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Grevenbroicher mit den Handballern an der Spitze: Senkrechtstarter Kai Faltin

Grevenbroicher mit den Handballern an der Spitze : Senkrechtstarter Kai Faltin

Von Dirk Sitterle

Kai Faltin schwebt im Moment auf Wolke sieben. Mit den Handballern der DJK Unitas Haan führt der Grevenbroicher die Tabelle der Regionalliga West an - mit blütenweißer Weste von 14:0 Punkten.

Der Gegensatz zur vergangenen Saison könnte größer nicht sein, denn mit dem TV Krefeld-Oppum schloss er die Serie ohne einen einzigen Sieg ab. 0:56 Punkte - schlechter war in Deutschland nur der TVA Saarbrücken (Regionalliga Südwest) mit 0:60 Zählern. Der TV Oppum verfehlte diese Negativmarke wahrscheinlich nur, weil er wegen des frühzeitigen Rückzuges von Münstereifel zwei Partien weniger auszutragen hatte.

"Aber wer weiß", meint Faltin schmunzelnd, "vielleicht hätten wir ja gegen Münstereifel einen Punkt geholt". Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Als Spielführer der Mannschaft, hatte der 31-Jährige bis zum Schluss versucht, das unrettbar leckgeschlagene (Vereins-) Schiff wenigstens halbwegs auf Kurs zu halten, lehnte sogar eine Offerte des Oberligisten Hülser SV ab. Vor allem Trainer Achim Gossow zuliebe, aber auch, "weil du das als Kapitän einfach nicht bringen kannst". Dass einige seiner Teamkollegen anders dachten und dem Verein noch in der Saison frustriert den Rücken kehrten, mag er ihnen nicht verübeln.

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"Das muss man verstehen." Dabei hätten sich die Ergebnisse meistens sogar noch im Rahmen gehalten. "Wir hatten nicht die schlechteste Abwehr." Am Saisonende aber war das Kapitel Oppum für ihn nach fünf Jahren beendet. René Witte (26), in Haan als Nachfolger von Lutz Plümacher vom Co- zum Cheftrainer befördert, lotste ihn zur DJK Unitas. "Er hatte mich schon früher mal angesprochen, aber irgendwie hatte es nie geklappt."

Dafür kam er jetzt gewaltig. Er wechselte von der halbrechten Position im Rückraum auf den Flügel, spielt fast immer 60 Minuten durch. Und er trifft. Zuletzt beim deutlichen 36:23-Sieg über den TV Leichlingen war er drei Mal erfolgreich. Da war die Halle an der Adlerstraße mit knapp 400 Zuschauern erstmals ausverkauft. Ein Domizil mit Hinterhofcharakter, findet Faltin. Das Pfund, mit dem der noch ungeschlagene Tabellenführer wuchert, ist seine Eintracht. Im gegenüber der vergangenen Spielzeit kaum veränderten Team gibt es keine Grüppchen, "wir spielen einfach konstant unseren Stiefel runter".

Sogar ein absoluter Shooter wie Markus Neußer, der durchaus auch mal in zweistellige (Tor-) Regionen vorstößt, halte sich zurück.Der unerwartete Höhenflug mache in und rund um Haan herum jedoch niemanden blind für die Realitäten. "Das Saisonziel ist und bleibt Platz fünf oder besser", beharrt Faltin. "Vom Aufstieg redet hier keiner. Alle wissen, irgendwann werden wir auch wieder ein Spiel verlieren."

Keine große Sache für einen, der im Handball schon mächtig herumgekommen ist. Seine Lehrzeit verbrachte er beim HC Gustorf/Gindorf, für den er auch noch in der Verbandsliga spielte. Über die Stationen TV Korschenbroich, TSV Bayer Dormagen II (Verbandsliga), Neusser HV (Landesliga) und Turu Düsseldorf (Oberliga) kam er 1999 nach Oppum. Das Leben als Sport-Pendler ist für ihn also Alltag. Drei Mal pro Woche geht's zum Training: Grevenbroich - Haan, 50 Kilometer hin und wieder zurück.

Nur gut, dass der Diplom-Sportlehrer sein Volontariat in der Zeitschriften-Redaktion beim Meyer & Meyer-Verlag in Aachen abgeschlossen hat. Seit dem 1. Oktober ist es als Lehrer an der Martin-Luther-King-Sonderschule für Erziehungshilfe in Düsseldorf-Gerresheim beschäftigt. In Elternzeitvertretung kümmert er sich zunächst für ein Jahr um verhaltens-oder leistungsauffällige Kinder und Jugendliche, hilft ihnen dabei, zumindest den Hauptschulabschluss zu schaffen. Ein knallharter Job.

"Da geht es vom Ton her schon mal ein bisschen rüder zu", verrät er. "Schimpfwörter sind an der Tagesordnung." Auf dem Dienstplan steht für ihn nicht nur Sport, sondern auch Mathematik, Deutsch und Sachkunde. "Grundsätzlich mache ich alles." Eine Rückkehr in den Journalismus ist für Kai Faltin, der als freier Mitarbeiter für die Neuß-Grevenbroicher Zeitung tätig ist, indes nicht ausgeschlossen.

Sonntag muss er mit Haan in Dinslaken ran, dann kommt Uerdingen und 12. November wartet Korschenbroich. Ein besonderes Duell. "Das Spiel darf ich natürlich nicht verlieren." Und dann ist da ja noch die Erinnerung an die 0:56 Punkte. "Diese Bilanz würde ich mit Haan gerne umkehren", kündigt er lachend an.

(NGZ)