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Ehrenamtler wollen Straßenkindern Helfen: OP-Team auf Weg nach La Paz

Ehrenamtler wollen Straßenkindern Helfen : OP-Team auf Weg nach La Paz

Von Ruth Wiedner

Sie haben ein gemeinsames Ziel: das Leid und die Not der Straßenkinder von La Paz zu lindern. Matthias Gensior und Josef Neuenhofer sind zwei Ehrenamtler , die etwas von ihrem eigenen Glück an die Ärmsten der Armen weitergeben.

Dr. Matthias Gensior und Josef Neuenhofer sind eigenwillige Persönlichkeiten und engagierte Ehrenamtler. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Der eine ist ein Plastischer Chirurg, der andere ein Seelsorger. Sie verbindet aber nicht nur ihre rheinische Heimat.

Sie haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das unermessliche Leid, das Elend und die andauernde Not der Straßenkinder von La Paz (Bolivien) lindern - jeder auf seine Art. Während Pater Neuenhofer - von seinen Schützlingen liebevoll nur "Padre Jose" genannt - zurzeit durch das Rheinland tingelt und wie er selbst sagt - "wie eine Diva von Ort zu Ort zieht, um Spendenschecks für das nackte Überleben seiner Straßen einzusammeln" - will Dr. Gensior durch sein chirurgisches Können, den Kindern helfen, die mit Missbildungen das Licht der Welt erblickten.

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Während Neuenhofer seine Betteltour bis Anfang Dezember in der Region fortsetzt, fliegt Gensior am 12. November in Neuenhofers Wahlheimat Bolivien - nach La Paz. Sein Einsatzort ist dann das Kinderkrankenhaus "Arci Iris" (Regenbogen), dessen Bau ausschließlich aus Spendengeldern aus dem Rheinland finanziert wurde.

Dr. Gensior fliegt aber nicht allein, er wird von fünf Fachärzten und fünf Fach- und OP-Schwestern begleitet, die im Auftrag von Interplast Germany für 16 Tage vor Ort Kinder mit extremen Verbrennungsnarben, Fehlbildungen an den Händen und angeborenen Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten operieren.

Der in Korschenbroich niedergelassene Arzt leitet als Vorsitzender der Interplast- Sektion Eschweiler diese Hilfsaktion. Der 49-Jährige - für ihn ist es mittlerweile der sechste Auslandsaufenthalt dieser Art - versteht seinen Einsatz aber nicht nur als kurzzeitige Entlastung der Mediziner vor Ort.

Das wäre ihm zu wenig: "Wir leisten dort Hilfe zur Selbsthilfe. Wir operieren und machen die jeweiligen Kollegen im Einsatz-Land mit unseren Techniken vertraut." Vor zwei Jahren weilte Gensior mit einem Team in Indien.Dort standen Verbrennungsopfer und vor allen Dingen Kinder mit Missbildungen vor den Toren des Hospitals Schlange. "Die Patienten hofften durch unsere Hilfe auf ein Stück Normalität", erinnert sich Gensior.

Das wird nach seinem Wissensstand und den Vorgesprächen mit Pater Neuenhofer auch in La Paz nicht anders sein. Während das Interplast-Team dieses Mal zwar auf bessere Klinik-Bedingungen treffen wird, werden die Fachärzte aus Korschenbroich, Bonn, Frankfurt, Darmstadt und Recklinghausen mit für sie verschärften klimatischen Bedingungen zu kämpfen haben. "Wir müssen auf einer Höhe von 3 600 Metern operieren. Zeit für eine Anpassung bleibt nicht", so Gensior.

Er hofft nicht, dass einer höhenkrank wird oder auf Grund der körperlichen Belastung nur eingeschränkt im OP zum Einsatz kommen kann. Doch auch hier zeigt sich eine langjährige Interplast-Erfahrung: Sollte tatsächlich einer aus der Crew schlapp machen, jede Position im Team ist mit zwei Plastischen Chirurgen, zwei Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen und zwei Anästhesisten doppelt besetzt.

"Ich will schließlich kein Risiko eingehen", so Gensior gegenüber der NGZ, der zunächst von 120 geplanten Operationen ausgeht. Aber auch sprachlich wird's bei diesem Einsatz etwas holpriger: "In der Regel kommen wir mit Englisch gut durch, doch spanisch . . ." Aber auch für diesen Fall hat Gensior vorausschauend geplant. Er hat sein Team mit einem OP-Pfleger komplettiert, der aus Bolivien stammt und seit vielen Jahren seinen Dienst im Krankenhaus in Kleve absolviert.

Und noch ein Lichtblick: Zum OP-Team in der Regenbogen-Klinik in La Paz gehört ein Chirurg, der einen Teil seiner Ausbildung in der Schweiz absolviert hat. "Wir treffen in La Paz auf ein durchaus erfahrenes Ärzte-Team, das lediglich bestimmte Operationsverfahren nicht beherrscht", weiß Gensior um die Situation vor Ort. Er und sein Team haben sich auf Verbrennungsopfer ebenso spezialisiert, wie auf Patienten mit Missbildungen.

"Wir werden vorrangig Kinder mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten operieren." Das Interplast-Team wird vor Ort noch mit einem weiteren Problem konfrontiert: "Mir liegen Fotos von Ohrmuschel-Deformationen vor." Gensior vermutet einen genetischen Defekt. "Ob wir da sofort helfen können, wird sich erst vor Ort entscheiden." Dem Korschenbroicher liegt auch eine Einladung des Präsidenten der Vereinigung für Plastische Chirurgie von Bolivien vor. Mehrere Vorträge sind in dem Zusammenhang eingeplant.

Gensior will in die 16 Tage alles ihm Mögliche packen, denn ob es eine zweite Exkursion nach Bolivien geben wird, daran glaubt der Korschenbroicher vorerst nicht: "Wir Ehrenamtler müssen mit den Interplast-Spendengeldern natürlich haushalten. In der Regel werden Kosten von 15 000 Euro für einen derartigen Einsatz angesetzt. Dieses Mal mussten wir schon allein für die Flugtickets 18 000 Euro hinblättern", skizziert Gensior den Sachverhalt.

"Bolivien ist eben kein Urlaubsland, entsprechend kostspielig sind die Linienflüge." Allerdings weiß er auch um die engen Beziehungen der beiden Korschenbroicher Bruderschaften St. Sebastianus und St. Katharina-Junggesellen zu Pater Neuenhofer, der sich als Mönchengladbacher seit nunmehr zwölf Jahren unermüdlich um rund 3 500 Straßenkinder kümmert. Sein Engagement, das seit Jahren über die Kinder-Direkt-Hilfe Korschenbroich durch die Bruderschaften finanziell unterstützt wird, war für Gensior Verpflichtung, La Paz als freiwilligen Arbeitseinsatzort zu wählen.

"Es ist schließlich nicht unser Verdienst, in einer Welt des Wohlstandes und der optimalen medizinischen Versorgung geboren worden zu sein." Für ihn ist es daher selbstverständlich unverschuldetes Leid - so weit es in seinen Möglichkeiten steht - lindern zu helfen. "Es hat sich schließlich niemand ausgesucht, mit Missbildungen in einem Entwicklungsland auf die Welt zu kommen."

Interplast Germany

Interplast Germany ist ein gemeinnütziger Verein für kostenlose Plastische Chirurgie in Entwicklungsländern. Bei den Teams kommen nur Fachärzte zum Einsatz, die in ihrem Urlaub unentgeltlich in Entwicklungsländern operieren. Kosten für den Transport werden aus Spenden finanziert. Infos: http://www.interplast-germany.de/.

(NGZ)