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Solingen: Salafist ruft im Internet zu Anschlägen auf

Solingen : Salafist ruft im Internet zu Anschlägen auf

Ein Hassprediger, der in Solingen verkehrte, fordert in einem Video dazu auf, Zivilisten zu ermorden. Derweil wurde in der Türkei ein Solinger Salafist gefasst. Der Mann war verletzt. Ob es sich um eine Kriegsverletzung handelt, ist unklar.

Gewaltbereite Salafisten bereiten den Sicherheitsbehörden weiter große Sorgen. Im Internet kursiert seit kurzem ein neues Video mit einem der führenden Köpfe der Szene, dem Berliner Denis Cuspert. In der rund vier Minuten langen Hassbotschaft ruft Cuspert, der eine zeitlang auch in der 2012 geschlossenen Solinger Salafisten-Moschee verkehrte, unter anderem dazu auf, Zivilisten zu ermorden.

Cuspert, der früher als Rapper auftrat, ehe er zu einem radikalen Muslim wurde, soll sich im Herbst vergangenen Jahres in den Nahen Osten abgesetzt haben. Gleiches gilt nach Überzeugung der Fahnder auch für einen Solinger Salafisten, der vor etwas mehr als zwei Wochen an der türkisch-syrischen Grenze aufgegriffen wurde. Der Mann ist inzwischen nach Deutschland abgeschoben worden. Dort sitzt der 24-Jährige, der deutscher Staatsbürger ist, in Wuppertal in Untersuchungshaft. Ihm wird zur Last gelegt, sich an den Ausschreitungen der Salafisten am 1. Mai 2012 vor dem Solinger Rathaus beteiligt zu haben.

Bei seiner Festnahme an der türkisch-syrischen Grenze hatte der gebürtige Solinger keinerlei Papiere bei sich. Dafür war der 24-Jährige verletzt. "Er hat angegeben, sich diese Verletzungen bei einem Verkehrsunfall zugezogen zu haben", sagte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal.

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Eine Behauptung, deren Wahrheitsgehalt die Behörden zurzeit nicht überprüfen können. Tatsächlich verschwand der Mann im Herbst 2012 aus seiner Heimatstadt Solingen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Solinger in den Nahen Osten absetzte. Ob er sich dort, etwa in Syrien, an kriegerischen Handlungen beteiligte, ist unbekannt. "Das können wir nicht sagen", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern.

Fest steht aber, dass der 24-Jährige bis zu seinem Verschwinden zu den führenden Köpfen der Solinger Salafisten-Szene gehörte. So stand sein Name auf dem Klingelschild der Hinterhof-Moschee an der Konrad-Adenauer-Straße, die den Salafisten bis zur Schließung im Juni 2012 als Treffpunkt diente.

Von dort gingen im Mai 2012 die schweren Ausschreitungen vor dem Solinger Rathaus aus, während derer mehrere Polizisten verletzt wurden. Die radikalen Muslime griffen bei der damaligen Straßenschlacht die Beamten mit Stöcken und Steinen an, weil sie sich durch Mohammed-Karikaturen provoziert fühlten, die die rechte Partei Pro NRW zeigte.

Nach Überzeugung der Ermittler beteiligte sich der jetzt in der Türkei festgenommene Solinger zwar nicht aktiv an den Angriffen auf die Polizisten. Wohl aber war er bei den Ausschreitungen dabei. "Der Mann hielt zum Beispiel das Mikrofon, in das ein anderer Salafist sprach", hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Gegen diesen Sprecher, der ebenfalls als Schlüsselfigur der Solinger Szene gilt, wurde inzwischen auch Anklage erhoben. Der Mann muss sich Ende August vor dem Amtsgericht verantworten.

Der 24-jährige Solinger steht dann einen Monat später vor dem Richter. Bis dahin bleibt er in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte diese beantragt, da der Mann aus Deutschland verschwand. Der Antrag wurde zunächst vom Amtsgericht abgelehnt. Diese Entscheidung hob das Landgericht später aber auf, indem es den Gesuchen der Anklagebehörde doch noch stattgab.

(RP)