Bauern in Rommerskirchen bangen um die Mais-Ernte

Landwirte in Rommerskirchen: Bauern bangen um die Mais-Ernte

Zumindest in der fruchtbaren Gillbach-Region sind die Landwirte bei der Getreideernte mit einem blauen Auge davon gekommen. Bei der bereits übernächste Woche überaus früh beginnenden Mais-Ernte könnte es schlimmer kommen.

Von einer Katastrophe ist bundesweit die Rede, geklagt wird bei manchen über die schlechteste (Getreide-)Ernte aller Zeiten. Die war es in der Region zwar nicht, doch drohen für den Rest der Erntekampagnen drastische Einbußen. Dies gilt bereits für die übernächste Woche startende Mais-Ernte. Axel Steinkellner von der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft zeichnet ein differenzierteres Bild für die Region. „Die Rommerskirchener Bauern sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Wie schon im vergangenen Jahr war es eine allenfalls durchschnittliche Getreideernte“, sagt der Leiter der Buir-Bliesheimer-Dependance an der Rudolf- Diesel-Straße. Dennoch: „Es ist ungewöhnlich, dass es seit dem Beginn der Gersteernte bis jetzt nicht ein Mal geregnet hat“, sagt Steinkellner. Älteren Landwirten zufolge sei dies zuletzt 1976 der Fall gewesen und davor in den 1950-er Jahren.

Dass die Konsequenzen der anhaltenden Dürre am Gillbach abgeschwächt werden konnten, ist darauf zurückzuführen, dass es zumindest im Frühjahr geregnet hat und die anerkannt hochwertigen Böden dieses Wasser haben speichern können. Über diesen Vorzug verfügen jedoch beileibe nicht alle Böden im Einzugsbereich der Buir-Bliesheimer. In Richtung Dormagen und im Kölner Norden sind die Bauern deutlich härter betroffen als die in Rommerskirchen oder Grevenbroich, beziehungsweise den Nachbarstädten Bergheim und Bedburg im Rhein-Erft-Kreis. Die Faustregel: Je näher es dem Rhein entgegen geht, desto weniger hochwertig sind die Böden.

Die anhaltende Dürre hat dazu geführt, dass die sonst in aller Regel bis zum 10. August andauernde Getreideernte bereits am 24. Juli abgeschlossen wurde, nachdem die Bauern schon seit dem 20. Juni im Ernteeinsatz waren. Für das siebenköpfige Team der Buir-Bliesheimer herrschte an den zu Beginn des Jahrzehnts errichteten Silos permanenter Hochbetrieb: Vom frühen Morgen bis tief in die Nacht rollten die Traktoren und lieferten das frisch geerntete Getreide ab. 3000 Tonnen täglich wurden angenommen, was Axel Steinkellner zufolge gut 150 Traktoren ausmacht, die täglich von früh bis spät bei der Genossenschaft entladen wurden.

Während das Getreide die Hitze noch am besten vertragen hat, sehen die Landwirte der Ernte von Möhren, Kartoffeln, Mais und nicht zuletzt der Zuckerrüben durchaus mit Bangen entgegen. Die zuletzt erzielte Rekordernte bei den Rüben werde dieses Jahr mit Sicherheit nicht erreicht, ist Steinkellner sicher.

Auch die Bodenqualität wird da nicht mehr im bisherigen Ausmaß entlastend wirken können, denn das gespeicherte Wasser ist angesichts der Trockenheit nun einmal endlich. Die sich einst von September bis in den späten Herbst hinziehende Rübenkampagne dauert inzwischen bereits bis in den Januar hinein.

Und die Konsequenzen für die Landwirte? „Es wird Betriebe geben, für die es existenziell bedrohlich wird. Es können noch einige böse Überraschungen auf uns zukommen“, befürchtet Axel Steinkellner.

Hubertus Velder, stellvertretender Ortslandwirt, hält mit Blick auf die weitere Ernte „eine Katastrophe“ für möglich. „Die Maisernte hat noch nie so früh begonnen“, sagt er. Seine Prognose: „Die Futterbetriebe werden ganz große Probleme bekommen.“ Auch bei den Kartoffeln ist der Betreiber des Vanikumer Hofs nicht optimistisch, da die bei der anhaltenden Hitze nun einmal nicht wachsen können. Auch für die Rübenernte sieht es alles andere als gut aus. Je mehr Sonne, desto weniger Wasser und umso konzentrierter der Zuckergehalt, was der Qualität nicht im geringsten förderlich ist.

Staatliche Hilfen für die Landwirtschaft, wie sie auf politischer Ebene diskutiert werden, sind aus seiner Sicht durchaus geboten. Allerdings sollten sie nicht nach dem so genannten Gießkannenprinzip erfolgen. „Statt breit Geld zu verteilen, wäre es aber sinnvoll, über ein Risikomanagement nachzudenken“, betont er. In dem müssten „die Wetterextreme, mit denen wir in den nächsten Jahrzehnten wohl zu tun haben, berücksichtigt werden“, sagt Hubertus Velder.