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36 Millionen Euro für die Revolution in der Solinger Innenstadt

Innenstadt-Umbau : 36 Millionen Euro für eine ganz neue City

Das Konzept „City 2030“ steht. Es sieht die größte Umgestaltung der Solinger Innenstadt seit dem Krieg vor. Der Handel wird konzentriert, es entstehen neue Quartiere mit bis zu 3600 zusätzlichen Einwohnern. Der Rat entscheidet im Juni.

Für gewöhnlich bedienen sich die Mitarbeiter auf den Fluren sowie in den Büros des Solinger Rathauses an der Cronenberger Straße – wie es sich für ordentliche deutsche Amtsstuben nun einmal gehört – eines  eher sachlich-moderaten Tonfalls. Doch als Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) am Freitagmittag um kurz nach 12.30 Uhr zum ersten Mal ein noch druckfrisches Exemplar des neuen Entwicklungskonzeptes „City 2030“ in den Händen hielt, da wich das Stadtoberhaupt zumindest für einen kurzen Moment von den sonst üblichen Gepflogenheiten ab und bemühte Superlative.

So sprach der OB unter anderem von einer „Jahrhundertaufgabe“, die wohl ganze „Generationen“ beschäftigen werde. Wobei Kurzbach mit dieser Wortwahl am Ende noch gar nicht einmal allzu verkehrt liegen  muss. Denn sollten die von mehreren Planungsbüros in den vergangenen zwölf Monaten skizzierten Zukunftsvisionen im nächsten Jahrzehnt wirklich durchgesetzt werden, würde die Innenstadt ihr Aussehen in der Tat vollkommen verändern.

Eine Konzentration des Handels im Dreieck Hofgarten / Clemens-Galerien / Alter Markt, die untere Hauptstraße als attraktives Wohngebiet mit Anlieger-Verkehr und verdichteten wie grünen Innenhöfen, eine verschönerte Goerdelerstraße, neue Laufwege und die Errichtung eines modernen Viertels mit bis zu 3600 zusätzlichen Einwohnern im Bereich zwischen Dreieck sowie Südpark – keine Frage, das Zentrum der Klingenstadt steht vor mehr als einem nur oberflächlichen Facelifting.

Was wiederum dazu führt, dass – eine Zustimmung des Stadtrates im Juni vorausgesetzt – fortan eine Umsetzung möglichst aus einem Guss zu erfolgen hat. Denn nach wie vor gibt es in der Solinger Innenstadt zahlreiche Eigentümer von Immobilien, die allesamt mit ins Boot geholt werden müssen, um das Projekt City-Umbau zu einem Erfolg zu bringen.

Aus diesem Grund führten die verantwortlichen Stellen der Verwaltung in den zurückliegenden Monaten – parallel zur Ausarbeitung des Konzepts – hinter den Kulissen bereits eine ganze Reihe von Gesprächen auf Landesebene, bei denen unter anderem vorgefühlt wurde, welche Chancen auf Förderung existieren. Wobei die ersten Signale aus dem NRW-Heimatministerium in Düsseldorf durchaus zuversichtlich stimmten, wie die Stadt nun mitteilte.

So geht das Rathaus davon aus, dass zu guter Letzt (inklusive der städtischen Eigenanteile) eine Summe von rund 36 Millionen Euro zur Verfügung stehen dürfte. Dieses Geld könnte unter anderem verwendet werden, um sanierungswilligen Immobilien-Besitzern in Form einer neuartigen „Umnutzungspauschale“ zu helfen.

Gleichwohl reicht dies nicht aus. Damit der Prozess des Wandels nicht ins Stocken gerät, schwebt der Stadtspitze zudem vor, wo nötig selbst am Markt einzugreifen. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise ein Fonds zum Ankauf von Häusern. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Stadt zukünftig als Bauherr aktiv wird. Denn wie Stadtdirektor Hartmut Hoferichter und OB Kurzbach bei der Präsentation des Konzepts  jetzt noch einmal betonten, gehe es einzig darum, Veränderungen zu koordinieren und schon laufende Vorhaben zu unterstützen.

„Wir haben im Vergleich zu anderen Städten den Vorteil, dass wir das Problem des Innenstadt-Umbaus frühzeitig angegangen sind“, sagte Tim Kurzbach am Freitag. Diesen Vorsprung gelte es nun so zu nutzen, dass die Solinger Innenstadt auch in Zukunft ein pulsierender Ort des Lebens, Wohnens und des Handels für die Menschen bleibe.