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Hydro-Mitarbeiter demonstrieren in Remscheid gegen Arbeitsplatzverlust

Hydro-Beschäftigte demonstrieren in Lennep gegen Arbeitsplatzverlust : „Wir lassen uns nicht abspeisen“

Die Mitarbeiter von Hydro Remscheid versammelten sich zu einem Warnstreik in der Lenneper Altstadt. Sie fordern einen besseren Sozialplan. Ein Investor aus Österreich soll ein Angebot abgegeben haben.

Die Gewerkschaft IG Metall hat für die Demonstration von gut hundert Mitarbeitern von Hydro Remscheid  in der Lenneper Altstadt rote T-Shirts herstellen lassen.  Auf der Brust stand „Stillstand hat noch nie etwas bewegt“. Zwischen dem Arbeitgeber und der Belegschaft herrscht Funkstille. Bei den Beschäftigten geht die Angst um. Angst um ihre Zukunft. Hydro will die Präzisionsschmiede für Aluminiumrohre zum Jahresende schließen. Aus und vorbei. Doch dass kann es nicht gewesen sein, denken sich viele. „Wir werden behandelt wie ein Taschentuch, das man nach Gebrauch in den Müll schmeißt“, sagt Serkan Heme. Seit sechs Jahren arbeitet der 33-Jährige in der Abteilung für Qualitätssicherheit. Er fordert Respekt von der Geschäftsführung, einen fairen Sozialplan für alle, die gehen, und am liebsten den Erhalt des Standortes durch einen Investor.

Nach Angaben der IG Metall haben die 128 Beschäftigten bereits Ende Mai ihre Kündigung bekommen. Die Beschäftigten der Firma an der Leverkuser Straße waren vor der Kündigungswelle nicht gewerkschaftlich organisiert. Viele hätten sich nicht getraut, weil sie Nachteile befürchteten, sagt Heme. Inzwischen sei die Belegschaft in die IG Metall eingetreten und habe der Gewerkschaft das Mandat erteilt, einen Sozialplan mit der Firmenleitung auszuhandeln. Laut Gewerkschaft seien die Gespräche aber bisher nicht erfolgreich gewesen. Auch zwei interne Warnstreiks hätten zu keinem konstruktiven Gesprächsklima geführt.   Die Arbeitgeberseite hätte nach einer ersten Zusammenkunft weitere Gespräche abgelehnt. Begründung: Die Forderungen der IG Metall seien nicht angemessen. „Wir lassen uns nicht abspeisen“, sagt Cemal Cetin von der IG Metall. Der Hydro-Konzern müsse seiner Verantwortung für diese Menschen gerecht werden.

Die Arbeitgeber haben eine dreimonatige Transfergesellschaft angeboten, die schon am 1. November beginnen soll. Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft bekommen etwa 80 Prozent des Lohns. Der größte Teil kommt über Kurzarbeitergeld, den kleineren Teil stockt der Arbeitgeber auf. Die Gewerkschaft fordert 12 Monate Transfergesellschaft mit Beginn ab 1. Januar. In der Frage der Abfindungen liegen beide Seiten weit auseinander. Die Gewerkschaft erwartet einen Monatslohn pro Jahr Zugehörigkeit. Hydro bietet ein Viertel Monatslohn pro Jahr Zugehörigkeit an.

Andreas Kronawetter (57) arbeitet seit 2001 als Projektmanager bei Hydro. Er hat Werke in China und Indien aufgebaut. Aus seiner Sicht hat das Management viele Fehlentscheidungen getroffen und auf dem sich schnell ändernden Markt immer schwerer getan. Seit drei Jahren fahre der Betrieb Defizite ein.

Laut Gewerkschaft gibt es eine Firma, die in den Standort  Remscheid investieren will.   Der KFZ-Zubehörhändler Forstinger aus Österreich soll ein Angebot abgegeben haben. Auch wenn nicht alle Mitarbeiter übernommen werden können, wäre es ein Gewinn, mit kleinerer Mannschaft in Remscheid weiter arbeiten zu können, sagen die Mitarbeiter. Die Geschäftsführung in Remscheid und auch die Leitung der Personalabteilung  waren gestern nicht in ihren Büros und für eine Stellungnahme zu erreichen.

Eine neue Stelle zu finden sei nicht so leicht. Die Coronapandemie verschlechtere die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Remscheid zu verlassen, ist für Heme und Kronawetter kaum denkbar. Heme muss ein Haus abbezahlen und Kronawetter hat eine kleine Tochter.

Cemal Cetin kann sich vorstellen, dass es zu weiteren Streiks kommt, wenn Hydro sich nicht bewegt. „Wir können auch mal eine ganze Schicht lahmlegen“, sagt er.