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Rheinberg: Beigeordnete Rosemarie Kaltenbach im Interview

Rheinberg : „Ich möchte Beigeordnete bleiben“

Bei der Bürgermeisterwahl 2020 will sie nicht wieder antreten. Mit der SPD habe sie keinen Krach, sagt sie.

Rosemarie Kaltenbach ist seit 40 Jahren im öffentlichen Dienst – dafür hat Bürgermeister Frank Tatzel der Beigeordneten der Stadt Rheinberg jetzt eine Urkunde überreicht. Die RP hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, mit der 58-Jährigen über ihre Arbeit zu sprechen.

Frau Kaltenbach, Sie sind nach dem Abitur 1978 gleich in die Verwaltung gegangen. Seit knapp sieben Jahren sind sie jetzt in Rheinberg. Als Beigeordnete wurden Sie für acht Jahre gewählt. Ihre Wiederwahl steht im nächsten Jahr an. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Kaltenbach Ich stelle mich zur Wiederwahl und hoffe, dass sich der Rat für mich entscheidet. Allerdings möchte ich spätestens mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen.

2020 sind Kommunalwahlen. Werden Sie wie 2014 wieder für das Bürgermeisteramt kandidieren?

Kaltenbach Definitiv nicht. Ich sehe keinen Sinn darin, mit dann 60 Jahren noch einmal zu kandidieren.

Schmerzt die Wahlniederlage von damals noch?

Kaltenbach Nein, das ist lange vorbei. Ich habe damals sehr viel Energie in den Wahlkampf gesteckt. Klar, dass man dann enttäuscht ist, wenn es nicht klappt. Auf der anderen Seite habe ich sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Ich habe zum Beispiel viele interessante Menschen kennengelernt. Und es war schön zu sehen, dass meine Arbeit grundsätzlich gewertschätzt wird. Denn in der Stichwahl haben mich damals alle Fraktionen mit Ausnahme der CDU unterstützt.

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Sie waren aber vor allem die Kandidatin der SPD. Wenn man die Debatten in letzter Zeit verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen, die SPD und Sie hätten sich entzweit. Bei Themen wie der Rückführung der Reinigungskräfte in die Kommunalverwaltung, der Diskussion um die Grünschnitt- und Sperrmüllannahme beim DLB, dem neuen Rheinberg-Logo und dem Spielplatz am Plankweg lagen die Positionen diametral auseinander.

Kaltenbach Ich habe der SPD damals gesagt: Ihr habt mich gewählt, aber ihr habt mich nicht gekauft. Ich muss als Beigeordnete die Sicht der Verwaltung darstellen, nicht die der Partei. Ich habe mich verpflichtet, sachlich-neutral zum Wohle der Stadt zu handeln.

Wie stehen Sie zu den genannten Punkten?

Kaltenbach Bei den Reinigungskräften habe ich gesagt, aus betriebswirtschaftlichen und finanziellen Gründen können wir das eigentlich nicht machen. Es wurde politisch entschieden, was ich auch respektiere. Beim DLB habe ich mich vor die Mitarbeiter gestellt – aus Sicherheitsgründen. Ich bin als DLB-Betriebsleiterin für die Sicherheit auf dem Betriebsgelände verantwortlich, nicht für die auf der Bahnhofstraße. Das ist Sache der Polizei. Das war eine richtige Entscheidung, dabei bleibe ich. Was den Spielplatz Plankweg in Orsoyerberg angeht, so war noch gar keine Entscheidung gefallen. Wir haben eine Spielflächenbedarfsplanung gemacht und alle Spielplätze im Stadtgebiet untersucht. Welche Flächen soll man aufgeben, welche soll man attraktiver gestalten? Den Platz am Plankweg hatten wir noch zurückgestellt. Ich hätte es besser gefunden, ihn aufzugeben und den an der Clevischen Straße aufzuwerten. Aber wenn es anders sein soll, ist das auch kein Problem.

Wie steht es also um Ihr Verhältnis zur SPD?

Kaltenbach Wir haben kein Problem miteinander. Die Differenzen sind rein inhaltlicher Art. Ich kann als Beigeordnete, selbst wenn ich wollte, keine SPD Politik machen.

In welchem Zustand ist die Stadtverwaltung? Wenn man sich umhört, hört man viele Klagen.

Kaltenbach Es gibt einen Trend, die Arbeit des Öffentlichen Dienstes gering zu schätzen. Das bekommen Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr zu spüren. Aber es trifft auch uns. Es gibt Menschen, die einfach andere Erwartungen haben. Wir haben in Rheinberg aber eine leistungsfähige Verwaltung. Wir arbeiten gut zusammen, dadurch wird einiges kompensiert. Wichtig ist, dass man die Mitarbeiter unterstützt und sich vor seine Leute stellt. Wie ich es beim DLB getan habe.

Und wie ist das Verhältnis zwischen Verwaltung und Politik?

Kaltenbach Das war auch früher nicht immer gut. Bis auf Dieter Paus und seinen Vorgänger Klaus-Dieter Henne sind Beigeordnete meines Wissens nach nie wiedergewählt worden. Gleiches gilt für Stadtdirektoren und Bürgermeister. Nur Hans-Theo Mennicken hat zwei Amtszeiten gemacht.

Sie sind Personalchefin im Stadthaus. Immer wieder wird gesagt, dass es schwierig sei, gute Mitarbeiter zu finden.

Kaltenbach Das stimmt. Wir sind momentan eher unattraktiv als Arbeitgeber. Die Konjunktur läuft gut, deshalb bieten sich in der freien Wirtschaft vielfach bessere  Verdienstmöglichkeiten. Das Thema wird uns weiterhin begleiten. Wir begegnen dem, indem wir ein Personalentwicklungskonzept auflegen. Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein, möchten etwa Weiterbildungen anbieten. In den nächsten zehn bis zwölf Jahren werden wir viele erfahrene Mitarbeiter verlieren, darauf müssen wir vorbereitet sein.

2016 haben Sie zusätzlich den großen Bereich Soziales und Jugend übernommen.

Kaltenbach Ja, eine große und wichtige Aufgabe, allein von den Personalzahlen her. In der Abteilung Asyl etwa haben sich Schwerpunkte verändert. Diese Abteilung werden wir ab dem nächsten Jahr in der ehemaligen Hausmeisterwohnung an der Goldstraße unterbringen. Was die Integration von Flüchtlingen angeht, so sind die Strukturen gelegt. Ein Integrationskonzept hat der Rat einstimmig beschlossen. Es ist alles auf einem guten Weg, und wir haben das alles mit unseren eigenen Leuten gestemmt. Unglaublich ist, wie viele ehrenamtliche Rheinberger sich hier engagieren. Das ist nicht in allen Kommunen so. Aber Jugend und Soziales sind nicht nur Asyl und Integration. Große Themen sind auch die Kinderbetreuung sicherzustellen, bedarfsgerechte Spielplätze zu schaffen oder  Seniorenarbeit zu konzipieren.