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Jüchen: Höhenretter trainieren 128 Meter über der Erde

Jüchen : Höhenretter trainieren 128 Meter über der Erde

Im Windpark Jüchen übten gestern neun Höhenretter, wie sie einen Verletzten retten. Bei nur leichtem Wind gelang der Praxistest.

Langsam öffnet sich die winzig kleine Luke am Maschinenhaus von Windrad 1. Zwei Menschen sind in 128 Meter Höhe zu erahnen. Doch nur einer kann sich bewegen. Langsam, Meter um Meter, nähert sich der rote Punkt. Jetzt ist zu erkennen: Ein Mann seilt behutsam einen Verletzten ab. Auf den letzten Metern wird gezählt: "Zehn, Sieben, drei, zwei, eins — Kontakt", klingt es blechern aus der Sprechanlage. Als Hans Helmut "Leo" Leonard wieder sicheren Boden unter den Füßen spürt, weiß er: "Ich habe meinen Job erledigt."

Gerade einmal zwölf Minuten hat es gedauert, bis der Höhenretter einen bewegungsunfähigen Menschen aus der Höhe gerettet hat. Jetzt lächelt er, greift zur Wasserfalsche, nimmt einen tiefen Schluck, dabei klirren die Haken und Karabiner seiner Ausrüstung. Der "Verletzte" ist wieder fit. Er hatte sogar Zeit, die Aussicht zu genießen: "Mindestens bis nach Düsseldorf", sagt Andreas Kühnel lächelnd.

Was tun, wenn sich ein Mechaniker bei Wartungsarbeiten in der luftigen Höhe eines Windrads verletzt? Dies ist ein Fall für die Höhenretter der Feuerwehr Grevenbroich um Christoph Feuerfeil. Neun Männer seines insgesamt zwölfköpfigen Teams rückten gestern für eine Übung zum Windpark Jüchen aus. An der Anlage 1, die RWE Innogy betreibt, trainierten sie in luftiger Höhe. "Wir haben heute ideale Bedingungen. Genauso wünscht man es sich", sagt der Team-Chef. Doch anders als bei einer Übung müsse man bei Einsätzen mit widrigen Bedingungen rechnen: "Bis zu Windstärke 8" seien Rettungsaktionen in der Höhe zu verantworten: "Darüber hinaus wird es schwierig."

Gestern konnte Christoph Feuerfeil mit dem Training zufrieden sein. "Das gibt die nötige Sicherheit. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Besser, man hat ihn öfter gemacht", sagt der hauptamtliche Feuerwehrmann. In seinem Fahrzeug, das zugleich Büro und Ausrüstungstransporter ist, kann er auf unterschiedlichste Informationen zurückgreifen — je nachdem, wohin sein Trupp alarmiert wird. Pläne für Windräder, für die BoA in Neurath oder das Kraftwerk Frimmersdorf gehören dazu. Denn Feuerfeils Team rückt immer dorthin aus, wo es extreme Höhendifferenzen gibt. Das kann der hohe Kühlturm eines Kraftwerks ebenso sein wie ein tiefer Schacht.

Wer Höhenangst hat, ist bei dem Job schon draußen. Körperliche Fitness ist unabdingbar, dazu wird regelmäßig auf der Wache trainiert. Denn die Männer in Rot tragen nicht nur Verantwortung, sie tragen auch einiges an Ausrüstung: "Bis zu 30 Kilogramm können es werden", erläutert Christoph Feuerfeil. Spezielle Seile, Radeberger, Haken, Ösen — die Spezialgeräte sind bei den Einsätzen unverzichtbar. Und auch wenn das Vertrauen in die Ausrüstung groß ist — gearbeitet wird stets mit doppelter Sicherung.

Nach der Übung am Windrad folgt nicht nur eine Stärken-Schwächen-Analyse: "Danach wird nochmals jedes Teil überprüft", so Feuerfeil. Denn Fehler sind für Höhenretter zu gefährlich.

(NGZ)