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Solingen: Beigeisternde Klänge in Gräfrath

Solingen : Beigeisternde Klänge in Gräfrath

Der Bonner Organist Markus Karas gastierte beim Orgelsommer in der Klosterkirche.

Es ist Halbzeit beim Gräfrather Orgelsommer, drei Konzerte sind absolviert, noch drei stehen auf dem Konzertplan. Am Sonntag gastierte Markus Karas, Organist am Bonner Münster, in St. Mariä Himmelfahrt. Sein Konzert auf der Klais-Orgel war ein Erlebnis. Der Solist wirkt zudem auch als Regionalkantor im Stadtdekanat Bonn, er ist ein gern gesehener Gast beim dortigen Beethovenfest und dazu ein gefragter Chordirigent.

In Gräfrath zollte er den drei barocken Altären der Kirche mit Musik von Johann Sebastian Bach seinen Respekt. "Schmücke dich, o liebe Seele", ist ein schlichtes, ergreifendes Choralvorspiel des Meisters aus dem Barock von großer melodischer Schönheit. Anfang des 19. Jahrhunderts spielte die Orgel keine große Rolle mehr in der Musik. Es war das Verdienst von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dass dieses Instrument neben den Gottesdiensten auch wieder Bedeutung in der weltlichen Musik bekam. Im Jahr 1844 beginnt er mit der Komposition seiner sechs Orgelsonaten, mit denen er die Orgelmusik auch für die Romantik öffnete und die als ein Höhepunkt seines kompositorischen Schaffens gelten.

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Der Gastorganist spielte die Sonate No. 3 Opus 65 und nahm die beiden Satzbezeichnungen sehr ernst. "Con moto maestoso" erklang die Orgel hoheitsvoll und gewaltig. Verhalten und mit leisen Tönen wie aus der Ferne interpretierte der Organist das ruhige "Andante tranquillo" des zweiten Satzes. Markus Karas hat sich auch einen Namen als Komponist gemacht, er schrieb Bühnenmusiken, vielseitige Kammermusik und kann ein enormes Werkverzeichnis an Kompositionen für die Orgel vorweisen.

In Gräfrath spielte der 52-Jährige drei seiner Werke, die alle Bezug nehmen auf geistliche Werke früherer Jahrhunderte. Den Bach-Choral "Auf meinen lieben Gott" hat er 1983 "in Bach'scher Manier" bearbeitet und daraus drei unterschiedliche Miniaturen gemacht. Zuerst fast erschreckend mächtig und gleich darauf leise und verspielt, erklangen die acht Variationen des Chorals "Jesu dulcis memoria".

Die Klais-Orgel der Klosterkirche zeigte noch einmal ihre Qualität, als Markus Karas zum Abschluss des gut einstündigen Konzertes seine strahlende Toccata "Pfingstfantasie" spielte, eine begeisternde Komposition und zugleich eine überaus feierliche Würdigung des Pfingstfestes.

Den Beifall der vielen Zuhörer teilte Karas durch deutliche Gesten mit der Orgel.

(wgu)