haben, wie sie sagt. „Das verdient jedes Tier.“ In der Mast werden die Tiere oft nach weniger als zwei Jahren geschlachtet, Milchkühe werden selten älter als fünf Jahre.

Das Geld der Spender hat Julie Siemering auf ein Konto eingezahlt, damit finanziert sie nun die Unterbringung der Tiere, Futter und Tierarztkosten. „Ich lebe sowieso sparsam“, sagt sie. „Ich gebe kaum Geld aus. Nur für Heu.“ Mit den drei gekauften Rindern hat Julie Siemering nun eine eigene kleine Herde. Auf einer Weide in Solingen stehen schon ihre Kuh Lina und der riesige Limousin-Bulle Noni. Beide hat sie mit der Flasche groß gezogen. „Es gibt noch viele Tiere, die Hilfe brauchen“, sagt sie. „Ich bin einfach nur glücklich, Lina und die anderen in meinem Leben zu haben.“

Julie Siemering will bald eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen und engagiert sich zur Zeit im Bundesfreiwilligendienst in einem Kindergarten. Doch was auch immer sie in Zukunft machen wird, der Bulle Billy wird nicht das letzte Tier sein, dem sie ein besseres Leben ermöglicht hat. Da ist sie sich ganz sicher. „Wir können alle die Welt ein bisschen besser machen“, sagt sie. Fürs Erste überlegt sie sich nun Namen für die beiden Kühe, die bisher auch nur Nummern waren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Julie und die Rinder