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Korschenbroich: Kirche sucht Hand-Modelle für Postkarten

Korschenbroich : Kirche sucht Hand-Modelle für Postkarten

Für Postkartenmotive suchte die Netzwerkkirche gestern auf dem Matthias-Hoeren-Platz zahlreiche Hand-Models.

Die Deutschstunde hat Spuren hinterlassen. Lea versucht noch schnell die Kritzeleien aus Filzstift von ihrem Handrücken zu vertuschen, reibt über die Haut und zuckt schließlich resignierend mit den Schultern: "Egal — dann kommen die eben mit drauf." Ihre sechsjährige Schwester Luisa betrachtet auch noch etwas skeptisch ihre Hände — an den Nägeln hat wohl das morgendliche Sandkastenabenteuer seine Spuren hinterlassen. Der Fotograf beruhigt: "Das macht nichts — das gehört dazu." Und schon stehen die beiden Geschwister im Blitzlichtgewitter und recken ihre kleinen Hände in die Kamera.

Nach den Kinderhänden bekommt der Fotograf große, behaarte Männerhände vor die Linse. "Das ist das Spannende — jede Hand erzählt etwas anderes. Man kann das Leben darin ablesen, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen darstellen", erklärt Frank Wiedemeier, der an diesem Nachmittag auf dem Matthias-Hoeren-Platz in Korschenbroich so einige Hände vor der weißen Leinwand ablichtet: alte und junge Hände, knetende Hände, Arbeiterhände und Babyhände. "Wenn Menschen sich begegnen, geschieht dies oft über Hände", erklärt Dieter Praas, Pastoralreferent in der GdG Korschenbroich, und ergänzt: "Wir möchten Begegnungen schaffen, Menschen miteinander in Kontakt bringen." Und dafür müssen schon einmal ungewöhnliche Aktionen her — wie das Hand-Casting. Denn hier geht es nicht um die am schönsten manikürten Nägel oder die weichsten Hände — gesucht werden die verschiedenen Charaktere, Beziehungen und Ausdrucksmöglichkeiten. Am Ende soll aus den unterschiedlichen Handfotos dann eine Postkartenserie zum Thema Hände entstehen.

Dennoch schaut jedes Handmodel vor dem Auslösen der Kamera noch einmal schnell auf die Fingernägel. "Ich habe eben noch Erde umgetopft", erklärt Amela Hermanns und schaut besorgt auf ihre pink-lackierten Nägel. Doch der Lack ist ordentlich aufgetragen, die Nägel wohl geformt, die Haut leicht gebräunt. "Jede Hand hat gleichzeitig auch eine Geschichte zu erzählen", erklärt Pastoralreferent Praas. Zum Beispiel die Hände von Florian. Gerade eben patschten seine Hände noch unbeholfen Mamas Hals entlang, suchten in der eigenen Mundhöhle, in der Nase, an den Zehen nach Beschäftigung und greifen nun nach der Linse des Fotografen. Der kleine Korschenbroicher ist sechs Monate alt. Noch greifen seine Hände fast automatisch nach Mamas großen Hände. Julia Türks verewigt sich zusammen mit den Händen ihres Sohnes. Es sind große neben winzigen Händen. Ruhige neben quirligen Babyhänden.

(NGZ)