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Prozess in Düsseldorf: Boxer will im Rausch und vor Angst zugestochen haben

Prozess in Düsseldorf : Boxer will im Rausch und vor Angst zugestochen haben

Ein Nachwuchsboxer soll einen Mann in der Altstadt niedergestochen haben. Zum Prozessauftakt sprach seine Anwältin von Notwehr, jetzt gestand der junge Mann die Attacke – berief sich aber auf seinen Alkoholrausch.

Nach dem Prozessauftakt gegen einen Boxer am Montag hat dieser am Mittwoch vor dem Landgericht ausgesagt. Blanke Angst im Alkoholrausch sei das Motiv gewesen, als er in einer Septembernacht 2020 am Burgplatz einen Widersacher (19) mit einem Messer schwer verletzte, versicherte der wegen versuchten Totschlags angeklagte 20-Jährige. Angeblich betrunken hatte er sich in einen Streit eingemischt – und sich plötzlich umringt gesehen. Also habe er das Messer gezückt – „und dann hab’ ich gestochen“, gestand er. Seine Anwältin hatte zu Prozessbeginn von Notwehr gesprochen.

Kurz vor dem Messerstich habe er befürchtet, Freunde des 19-Jährigen würden „auf mich draufgehen“. „Ich war in dem Moment allein. Ich hatte Angst und wusste nicht, wie ich da rauskommen sollte.“ Also habe er dem Mann die Messerklinge so wuchtig in den Unterbauch gerammt, dass sie abbrach. Eigentlich habe er das Opfer nur schlagen wollen, ihn aber im Rausch nicht getroffen. Dabei beschrieb sich der Angeklagte als „ruhigen Typ“: „Ich habe viel Geduld. Aber wenn es darauf ankommt, dann muss ich auch was tun.“ Schon mehrfach sei er mit Kumpanen aus Hagen extra zu Zechtouren nach Düsseldorf gereist, auch in der Tatnacht sei er mit Wodka und Bier rund um den Burgplatz unterwegs gewesen, um „Party zu machen“. Nach dem Angriff sei er geflohen, und kurz darauf per Bahn sei er dann in den Kosovo gefahren. „Aber das war keine Flucht, das war nur, damit ich abschalten kann!“ Immerhin habe er nach einer Disqualifikation im Boxring monatelang bis zu anderthalb Flaschen Wodka am Tag getrunken. Doch bei seiner Rückkehr festgenommen, kam der Boxer (bisher neun Siege in zehn Boxkämpfen) in U-Haft. Dabei habe er sich in der Tatnacht am Burgplatz gegen die Attacke des 19-Jährigen „nur gewehrt“. Fakt ist: Das Opfer war durch die Stiche schwer verwundet worden, konnte nur per Not-OP gerettet werden. Der Prozess geht weiter.