Eishockey : Neuanfang für den Neusser EV

Nach dem Scheitern in der Eishockey-Oberliga und finanziellen Problemen sah es beim NEV mal wieder düster aus. Doch inzwischen gibt es wieder neue Hoffnung, der Klub hat ein gutes Team für die NRW-Liga beisammen.

Nachdem das Experiment Eishockey-Oberliga in der vergangenen Saison sportlich und wirtschaftlich gescheitert war, zog der Vorstand des Neusser EV die Reißleine, verzichtete auf seine Oberliga-Lizenz (dritte Liga) und beschloss einen Neuanfang ganz unten. Laut Satzung des Landesverbandes müsste sich ein Verein, der sich freiwillig in eine tiefere Liga zurückzieht, in die sechstklassigen Landesliga einordnen. Doch der findige NEV beginnt seinen Neustart in der NRW-Liga.

Dort nimmt er den Platz der Neusser Ib-Mannschaft ein, die vom Punktspielbetrieb abgemeldet worden ist. Vor ein paar Wochen erklärte NEV-Präsident Werner Link die Situation so: "Unser Oberliga-Team befindet sich in der Auflösung. Wenn uns drei bis fünf Spieler erhalten bleiben, dann können wir damit unsere Ib-Mannschaft verstärken und einen Neuanfang wagen." Gut gedacht, aber es kam ganz anders. Überraschend klopften zahlreiche Spieler mit Oberliga- oder wenigstens Regionalliga-Erfahrung an, ohne finanzielle Forderungen zu stellen – auch solche, die im Laufe der beiden letzten Spielzeiten beim NEV ausgemustert worden waren. Die meisten konnten anheuern, und das führte dazu, dass eine schlagkräftige Mannschaft zusammenkam, was wiederum zur Folge hatte, dass aus dem alten Ib-Team nur noch drei Spieler mit von der Partie sind. Die übrigen Ib-Spieler unter Trainer Oliver Gerst können in dieser Saison an keiner Punktspielrunde teilnehmen und müssen sich – sofern sie einen Gegner finden – mit Freundschaftsspielen bei Laune halten.

Ausschlaggebend für den unerwarteten Zulauf von Routiniers war sicherlich ein in Eishockey-Kreisen wohlbekanntes Gespann. Josef Spychala übernahm die Trainerarbeit und Uwe Malz fungiert als Sportlicher Leiter. Spychala (60) hat zu NSC-Zeiten selbst für Neuss Eishockey gespielt und war in den vergangenen Jahrzehnten dreimal im Neusser Nachwuchsbereich sowie schon einmal für die erste Mannschaft tätig. Er ist als ehemaliger Zweitliga- (Duisburg) und Verbands-Nachwuchstrainer im Besitz einer A-Lizenz. Zuletzt führte er den Krefelder EHC Niederrhein bis an die Schwelle zur Oberliga, die der EHC als Nachrücker schaffte. Der Unternehmer Uwe Malz kann auf zwölf Jahre Arbeit im Neusser Nachwuchsbereich zurückblicken. Sportlich sind die Weichen für einen Neuanfang gestellt.

Schwieriger dürfte die Bewältigung der finanziellen Lage werden. Bei der Jahreshauptversammlung im Frühjahr wurde mit Stichtag 31.12.2010 ein harmloses Defizit von ein paar tausend Euro bekannt, das sich aber im Laufe der restlichen Spielzeit – Januar bis März – vervielfachte. Infolge zurückgegangener Sponsorengelder wird sich dieses Manko nicht so schnell auswachsen. Hauptgläubiger ist die Ausrüsterfirma Vision Sports Trade in Kaarst, deren Inhaber Ralph Köhler schon als Vorstandsmitglied im Neusser SC tätig war und dessen Herz immer noch für das Neusser Eishockey schlägt. Er lässt dem NEV offenbar genug Luft zum Atmen.

(NGZ)