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Remscheid: Liedermacher-Duo Simon & Jan in der Klosterkirche

Liedermacher-Duo Simon & Jan in der Lenneper Klosterkirche : Lachen und Kichern gegen Populisten und das Corona-Virus

Es mag ja auch ein Symptom dieser Zeit sein, dass alles irgendwie etwas anders abläuft als gewohnt. Auch am Freitag in der Klosterkirche.

Dass man es aber, wie das Liedermacher-Duo Simon & Jan beim ersten der beiden Auftritte am Freitag in der Klosterkirche, derart auf die Spitze trieb und zum Auftakt direkt den ersten Mitmach-Part ankündigte, war dann doch neu. Gut, es handelte sich nur um gemeinsames Ein- und Ausatmen“, allerdings durchaus mit Ansage: „Wir wollen schon ein paar Masken vibrieren sehen.“ Diese etwas andere Yoga-Übung kam beim Publikum auch sehr gut an, was auch am eingängigen Song gelegen haben mochte. Denn da war nix mit beschaulich-bräsiger Reinhard-Mey-Idylle, die Songs des Duos hatten es in sich, waren mehr Comedy, Satire und Kabarett denn poetische Selbstanalyse.

Etwa als es um die Träume ging, die das Duo eigentlich nicht mit seinem Publikum teilen wollte, es aber dann natürlich lustvoll doch tat. Und dann einen Song präsentierten, der direkt den Anwärter auf die Songzeile des Jahres präsentierte: „Ich hatte Sex mit Sarah Wagenknecht, was soll ich sagen, seitdem schlaf ich schlecht.“ Das Ganze wurde dann auch noch mit einer großen Prise Nonchalance präsentiert.

Und so bekam man eine schöne Mischung aus absurden Geschichten und politischen Statements, zweistimmig dargeboten, mit Gitarre, Ukulele und allerlei Percussions-Instrumenten begleitet. Wenn es etwa um das Wahlprogramm der AfD ging. Und die dumpfe Rückwärtsgewandheit der Rechtspopulisten mit zackigen Marschklängen entlarvend präsentiert wurde, dann passten Botschaft und musikalische Umsetzung zusammen und machten in aller reduzierten Deutlichkeit klar, warum „Kehrt, Marsch!“ niemals die richtige Richtung sein kann.

Probleme wurden auch anderweitig gewälzt. „Ich bin ja der Ansicht, dass das größte Problem der Menschheit der eklatante Mangel an Hirn ist.“ Eine These, die beim Blick auf die steigende Zahl von Verschwörungstheoretikern und den Reichstag stürmenden Heikpraktikerinnen von der Realität verifiziert wird. Gut passte dazu dann auch die flehentlich dargebotene Bitte „Herr, lass es regnen, Herr, lass es hageln, Herr, lass es schneien“. Mehr Hirn, ein frommer Wunsch.

Die Themen waren meist ernst, aber die Umsetzung regte zum Mitlachen und Schmunzeln an. Und was dem Jazzer der Zwischenapplaus nach dem Solo war, suchte sich bei Simon & Jan in Form vom Kichern zwischendurch Bahn. Schön war, wie die beiden Corona einfach den Stinkefinger zeigten. Denn wo eigentlich ein Kanon hätte gesungen werden sollen, lautete die hygienekonforme Ansage schlicht: „Stellt euch das einfach mal vor.“

Klar, ein bisschen Wehmut war da auch mit im Spiel, aber mit einem Lachen im Gesicht ging es dann doch leichter.