Evangelische Gemeinde Solingen-Wald: Als Pfarrer in die Gesellschaft hineingewirkt

Evangelische Gemeinde Solingen-Wald : Als Pfarrer in die Gesellschaft hineingewirkt

Nach fast 33 Jahren verlässt Hartmut Schneider die evangelische Gemeinde Wald, um sich noch einmal beruflich zu verändern. Fortan widmet sich der 61-Jährige für die Landeskirche dem „Pastoralen Dienst im Übergang“.

Wer den Blick über die hohe Regalwand im Arbeitszimmer schweifen lässt, stößt auf eine ganze Reihe von Aktenordnern, in denen der Hausherr seine früheren Predigten aufbewahrt. Da ist, wenig überraschend, einiges zusammengekommen: Schließlich ist Hartmut Schneider seit fast 33 Jahren Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Wald. „Ich schaue immer wieder in die Ordner rein“, verrät der inzwischen 61-Jährige. „Dabei stellt man auch fest, wie sich die Welt oder man sich selbst verändert hat.“

Am Sonntag wird Schneider in „seiner“ Gemeinde zum letzten Mal die Kanzel betreten – und bald auch das Pfarrhaus an der Corinthstraße verlassen. „Ich bin seit zwei bis drei Wochen auf Abschiedstournee“, erzählt er, während er einen Ökobeutel vom Tisch nimmt. „Danke“ haben Kindergartenkinder darauf in bunten Farben geschrieben.

Man kennt und schätzt ihn im Stadtteil, das ist offensichtlich. „Wenn ich einen Schritt zur Tür hinausmache, werde ich angesprochen“, erzählt er. Die Anteilnahme und Nähe zu den Menschen werde er sicher vermissen, betont er. Dennoch stellt sich der Vater dreier Töchter – und inzwischen Großvater von vier Enkeln – für die letzten Berufsjahre einer neuen Aufgabe: Für die Landeskirche wird er am Projekt „Pastoraler Dienst im Übergang“ mitwirken und in dieser Funktion Gemeinden im Umbruch beraten sowie die pastorale Grundversorgung sicherstellen. „Ich habe das schon länger perspektivisch im Blick“, sagt der gebürtige Duisburger.

Geboren wurde der Pfarrerssohn im Arbeiterviertel Marxloh, in der Karl-Marx-Straße. „Die Strömung religiöser Sozialisten hat mich in meinem Denken stark beeinflusst“, sagt Schneider. Das spiegelt sich auch in seinem Wirken in Solingen wieder, wo er 1987 gemeinsam mit Ehefrau Martina Köster-Schneider die vierte Pfarrstelle in der Walder Gemeinde übernahm: Seit Ende der 1980er Jahre gibt es das sozial-diakonische Zentrum mit Mittagstisch, Beratung und Kleiderkammer. Eine abendliche Mahnwache aus Anlass des Zweiten Golfkriegs ging ebenso auf Schneiders Initiative zurück wie der Fachausschuss Umwelt des Kirchenkreises, der viele Akteure an einen Tisch brachte und ein städtisches Agendabüro beantragte.

Eine Kirche, die in die Gesellschaft hineinwirke und Impulse setze sei immer sein Wunsch gewesen, betont er. Die Verständigung der Religionen ist das Ziel eines „Abrahamitischen Gastmahls“, das er als Teil eines Teams ins Leben rief. Und auch seine musikalische Ader brachte der passionierte Gitarrist in die Gemeindearbeit ein: Für die Kinderbibelwoche gründete er eine Band und organisierte 25 Jahre lang Veranstaltungen der Reihe „Kultur in der Kirche“.

Seinen Abschied begeht Pfarrer Schneider, während es rund um die Kirche lebhaft zugeht: Denn schließlich steht am kommenden Wochenende der Walder Weihnachtsmarkt auf dem Programm. Beruflich kommt es für Hartmut Schneider mit dem Abschied aus Wald übrigens zur „Familienzusammenführung.“ Denn seine Ehefrau Martina Köster-Schneider pendelt seit Jahren als Pfarrerin nach Wuppertal-Barmen. Dort wird das Ehepaar bald in eine Dienstwohnung einziehen. Hartmut Schneiders Wirkungsfeld wird künftig die Kirchenkreise Wuppertal und Niederberg umfassen.