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Remscheider Paar verschiebt große Feier wegen Corona

Remscheider Paar verschiebt große Feier wegen Corona : Hochzeits-Party muss 365 Tage warten

Der Corona-Shutdown funkte vielen Paaren und ihren Heiratsplänen dazwischen. Auch bei Andrea und Josip Piel lief alles anders, als ursprünglich geplant..

„Eigentlich haben wir noch Glück im Unglück“, findet Andrea Piel, die als Spätverliebte ihrem Augenstern Josip Mitte Februar in kleinen Kreis das Ja-Wort gab. „Urspünglich sollte unsere standesamtliche Trauung erst am 22. Mai stattfinden“, fährt die Baisieperin fort und erklärt, dass ihr Mann zwar in Remscheid aufgewachsen sei und „sich auch durch und durch als Remscheider fühlt“. Er habe jedoch ausschließlich die kroatische Staatsangehörigkeit.

„Also besorgten wir uns schon im letzten Jahr in der Heimat meiner Schwiegereltern ein Ehefähigkeits-Zeugnis.“ Was sie nicht berücksichtigt hätten: „So ein Zeugnis ist nur sechs Monate gültig.“ Der Plan, am 22. Mai ganz bescheiden standesamtlich zu heiraten und es einen Tag später im Wermelskirchener Landhaus Spatzenhof „mit 70 Gästen luxuriös krachen zu lassen“, sei damit nicht aufgegangen: „Wir heirateten schon am 14. Februar, um kein neues Ehefähigkeits-Zeugnis beantragen zu müssen.“

In der Rückschau sei das ihr Glück gewesen: „Am 23. März kam der wochenlange Shutdown. Damit wurde aus der geplanten Party im Spatzenhof natürlich nichts.“ Dafür seien sie „wenigstens schon verheiratet gewesen“. Die Ehe hätte man zwar auch in dieser Zeit unter äußerst strengen Auflagen schließen können. „Doch wem macht es schon Spaß, ohne jegliche Zuschauer und nur in Anwesenheit eines Standesbeamten zu heiraten?“ Weil sie ihre Trauung noch ganz anders und unbeschwert erleben durften, wolle man auch nicht jammern – „selbst wenn wir jetzt fast ein Jahr darauf warten müssen, unsere große Feier mit All-Inclusive-Party und Traurednerin Anika nachzuholen“.

Eine komplette Absage als Alternative habe zu keinem Zeitpunkt zur Debatte gestanden, sagt Piel. „Ich habe mich stattdessen mit der Geschäftsführung in Verbindung gesetzt und mitgeteilt, dass wir alles genau so machen wollen, wie es für den 23. Mai geplant war – nur eben ein Jahr später.“ Weil Ronny Kabai als zuständiger Wirtschaftsdirektor vom Spatzenhof dem zugestimmt habe, „sahen dann auch weder Josip noch ich einen Anlass, unsere zugegebenermaßen nicht unerhebliche Anzahlung zurückzuverlangen“.

Das habe „manche im Freundeskreis dann doch erstaunt“, ergänzt ihr Mann. Schließlich sei „überhaupt nicht absehbar gewesen, wie es in der Corona-Krise weitergehen würde“. Nicht nur vereinzelt sei die Frage aufgekommen, „ob wir nicht Angst vor einer Insolvenzwelle in der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche hätten, mit der dann möglicherweise auch Anzahlungen flöten gehen könnten“. Dazu habe er jedoch die gleiche Haltung wie seine Frau: „Wenn das passiert, wäre das Schicksal oder Pech.“

Klar sei aber auch: „Hätten alle Menschen in der Corona-Krise ihre Anzahlungen zurückverlangt, wäre diese Pleitewelle auf jeden Fall unausweichlich gekommen.“ Vor diesem Hintergrund habe er zum Zeitpunkt der Entscheidung beinahe schon eine Verpflichtung zu mehr Gelassenheit gefühlt: „Wenn nicht wir beide als Doppel-Verdiener und kinderlos es wagen können, kein Geld zurückzuverlangen, sondern optimistisch auf das nächste Jahr zu hoffen, wer soll es denn dann tun?“

Wohl kaum jene Menschen, „die gerade nicht wissen, wie sie ihre Familien durchbringen sollen“. In dieser Situation seien indes wahrlich nicht alle: „Es gibt auch sehr viel Leute, die es in der Corona-Krise wirklich nicht nötig gehabt hätten, sofort ihr Geld zurückzuverlangen, und die es trotzdem getan haben.“ Ein bisschen unsolidarisch fände er das schon, vor allem dann, „wenn man den Shutdown auch noch als gute Gelegenheit nutzte, um zum Beispiel aus einem Abo auszusteigen, das man schon vorher nicht mehr haben wollte“.

Diese Art zu denken fände er dann schon „etwas unanständig“. Schließlich hätten im Corona-Lockdown „unglaublich viele Selbständige und Unternehmer den finanziellen Absturz vor Augen gehabt“. Jeder Kunde, „der von dieser Situation auch noch ohne Notwendigkeit profitierte, sollte sich schon einmal fragen, wie er sich selbst in einer solchen Lage gefühlt hätte“.