Fechten : Limbach rettet Fechter-Bilanz

Nur die Säbelfechter überzeugten ein dreiviertel Jahr vor den Olympischen Spielen bei der Weltmeisterschaft in Italien. Trotzdem wären auch sie von finanziellen Einbußen bei den Fördergeldern betroffen.

Dormagen/Catania Nicolas Limbach hat die Ehre des Deutschen Fechterbundes (DFeB) ein dreiviertel Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele wenigstens halbwegs gerettet: Die Silbermedaille, die der 25 Jahre alte Dormagener im Einzelwettbewerb der Säbelfechter gewann, blieb das einzige deutsche Edelmetall in den Einzelwettbewerben der Fecht-Weltmeisterschaften im Palaghiaccio Catania auf Sizilien. Während die deutschen Fechterinnen gänzlich leer ausgingen, holten die Florettfechter wenigstens noch eine Bronzemedaille in der Mannschaftswertung.

Damit rutschten die einst so erfolgsverwöhnten Deutschen in derMedaillentabelle auf Platz sieben ab, in der Nationenwertung gab es auch nur Rang fünf hinter Italien, Russland, Südkorea und den USA. "Es gab zu wenige Erfolge gegen bessere Gegner. Vielleicht hat der Glaube an den Sieg gefehlt", meinte der während der Titelkämpfe stark in die Kritik geratene DFeB-Sportdirektor Manfred Kaspar.

Präsident Gordon Rapp bestätigte im Interview mit dem "Sport-Informationsdienst" (sid) Probleme mit und an den Olympiastützpunkten Tauberbischofsheim und Bonn, die schnell gelöst werden müssten: "Wenn wir 2016 beziehungsweise 2020 wieder erfolgreich sein wollen, brauchen wir große, effektive Stützpunkte." Angesichts dieser Probleme nimmt sich die Bilanz der Säbelfechter mit Silber für Nicolas Limbach und Rang vier für die Mannschaft, die damit die Fahrkarte nach London so gut wie sicher in der Tasche hat, hervorragend aus.

Da klingt die Aussage von Bundestrainer Vilmos Szabo: "Klar bin ich schon ein bissel enttäuscht" wie Jammern auf hohem Niveau. Zumal bei seinen Schützlingen das Pech hinzu kam, im Kampf um Platz drei auf die im Halbfinale aufgrund einer Verletzung von Luigi Tarantino überraschend an Weißrussland gescheiterten Italiener zu treffen. Dass die Weißrussen eher zu schlagen gewesen wären, verdeutlicht deren 29:45-Finalniederlage gegen Russland, das die Deutschen im Halbfinale mit 45:33 bezwungen hatte.

In der Weltrangliste verteidigten die Deutschen damit mit 332 Punkten Platz drei hinter Russland (372) und Italien (348) und vor Weißrussland (296), Rumänien (260), Südkorea (228) und den USA (216). Im Einzel ist Nicolas Limbach (188 Punkte) nun Vierter hinter dem Russen Alexej Yakimenko (230), Weltmeister Aldo Montano (Italien, 218) und dem Koreaner Bon Gil Gu (215), Max Hartung (94) und Benedikt Wagner (47) flgen auf den Plätzen 15 und 47.

Eitel Freude herrscht trotzdem nicht am Höhenberg. Olaf Kawald ist weit davon entfernt, mit Schadenfreude auf das schwache Abschneiden der anderen Disziplinen zu schauen. Denn ein schwaches Abschneiden bei einer WM führt meist zur Kürzung der Mittel, die ein Fachverband durch das Innenministerium erhält. "Und solche Kürzungen wirken sich auf alle Disziplinen aus, egal, wie erfolgreich sie waren", weiß der Cheftrainer des TSV Bayer Dormagen. Neun Monate vor Olympia wäre das fatal.

(NGZ/rl)