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Hockey: "Vater der Kompanie" macht Feierabend

Hockey : "Vater der Kompanie" macht Feierabend

"Mister Hockey" Horst Busse (73), seit 1953 Mitglied im HTC Schwarz-Weiß Neuss, zieht sich in den (Un-) Ruhestand zurück.

Seit gut anderthalb Wochen ist Horst Busse nicht mehr in offizieller Mission für den HTC SW Neuss im Einsatz. Auf der Jahreshauptversammlung trat "Mister Hockey" sein Amt als 2. Vorsitzender an Heiner Franssen ab. Ohne großes Brimborium. Der 73-Jährige ist kein luftig-leichter Showman, er kommt eher hemdsärmelig daher — ein Macher eben, mit ansteckender Tatkraft. Seine Jungs stimmte er kurz und knackig auf wichtige Spiele ein: "Ihr wollt es! Ihr könnt es! Ihr tut es!"

Immer in Bewegung: Als 2. Vorsitzender des HTC SW Neuss: (v.l.) Thomas Draguhn, Ralf Albrecht, Andreas Schwarz, Horst Busse, Walther Pelzer; mit dem Schützenlustzug "Obertoren": (v.l.) Walter Küppers, Jürgen Wilke, Horst Busse, Dietmar Wolf, Klaus-Dieter Schneider; mit Bürgermeister Herbert Napp bei der Verleihung der Sportehrengabe. Foto: Woi (2), L. Hammer

Seit Horst Busse dem 1928 gegründeten Hockey- und Tennis-Club Schwarz 1953 als Mitglied beitrat, hat er dort so ziemlich jede Positionen bekleidet. Als er 1990 ankündigte, die Herren im Land des Olympiasiegers an die absolute Spitze führen zu wollen, "haben mich alle für bekloppt gehalten". Als Manager oder besser, als "Vater der Kompanie", führte er das Team von der Verbands- bis in die Bundesliga und dort bis ins Final-Four-Turnier auf dem Feld und zur Vizemeisterschaft in der Halle. Dafür verlieh ihm Bürgermeister Herbert Napp 2009 die Sportehrengabe der Stadt Neuss. Dass er Ehrenmitglied des HTC ist, versteht sich fast von selbst.

Horst Busse ist nicht auf den Mund gefallen, aber kein Mann der großen Worte. "Er ist eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Man muss schon mal genauer hinschauen, um den weichen Kern zu entdecken", sagt Vereinsvorsitzender Andreas Schwarz und verrät lachend: "Telefongespräche mit ihm dauern selten länger als eine Minute — damit ist er der gnadenlos effektivste Gesprächspartner, den ich kenne." Dazu passten seine Abschiedsworte auf der Jahreshauptversammlung. "Ich bin zu aufgewühlt, um länger zu reden", setzte er an, fügte augenzwinkernd hinzu, "auch meine Reden sind kurz", um dann fast demütig zu schließen: "Es hat mir Spaß gemacht." Applaus. Abgang.

Die Geschichte, zu der die ausgedehnten Radtouren und der Schützenlustzug "Obertoren" ebenso gehören wie ein gesundheitlicher Tiefschlag, geht indes weiter. Hockey bestimmt selbstverständlich auch im (Un-) Ruhestand Horst Busses Leben. Schließlich lief auch Ehefrau Marlies einst für den HTC aufs Feld und Sohn Stephan ist nicht nur beruflich in die Fußstapfen seines bis zur Pensionierung als Prokurist beim Neusser Dienstleistungsunternehmen LPR tätigen Vaters getreten. Er arbeitet als Manager an der Rückkehr der Hockey-Herren in die 1. Bundesliga. Und es darf als gegeben gelten, dass "Mister Hockey" bei Meisterschaftsspielen auch weiterhin seinen Stammplatz an der Seitenlinie einnehmen wird, um mit geschultem Blick vorhandene Missstände auszumachen und konstruktiv zu kommentieren. "Ich bleibe dabei, ist doch klar", verspricht er.

Denn das eine große Ziel, mit dem HTC SW Neuss mal einen Deutschen Meistertitel feiern zu können, hat Horst Busse noch nicht aufgegeben. "Dann klappt es eben 2015", sagt er schmunzelnd. Ein Optimist.

(NGZ/rl)