1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheid: Jokebox rockt den Rathausplatz

Löwen-Festival : Jokebox rockt den Rathausplatz

Bei ihrem letzten Auftritt in Remscheid im Rahmen des Löwenfestivals lässt es die Coverband noch mal krachen.

Abschiede können bittersüß sein. Und manchmal wünscht man sich so einen „Time Warp“ aus der „Rocky Horror Show“, um die Dinge aufzuhalten, die scheinbar unaufhaltsam passieren sollen. Oder etwa die Tatsache rückgängig zu machen, dass die Kultband „Jokebox“ am Donnerstagabend zum unwiderruflich letzten Mal in Remscheid aufgetreten ist. Der „Time Warp“ wird gleich zu Beginn präsentiert, mit Spielfreude und reichlich umgehängten Federboas. Das muss doch fruchten – es hat in diesem Jahr schließlich auch schon ein siebtes Konzert beim Löwenfestival gegeben, das sonst nicht auf dem Programm steht. Da muss es doch auch möglich sein, die Bergischen Urgesteine des Cover-Rocks zum Bleiben zu bewegen . . .

Im März 1991 ist die Band erstmals in Remscheid zu Gast gewesen. Unglaubliche 27 Jahre ist das nun her. Ein Lied begleite sie seit diesen ersten Tagen bei praktisch jedem Konzert, sagt Sänger und Bandkopf Ralf Becker. „Like The Way I Do“ heißt der Song von Melissa Etheridge und er wird von einer der beiden Sängerinen, Andrea Wolter, so lebendig dargeboten, als befinde man sich im Jahr 1988, als er veröffentlicht wurde. Anschließend setzt sich Becker auf die Monitorbox. Er wirkt ein wenig beeindruckt, davon, dass der Rathausplatz so brechend voll ist. Davon, dass die vielen hundert Besucher noch einmal für seine Band gekommen sind. „An Tagen wie diesen“, seufzt er dann ins Mikro, mehr persönliches Empfinden als Ankündigung des Hits der Toten Hosen. Und großartig ist dann, dass eben „An Tagen wie diesen“ ein Publikum wie dieses, eben in Remscheid, geschlossen mitsingt.

Nach einer Dreiviertelstunde macht die Band eine Pause. „Dann spielen wir aber bis zum Ende durch, bis die Polizei kommt“, kündigt Becker an. Eine gute Entscheidung, denn so sehr die Band zwischendurch mal verschnaufen muss, so gut funktioniert sie doch in der Dauerschleife. Denn dann wechseln sich die Songs ab, als würde man eine gigantische Live-Jukebox bedienen. „99 Luftballons“ mit einem hingebungsvoll Disco-Fox tanzenden Pärchen älteren Alters an der linken Bühnenseite, der „König von Deutschland“ mit einem Becker in der roten Queen-Gedächtnisrobe, „Long Train Running“ von den Doobie Brothers mit einer Verena Koplin in Bestform am Mikro, einem rockigen „Radar Love“ von Golden Earring oder einem düsteren „Another Brick In The Wall“ von Pink Floyd. Keine Frage: „Jokebox“ wissen ganz genau, wie und welche Songs sie spielen müssen, um ihrem Publikum einen tollen Abend zu bereiten.

Ein bittersüßer Abschied, also? Ja, klar. „Wir freuen uns total, heute hier in Remscheid auftreten zu können“, sagt Becker in der Pause. Professionell, natürlich. Später ruft er von der Bühne: „Danke, dass ihr alle hier seid, ihr seid die Besten!“ Auch das, professionell. Aber man nimmt es ihm doch ab. Denn neben aller Professionalität ist er doch einfach nur ein leidenschaftlicher Musiker der sich auch enorm freut, als er die drei Songs spielen darf, die von Remscheider Radiohörern ausgewählt wurden: „It‘s my life“ von Bon Jovi, „Westerland“ von den Ärzten und „Verdamp lang her“ von BAP.

Insgesamt hat das Löwenfestival hat mit  Jokebox einen echten Knaller zum Abschluss gefunden – genau wie es mit „John Diva And The Rockets Of Love“ einen Knaller zum Auftakt gegeben hat. Und dazwischen gab es fünf Konzerte mit Bands, die beim Publikum  ebenfalls bestens ankamen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Maximilian Süss von der Veranstaltungsagentur MS Events aus Remscheid sagt: „Nach einer Saison wie dieser kann man nur glücklich und zufrieden sein.“

Er habe die Veranstaltung seinerzeit für drei Jahre übernommen, mit der Option, um zwei weitere Jahre zu verlängern: „Das habe ich nun gemacht, so dass es auf jeden Fall auch 2019 und 2020 das Löwenfestival am Rathausplatz geben wird.“ Sein Team und er befänden sich schon in der lockeren Planung für das nächste Jahr.

Wirklich herausheben könne er keine der sieben Bands, die vor dem steinernen Löwen aufgetreten seien. „Aber was John Diva und seine Rockets Of Love zum Auftakt geliefert haben, das war schon  große Show“, findet Süss. „Die Band war mein absoluter Wunschkandidat und ich bin froh, dass die Verpflichtung geklappt hat“, sagt Süss, der aber auch den restlichen sechs Bands  tolle Auftritte attestierte.