1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Korschenbroich: Lese-Reise in die 1950er Jahre

Korschenbroich : Lese-Reise in die 1950er Jahre

Mehrere Monate lang hat Kerstin Lange, Autorin aus Glehn, im Stadtarchiv geforscht, mit Korschenbroichern gesprochen. Ergebnis ist das neue Buch "Bis gleich am Hannenplatz" – eine bunte Sammlung von Anekdoten.

Mehrere Monate lang hat Kerstin Lange, Autorin aus Glehn, im Stadtarchiv geforscht, mit Korschenbroichern gesprochen. Ergebnis ist das neue Buch "Bis gleich am Hannenplatz" — eine bunte Sammlung von Anekdoten.

Eigentlich schreibt Kerstin Lange am liebsten Krimis. Perfide Morde und grausame Verbrechen faszinieren die Autorin seit ihrer Kindheit. Bei ihrem jüngsten Buchprojekt hat sie jedoch festgestellt, dass auch das reale Leben viele spannende Geschichten schreibt, die es wert sind, festgehalten zu werden. "Bis gleich am Hannenplatz" ist eine bunte Sammlung von Anekdoten und Begebenheiten aus dem Korschenbroich der 1950er bis 70er Jahre.

Gestern präsentierte die 44-Jährige ihr druckfrisches Werk mit Bürgermeister Heinz Josef Dick, der das Vorwort geschrieben hat. Für Dick hat das Buch eine besondere Bedeutung: "Kerstin Lange bündelt das Wissen, das wir vor Ort haben, und bringt einzelne Akteure aus allen Ortsteilen zusammen. So haben unter anderem die Bruderschaften, der Heimatverein, das Stadtarchiv und engagierte Privatleute ihr Bildmaterial zur Verfügung gestellt."

Etwa vier Monate hat Kerstin Lange recherchiert — erst im Stadtarchiv und im Internet, dann sprach sie mit rund 20 "alten" Korschenbroichern. "Es hat viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viel über Korschenbroich und die Gegend hier gelernt", sagt die gebürtige Oberbergerin, die erst seit zehn Jahren in Glehn lebt. "Wenn man fremd ist, hat man ja manchmal ein ganz anderes Auge für Details."

Karl-Heinz Bednarzyk, ehemaliger Vorsitzender des Heimatvereins, half ihr bei der Suche nach Zeitzeugen. "Er hat mir sämtliche Türen geöffnet", so die Autorin. Auf fiktive Elemente hat sie nicht ganz verzichtet. Gekonnt lässt sie erfundene Charaktere in realhistorischer Umgebung agieren oder fügt Erinnerungen verschiedener Personen zu einer Geschichte zusammen.

Das letzte Kapitel, "Fernweh", handelt von einem kleinen Mädchen, das am Bahnhof den Zügen hinterher schaut. "Ich weiß nicht, ob es so ein Mädchen gegeben hat, aber ich kann es mir gut vorstellen."

Die beiden Jungen im Kapitel "Ausgetrickst" existieren tatsächlich. Die Geschichte erzählt, wie sie mit einer kleinen Karre voll Pflaumen zur LKW-Anlieferung der Rübenfabrik fuhren, um ihr Obst zu verkaufen. Die riesige LKW-Waage konnte die vergleichsweise winzige Menge nicht messen, so ließ sich der Preis dafür kaum festlegen. Die Jungen wurden mit einigen Gläsern Marmelade entlohnt.

Geschichten wie diese wecken Kindheits- und Jugenderinnerungen. Dick schwärmte von den "Hackis von Lappesen": "Das sind zwei aufeinander geklappte Schwarzbrothälften mit viel Mett und Zwiebeln dazwischen. Köstlich. Die Wirtin des Landgasthofes Lappesen war berühmt für ihre Hackis", so Dick.

(NGZ)