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Die Geschichte der Gräfrather Klosterkirche

Serie: Kirchen in Solingen : Klosterkirche im Wandel der Jahrhunderte

Nach dem letzten Brand 1717 wurde die Kirche unter Beibehaltung der romanischen und gotischen Außenmauern neu erbaut.

Die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche und eines Klosters in Gräfrath stammt aus dem Jahr 1185. Bereits zwei Jahre später beurkundet der Kölner Erzbischof, dass hier die Vilicher Äbtissin Elisabeth in Greverode zu Ehren Gottes und Mariens ein Kloster eingerichtet und finanziell ausgestattet hat. Die Kirche selbst beruht auf einem Vorläuferbau, der vor 1180 entstanden ist. „Man kann heute noch sehr gut sehen, wie die Kirche wohl in der Gründerzeit ausgesehen hat“, erzählt Ulrike Spengler-Reffgen, Dekanatsratsvorsitzende und Verfasserin des Kirchenführers über die Gräfrather Kirche St. Mariä Himmelfahrt.

Dies ist einer göttlichen Fügung zu verdanken. Im Jahr 1990 beschädigte ein Bagger versehentlich eine Kirchenwand. Was dahinter zum Vorschein kam, war mehr als außergewöhnlich. Es war die nördliche Mittelschiffwand der ursprünglichen dreischiffigen Pfeilerbasilika. „Diese romanische Wand wurde von der Sakristei-Seite aus freigelegt“, sagt Ulrike Spengler-Reffgen. Doch nicht nur die romanischen Ursprünge der mehrmals um- und wieder aufgebauten Kirche sind erhalten geblieben. „Das Besondere ist, dass noch die barocke Innenausstattung erhalten ist.“

 Der barocke Altar in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt.
Der barocke Altar in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt. Foto: Meuter, Peter (pm)

Diese geht auf Mitte des 18. Jahrhunderts zurück und erzählt eine beredte Geschichte. So ist auf dem Hochaltar das Patrozinium, die Himmelfahrt Mariens, dargestellt. Der Heiligen Katharina von Alexandrien wurde der rechte Seitenaltar geweiht. Eine Reliquie dieser Heiligen kam 1309 ins Kloster. Aus dieser Reliquie trat in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mehrfach Flüssigkeit aus und zog im Spätmittelalter unzählige Pilger nach Gräfrath. Diese Katharinenreliquie sowie eine Flasche der daraus ausgetretenen Flüssigkeit gehören noch heute zum Kirchenschatz, der im benachbarten Deutschen Klingenmuseum in einem extra dafür eingerichteten Raum zugänglich ist. „Gräfrath und auch die Kirche und das Kloster wurden mehrmals durch Brände zerstört“, weiß die Dekanatsratsvorsitzende.

 Blick auf die seitliche Kanzel in der Klosterkirche.
Blick auf die seitliche Kanzel in der Klosterkirche. Foto: Meuter, Peter (pm)

Nach dem letzten Brand 1717 wurde die Kirche unter Beibehaltung der romanischen und gotischen Außenmauern neu erbaut. „Auch die barocke Dachstuhlkonstruktion ist noch erhalten“, verzählt Ulrike Spengler-Reffgen, „aber die kann leider nicht besichtigt werden.“

1803 wurde das Kloster geschlossen und die Klosterkirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. „Es macht den Charme dieses Gebäudes aus, dass man heute noch die verschiedenen Epochen und Baustile erleben kann.“ Nicht nur für Trauungen bietet die Kirche eine wunderschöne Kulisse, auch der Gräfrather Orgelsommer ist für viele Musikfreunde ein besonderes Erlebnis.

 Das Eingangsportal der Kirche.
Das Eingangsportal der Kirche. Foto: Meuter, Peter (pm)

Die Orgel, auf der dabei gespielt wird, geht zurück auf ein von Clemens Schneider 1893 erbautes Instrument. Der Bonner Orgelbauer Johannes Kleis hat die Orgel 1912 in klanglicher und technischer Hinsicht mehr oder weniger neu erbaut. „Was mir an der Kirche gut gefällt ist, dass sie nicht ganz klein, aber auch nicht riesig ist“, verrät Spengler-Reffgen. Außerdem ist die Lage der Kirche ebenfalls besonders. Oben auf der Höhe thront sie über dem Gräfrather Marktplatz wie eine stille Wächterin.