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Kanu: Kanute Robert Gleinert fährt um EM-Titel

Kanu : Kanute Robert Gleinert fährt um EM-Titel

Der Holzheimer geht bei den Titelkämpfen im portugiesischen Montemor-o-Velho im starken Kajak-Vierer an den Start.

Auf den ersten Blick ist Montemor-o-Velho eine idyllische Kleinstadt an der Westküste von Portugal, etwa auf halber Strecke zwischen Figueira da Foz und Coimbra gelegen. Für Robert Gleinert ist das Nest mit seinen nur knapp 3200 Einwohnern jedoch so etwas wie das Himmelreich. Hier vergaß er vor fast einem Jahr den Frust über die Nichtberücksichtigung für die Olympischen Spiele in London, als er und der ebenfalls in Holzheim großgewordene Fabian Kux mit dem deutschen Kajak-Vierer Gold bei den U23-Europameisterschaften holten.

Nun ist der 24-Jährige zurück in Montemor-o-Velho, wieder sitzt er im Kajak-Vierer – diesmal jedoch bei den Herren. "Es ist schön, wieder zurückzukommen", sagt er. Die Enttäuschung über das Olympia-Aus hat der Wahl-Berliner, der im August seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann an der "bbw Akademie" mit der mündlichen Prüfung abschließen wird, in positive Energie umgesetzt. Auf dem Weg ins deutsche Paradeboot hat er sich in einem gnadenlosen Wettstreit gegen rund 50 Mitbewerber durchgesetzt. Gemeinsam mit Schlagmann Martin Hollstein (Neubrandenburg), der in London mit Andreas Ihle Bronze im Zweier-Kajak über 1000 Meter gewann, seinem Standardpartner Kostja Stroinski (Berlin) und Kai Spenner (Essen) formiert er ein harmonisches Team. Eine Truppe, die zusammenhält wie Pech und Schwefel. "Das passt einfach", stellt Gleinert fest: "Wir sind aus dem gleichen Holz geschnitzt." Beim Weltcup vor vier Wochen im tschechischen Racice hauten sie auf Anhieb eine Topplatzierung heraus. Gleinert: "Rang drei war absolut super, denn wir saßen da gerade mal eine Woche in einem Boot – und traten gegen fast die gesamte Weltspitze an. Eigentlich fehlten nur die Australier." Er sieht das als eindeutigen Fingerzeig für die Weltmeisterschaften, die vom 27. August bis 1. September auf der Regattabahn in Duisburg-Wedau stattfinden. Um dort an den Start gehen zu können, muss am Sonntagmorgen im EM-Finale möglichst ein Platz unter den ersten Drei her. Druck, den Gleinert locker aushält. "Okay, wir sind eine sehr junge Mannschaft, uns fehlt es sicher noch an Erfahrung, aber wir lassen uns von keinem Gegner aus der Ruhe bringen. Wir behalten die Nerven, denn wir wissen, dass wir das Boot nach vorne geschoben bekommen. Wir müssen nur zeigen, was wir können. Ganz klar, das Treppchen ist drin – wir liebäugeln mit der Goldmedaille." Im Hinblick auf die WM im eigenen Land könnte ein EM-Titel freilich sogar kontraproduktiv sein, findet er. "Wenn wir in Portugal vielleicht knapp geschlagen nur Zweiter werden, hast du den inneren Drang, es bei der Weltmeisterschaft noch ein bisschen besser zu machen."

Bereits am Mittwoch war es für die deutsche Delegation mit dem Flieger nach Porto gegangen. Gestern folgte ein kurzes "Warm-up", bevor es heute mit den Vor- und Zwischenläufen das erste Mal ernst wird. Der Samstag ist frei.

(NGZ)