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Warnung vor dem Aids-Virus: Aids - Die neue Sorglosigkeit

Warnung vor dem Aids-Virus : Aids - Die neue Sorglosigkeit

Von Carsten Greiwe

Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch: Aids, Syphilis, Tripper oder Hepatitis verbreiten sich immer mehr. Das Problem : Aids ist weiterhin nicht heilbar. Dennoch wachsen Risikobereitschaft, Missverständnisse und Unwissen bei vielen Jugendlichen.

Thomas ist 24 Jahre alt und hatte in seinem Leben drei feste Freundinnen. Er ist kein Draufgänger, eher das Gegenteil ist der Fall. Immer war er seinen Partnerinnen treu und auch ansonsten ist er nicht wild durch die Betten gesprungen.

Seine letzte Freundin hat ihn angesteckt. Melanie war selbst eher zurückhaltend. Thomas war erst Nummer zwei, aber Nummer eins kam aus der Drogenszene und so hatte sie sich das Virus eingefangen. Jetzt hat Thomas Aids, obwohl er nie etwas falsch gemacht hat. "Es gibt ein Missverständnis beim Treuebegriff", sagt Gabriele Neumann. Die Aids-Beraterin des Rhein-Kreises Neuss weiß, dass viele Jugendlichen heute nicht fremd gehen.

"Treu sein heißt aber nicht, dass keine Gefahren lauern." Denn: Auch wer in seinen jeweiligen Beziehungen nicht fremd geht, hat doch im Laufe seiner jungen Jahre mehrere wechselnde Geschlechtspartner. Damit ist bei ungeschütztem Verkehr das Einfallstor für Krankheiten, insbesondere eine lebensbedrohende Aids-Erkrankung, weit geöffnet. Neumann freut sich daher, dass zunehmend junge Pärchen in ihre Beratung im Kreishaus an der Oberstraße kommen, um sich testen zu lassen, bevor es zum ungeschützten Verkehr kommt.

Völlig sicher ist nur derjenige, der absolut keusch lebt. Doch eine Enthaltsamkeitswelle, wie sie teilweise in den USA zu beobachten ist, kann Neumann bei uns nicht erkennen. Gleichwohl gibt es eine deutliche Tendenz zu konservativen Werten wie Treue, Familie und Sicherheit. Allerdings gibt es immer noch eine Minderheit von Jugendlichen, vor allem Jungs, die es nicht so genau nehmen. Viele müssen sich beweisen. Neumann geht in Schulen und unterhält sich mit zahlreichen Jugendlichen.

"Das Thema Aids ist weit weniger präsent als früher", beklagt sie. Außerdem sei das Wissen um Virus und Krankheit geringer geworden. "Es gibt aber viele, die das nicht zugeben wollen, also Fragen sie nicht." Es ist uncool, fragen zu müssen. Also laufen viele mit einem gefährlichen Halbwissen durch die Gegend. Unter gebildeten Jugendlichen beobachtet die Beraterin eine gewisse Arroganz. "Wer meint, er habe alles im Griff, macht Fehler", befürchtet sie. Tatsächlich sind auch jene, die sich gut informiert haben nicht vor Ansteckungen sicher.

Denn wenn es um Sex geht, klinkt sich das Gehirn bekanntlich schnell aus. Kommen dann noch Alkohol und Haschisch ins Spiel, dann verlieren viele schnell die Kontrolle. So greift Neumann in ihren Gesprächen mit Jugendlichen auch die Drogenproblematik an. Neumann ist mit den Reaktionen der Jugendlichen jedoch zufrieden. "Die jungen Leute sind durchaus interessiert und machen mit." Schließlich macht sie keinen Frontalunterricht. Sie versucht vielmehr, ihr Publikum mit Filmen oder Rollenspielen zu erreichen. "Ich mache aber auch Graffiti-Aktionen", berichtet sie. Aber sie spricht nicht nur mit Jugendlichen.

Auch Grundschüler gehören schon zu ihrer "Kundschaft". Ist eine neue Sorglosigkeit in Sachen ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu beobachten? Die Zahl derjenigen, die an Geschlechtskrankheiten leiden wird immer größer: Tripper, Hepatitis und Syphilis haben Hochkonjunktur. Auch Aids ist auf dem Vormarsch. Neumann sieht das Problem in einem großen Missverständnis vieler. "Aids ist nicht heilbar", donnert sie mit klaren Worten in den Raum. Häufig sei von Therapien die Rede, doch das sei missverständlich.

Die Amtsärztin Dr. Karin von Vietinghoff ergänzt: "Es gibt heute die Möglichkeit, Aids zu behandeln." Das verlängere das Leben eines Erkrankten. Auch sei die Lebensqualität im Vergleich zu früher wesentlich besser. Dennoch: Wer mit 20 Aids bekommt, wird nicht alt. Unter Jugendlichen jedoch kursiert das Gerücht, dass eine Aids-Therapie das Problem löse. Das jedoch ist falsch. Die Krankheit ist noch lange nicht heilbar.

Aids-Aufklärung im Netz

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet im Netz zahlreiche Informationen zum Thema Aids an: Unter dem Link http://www.machsmit.de/ gibts gute Hinweise.

Aids-Beratung

Im Kreisgesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss (Kreishaus, Oberstraße, Neuss) werden Testberatungen kostenfrei und anonym angeboten. Ansprechpartnerin ist die Diplom-Sozialpädagogin Gabriele Neumann. Neben Tests und Beratung bietet sie an, in Schulen und Jugendgruppen zu gehen. HIV-Positive werden von ihr begleitet: 02131/9285391

(NGZ)