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Fußball: "Der SC Kapellen ist wie eine Familie"

Fußball : "Der SC Kapellen ist wie eine Familie"

In seiner ersten Saison beim SCK geht es für den neuen Coach nur um den Klassenverbleib in der Fußball-Oberliga.

Am Sonntag leitete Alexandre da Silva, den die Fußballwelt nur als "Chiquinho" kennt, das erste Training beim Fußball-Oberligisten SC Kapellen. Der im brasilianischen Campinas geborene Ex-Profi (u.a. Borussia Mönchengladbach, LR Ahlen, RW Oberhausen, Austria Kärnten) weiß genau, dass er im Erftstadion eine schwierige Mission antritt.

Chiquinho, wie ist Ihr erster Eindruck von der Mannschaft?

Chiquinho Was ich gesehen habe, hat mir gut gefallen. Das steckt eine Menge Qualität drin. Aber die Mannschaft ist sehr jung, viele Spieler sind neu — man muss abwarten, wie sie im Spiel reagiert.

Was kann man von dieser neu formierten Truppe erwarten?

Chiquinho In der letzten Saison war Kapellen Vierter, das zu wiederholen, dürfte schwer werden. Viele Spieler haben den Verein verlassen, die Mannschaft muss sich erst finden. Es geht erst mal nur darum, die Klasse zu halten.

"Werden Sie dabei noch aktiv mithelfen? Auch mit 39 Jahren sind sie ja noch top in Form.

Chiquinho Ich bin zu 80 Prozent Trainer, nur wenn Not am Mann ist, werde ich mich einbringen. Die Belastung für einen spielenden Trainer ist enorm hoch — und von draußen siehst du einfach mehr. In Süchteln hat das mit mir als Spielertrainer zwar gut funktioniert, aber das war Bezirks- und Landesliga. Die Oberliga ist schon ein anderes Kaliber, da steckt viel mehr Qualität drin, ganz besonders, wenn neben Wuppertal vielleicht auch noch der MSV Duisburg dazukommt. Ich bin mit Herz und Seele dabei, aber ich bin kein Übermensch. Was ich kann, werde ich machen — der Rest steht in den Sternen.

Wie sehen Sie sich selbst als Trainer?

Chiquinho Ich bin in diesem Job erst seit zwei Jahren, also noch ziemlich neu. Aber in 20 Jahren als Profi in Brasilien, Deutschland und Österreich habe ich sehr viel Erfahrung gesammelt. Für mich ist Ehrlichkeit im Umgang miteinander entscheidend. Die elf Spieler auf dem Platz sind für mich genauso wichtig wie die Nummern zwölf bis 18 auf der Bank und die, die draußen stehen.

Ist für Sie der SC Kapellen auch so etwas wie ein Sprungbrett zurück in den Profibereich?

Chiquinho Vor mir waren Bernd Krauss, Peter Wynhoff oder zuletzt auch Markus Anfang hier — die sind danach alle als Trainer groß rausgekommen. Warum also nicht auch ich? Aber daran denke ich im Moment gar nicht. Ich will mit dieser Mannschaft Erfolg haben, und dafür werden wir hart arbeiten. In den nächsten zwei Wochen trainieren wir jeden Tag.

Sieht ganz so aus, als seien Sie in Kapellen sehr schnell angekommen.

Chiquinho Das stimmt. Der Verein ist sehr familiär aufgestellt — für jemanden, der aus Brasilien kommt, gibt es nichts wichtigeres. Ich habe mich hier auf Anhieb wohlgefühlt.

Apropos Brasilien. 1997 begann bei Borussia Mönchengladbach ihre Profikarriere in Deutschland. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann ganz in Ihr Geburtsland zurückzukehren?

Chiquinho Definitiv nein, ausgeschlossen — meine Zukunft liegt hier. Als wir 2009 aus Österreich zurückgekommen sind, haben wir uns bewusst für Nettetal entschieden. Hier leben die Eltern meiner Frau, hier sollen unsere vier und zehn Jahre alten Töchter glücklich und zufrieden aufwachsen. Das ist meine Familie.

Gibt es gar keine Kontakte mehr nach Brasilien?

Chiquinho Doch, natürlich gibt es die. Gemeinsam mit meinem Bruder betreibe ich in Araras eine Fußballschule. Im Moment konzentriere ich mich zu 100 Prozent auf Kapellen, aber nebenher bin ich ja auch noch ein bisschen als Spielerberater tätig — und vielleicht ist ja ein Messi oder ein Ronaldo dabei ...

DIRK SITTERLE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ/rl)