Tierwelt am Gillbach verarmt zunehmend

Rommerskirchen: Viele Tierarten sind nicht mehr anzutreffen

In der neuen Arbeitsgruppe, die sich mit dem Verschwinden etlicher Tierarten befassen soll, sind spannende Diskussionen zu erwarten.

Kommt Jupp Kirberg auf die Tierwelt am Gillbach zu sprechen, wird sein Ton bitter: Immer weniger Feldhasen, Kaninchen, Fasanen und Feldhühner seien auf Äckern, Wiesen und Feldern anzutreffen. Lerchen würden immer seltener, desgleichen Sperlinge, während Kiebitze ganz verschwunden seien - was gleichermaßen für Raubvögel wie den Turmfalken oder verschiedene Eulenarten gelte.

Auch der Feldhase ist am Gillbach wie etliche andere Tierarten kaum noch anzutreffen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die von ihm beklagte Verarmung hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten vollzogen, sagt Kirberg, der seit 20 Jahren am Gillbach lebt und als nach wie vor bekanntestes Aushängeschild von Bündnis 90/Die Grünen keineswegs mit geschlossenen Augen durch die Natur wandelt. Gemeinsam mit der SPD hat er daher im Frühjahr einen Antrag initiiert, der demnächst in die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft münden soll. der sich mit der Verarmung der Tierwelt am Gillbach beschäftigen soll.

Die konstituierende Sitzung des Gremiums könnte nach derzeitigem Stand der Dinge womöglich schon in gut drei Wochen stattfinden, wie Gerda Moritz berichtet, die im Rathaus mit der Koordination der Gesprächsrunde betraut ist. Teilnehmen sollen natürlich Mitglieder aller Fraktionen, aber auch Umweltverbände wie der BUND oder der NABU. Denkbar ist, dass auch sachkundige Bürger zu den Sitzungen der Arbeitsgruppe kooptiert werden könnten. Darüber entschieden werden dürfte bei deren konstituierenden Sitzung, wie Gianna Lakhal vom Bürgermeisterbüro betont.

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Mit von der Partie sind definitiv auch Vertreter der Landwirtschaft. Nur mit ihnen und nicht gegen sie seien Lösungen möglich, hatte sich Michael Stevens, Leiter der Biologischen Station des Rhein-Kreises Neuss, vor gut zwei Monaten im Rat geäußert. Im Prinzip dürfte es Kirberg nicht grundsätzlich anders sehen, der schon manch einen Strauß mit der Landwirtschaft ausgefochten hat. „Es bleibt immer ein Kampf“, hatte er kürzlich am Rande des Ortsteilgesprächs in Ramrath mit Blick auf den Naturschutz gesagt.

In vielen Punkten deckungsgleich mit Kirbergs Positionen ist der Butzheimer Rolf Martens, der sich nicht allein aus verkehrstechnischen Gründen für den Erhalt der Wirtschaftswege engagiert. In einem Brief an Bürgermeister Martin Mertens hat Martens schon im Januar auf die Bedeutung der Wirtschaftswege für die Tierwelt hingewiesen. Falsch wäre aus seiner Sicht zu behaupten, dass der Rückgang von Feldhasen „allein auf die intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung zurückzuführen ist“. Dennoch stehe das Verschwinden der Tiere in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Zustand der Bankette. Diese seien die einzigen Rückzugsflächen für Wildkräuter und -gräser. Verschwänden die, fänden Hasen nicht mehr die nötige Kräutervielfalt, argumentiert Martens. An die Landwirte sei zu appellieren, die im Eigentum de Gemeinde stehenden Bankette nicht abzupflügen und nicht mit Pflanzengift zu behandeln. Ob nun mit oder ohne Martens - die anstehenden Diskussionen dürften spannend werden.

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