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Zum Tode von Dr. Walter Spelsberg

Kulturförderung : Mehr Spelsberg wagen

Remscheid braucht weiterhin Unternehmer wie Dr. Walter Spelsberg, denen das kulturelle Leben am Herzen liegt.

Der Tod von Dr. Walter Spelsberg ist nicht nur eine Zäsur im Leben der Familie Spelsberg und der Firma Dohrmann. Mit ihm stirbt der prominenteste Vertreter einer Generation von Remscheider Unternehmern, der auch das kulturelle Leben der Stadt am Herzen lag. Die über 300 Menschen, die sich gestern Morgen in der Lutherkirche von ihm verabschiedeten, würdigten einen Mann, der sich durch Integrität und kulturelles Engagement um die Stadt verdient gemacht hat. Er zählte nicht zu der Gruppe von Mäzenen, die gönnerhaft ab und zu einen Scheck rüberreichen. Spelsberg unterstützte Investitionen, von denen er sich versprach, dass sie langfristig das kulturelle Leben der Stadt absichern. Und die Bergischen Symphoniker standen ganz oben auf seiner Liste.

Ohne Walter Spelsberg, langjähriger Vorsitzender der Freunde und Förderer des Orchesters, gäbe es die Bergischen Symphoniker heute nicht mehr. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die erste Fusion der beiden städtischen Orchester Solingen und Remscheid finanziell zu stemmen war. Wer heute ein Konzert der Symphoniker im Teo Otto Theater hört, der schaut auf das sogenannte Konzertzimmer, das für eine gute Akustik sorgt. Auch dies wäre ohne die Freunde und Förderer, über die Spelsberg seine Spenden weiterreichte, nicht möglich gewesen. Dass junge Menschen mit Freikarten Konzerte besuchen können, geht auch auf ihn zurück.

Sein Engagement wurde aber von vielen Ratsmitgliedern nicht in dem Maße gewürdigt und anerkannt, wie es angemessen gewesen wäre. Manchmal entstand sogar der Eindruck, es liege ein großes Missverständnis vor. Immer wieder traf man auf die Einstellung, klassische Musik sei etwas für die Wohlhabenden. Die sollten am besten „ihr“ Orchester selber bezahlen. Das könnten dann Spelsberg und Co. übernehmen. Diese klassenkämpferische Rhetorik ist zum Glück etwas leiser geworden.

Remscheid braucht weiterhin Unternehmer wie Walter Spelsberg, denen das kulturelle Leben etwas bedeutet. Die Nachbarn in Wuppertal machen es vor. Ohne die Vorwerks und Jackstädts würde die kulturelle Infrastruktur im Tal der Wupper zusammenbrechen. Vielleicht wäre der Tod dieses großen Kulturförderers Anlass für die Unternehmerschaft, darüber nachzudenken, was sie zum Wohle der Stadt tun könne, außer Steuern zu zahlen und Arbeitsplätze zu schaffen. „Mehr Spelsberg wagen“ wäre ein gutes Motto.