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Rhein-Kreis Neuss: Nach dem Einbruch bleibt die Angst

Rhein-Kreis Neuss : Nach dem Einbruch bleibt die Angst

Tag für Tag schlagen sie zu: Mit Beginn der dunklen Jahreszeit steigt die Zahl der Einbrüche. Die Polizei allein kann diese nicht bekämpfen.

1500 Einbrüche im Jahr, und 11 bis 14 Prozent davon werden aufgeklärt. So nüchtern sieht die Statistik aus. Die Realität des Einzelfalls ist dramatischer. "Ich habe 14 Tage das Haus nicht verlassen, und oft plagen mich Alpträume", berichtet Ina P. (Name geändert) aus Dormagen, bei der Mitte September eingebrochen wurde. Wenn sie heute ausgeht, versteckt sie ihren Laptop, lässt alle Lichter brennen. Und sie denkt über einen Hund nach. Vor allem aber hat sie ihr Haus von Experten überprüfen und sichern lassen. Eigentlich zu spät, wie sie heute sagt. Aber es war ja auch 15 Jahre nichts passiert!

Wie ihr ging es auch den Eheleuten W. aus Jüchen-Hochneukirch, die im vergangenen Herbst Opfer von Einbrechern wurden. Und wie die Dormagenerin ließen auch sie ihr Haus besser sichern. Mit Erfolg, wie sie feststellen durften. Denn am 15. Oktober hatten Ganoven ihr Haus schon wieder als Einbruchsobjekt identifiziert, doch diesmal scheiterten sie erst an der Keller- und anschließend auch an der Terrassentür. Der Einbruch blieb ein Einbruchsversuch.

Immer öfter haben Einbrecher das Nachsehen, berichtet Polizeisprecherin Diane Drawe. Gut ein Drittel der 1500 Einbruchsstraftaten werden nicht vollendet. Ursache: Immer mehr Familien sichern ihre Wohnung und schützen so ihr Eigentum. Die Polizei unterstützt sie dabei, bietet Beratung an.

"Wohnung sichern" ist ein wichtiger Punkt, um die seit Jahren steigende Zahl von Einbrüchen einzudämmen. Doch das allein reicht nicht, erklärt Lutz Abendroth vom Kriminal-Kommissariat 14 der Kripo Neuss. Er war schon an vielen Tatorten und weiß: Auch wenn jedes Mal die Spurensicherung anrückt, finden die Kollegen "nur wenig verwertbare Spuren." Das erschwert die Arbeit der Polizei. Noch dünner wird die Spurenausbeute, wenn die Opfer — wie die Eheleute W. — vor dem Eintreffen der Polizei mit dem Aufräumen anfangen. Abendroth: "Ganz wichtig: Sobald man einen Einbruch feststellt — die Situation einfrieren und nichts verändern."

Weil Einbrechern schwer auf die Spur zu kommen ist, betont die Polizei den Wert vorbeugender Maßnahmen. Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit. "Aufmerksam sein" ist ihre Bitte. Und: "Bei verdächtigen Beobachtungen die 110 wählen." Denn, so Drawe, "Die Polizei kommt lieber einmal zu viel als zu spät." Das wusste ein Zeuge offenbar nicht, mit dem Abendroth jetzt zu tun hatte: Er fotografierte ein verdächtiges Auto. Das Bild bekam die Polizei aber erst, als er von dem Einbruch in der Zeitung las.

(NGZ/ac)