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Motorsport: Simone Schuft hat satte 225 PS unter der Haube

Motorsport : Simone Schuft hat satte 225 PS unter der Haube

Die Powerboat-Fahrerin aus Neuss gibt in Stockholm ihr Debüt in der "Formel 2 Circuit WM-Serie". Sie flitzt mit Tempo 210 übers Wasser.

Ja, sicher. Simone Schuft ist kein Frischling im Powerboat. Seit elf Jahren sitzt die Neusserin am Steuer der Wasserraketen, hat erst vor drei Wochen Platz vier beim legendären 24-Stunden-Rennen von Rouen belegt. Und trotzdem ist die 38-Jährige schon seit Tagen aufgeregt wie ein kleines Mädchen. Denn heute und morgen gibt sie in Stockholm ihren WM-Einstand in der Circuit-Rennserie der Formel 2.

Eine ganz andere Liga, was Simone Schuft leicht mit Zahlen belegen kann: "Meine ersten Rennen wurden mit 40 PS abgeleistet, mit denen sich eine Geschwindigkeit von gerade mal 100 Stundenkilometern erreichen ließ. Die Rennboliden in der Formel 2 sind mit der Kraft von 225 PS bis zu 210 Sachen schnell. Unvorstellbar, aber faszinierend!" Zwar sind in Schweden unter den 27 Startern auch viele Amateure und Neueinsteiger wie sie, doch für ihren eigenen Rennstall "Powerboat Racing Team Schuft" wäre ein Wettkampf dieser Größenordnung niemals zu stemmen gewesen: "Budget, Aufwand, Knowhow — vor allem da hätte ich wieder bei Null anfangen müssen, denn die in der Formel 2 zum Einsatz kommenden Optimax-Motoren sind pure Elektronik und um etliches diffiziler als der bislang gefahrene SL 60-Motor."

Darum ist sie dankbar für ihre Chance, als Newcomerin ins Team des erfahrenen Piloten Rupp Temper aus Österreich und von Teammanager Michael Werner, selbst achtmal Weltmeister im Rennboot, einsteigen zu können. Für eine Saison besetzt sie neben Rupp und dem Norweger Frode Sundsdal das Cockpit in einem der drei zur Verfügung stehenden Flitzer. Ihr Boot hat die Startnummer 7. Und sie weiß: "Michael bringt sein gesamtes Wissen in den Aufbau der Boote ein, womit ich auf erstklassiges Material vertrauen kann. Die Motoren und die Gesamtabstimmung des Bootes, die Auswahl des richtigen Propellers, das ist Michaels Riesenerfahrungsschatz, der mir und den anderen beiden Fahrern zugutekommt."

Dabei ist für die Neusserin die Formel 2 nicht komplettes Neuland: "Auch dort habe ich schon meine Erfahrungen gesammelt, allerdings in der nicht ganz vergleichbaren Endurance-WM, wo es mehr darauf ankommt, durchzuhalten und das Material ins Ziel zu bringen." An diesem Wochenende gewinnt jedoch nicht das Boot mit den meisten gefahrenen Runden, sondern einfach das schnellste. Für Simone Schuft heißt das: "Das Risiko, das man bereit ist zu nehmen, ist ungleich höher, die Strategie auf dem Kurs feiner und die Abstände auf die Konkurrenten betragen teilweise nur wenige Sekunden oder gar nur Bruchteile davon." Der Große Preis von Stockholm dürfte zudem geprägt sein von enorm rauem Wasser, hohem Wellengang und tückischen Windkanten.

Los geht es heute mit dem "Speed Record Trial" und dem "Match Race", bei dem im K.-o.-Modus immer zwei Boote gegeneinander antreten. Das Hauptrennen wird morgen gestartet — und nach rund einer halben Stunde ist schon wieder alles vorbei. Simone Schufts größter Wunsch: "ein Quäntchen Glück."

(NGZ)