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Remscheid: Drei Jahre Wartezeit für eine Kleingarten-Parzelle

Kleingärtnerverein Remscheid-Kremenholl : Drei Jahre Wartezeit für eine Parzelle

Beim Kleingärtnerverein in Kremenholl ist die Nachfrage nach einer eigenen Parzelle riesig. Und das hat nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Diesen Sommer werden wohl viele Remscheider ihren Jahresurlaub Corona-bedingt in der Heimat verbringen. Glücklich schätzen können sich dann jene, die einen Garten besitzen – wenn schon nicht wohnortnah, dann wenigstens in einem der zahlreichen Kleingärtnervereinen der Stadt. Doch die Nachfrage nach den grünen Wohlfühl-Oasen ist nicht erst seit der Corona-Pandemie hoch.

Im Kremenholler Tal, idyllisch am Waldrand gelegen, schlummert am Mühlenteich ein grünes Paradies: Bienen summen, Vögel zwitschern und fliegen durch die bunte Blütenpracht der Kleingärten. Neben Gänseblümchen, Tulpen, Hortensien und Rosenstöcken, wachsen hier prächtige Salatköpfe, grüne Gurken und rotleuchtende Tomaten. Auch Apfelbäume tragen schon jetzt kleine, runde Früchte an ihren Ästen.

Dieter Hemkemeyer (Vorsitzender; links) mit Haus- und Hofhund „Jack“ sowie Patrick Stein, der seit wenigen Wochen Kleingärtner in Kremenholl ist. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Nach einem ordentlichen Regenguss am Vormittag strahlt die Sonne gegen die Mittagszeit wieder über die gesamte Anlage, die an einigen Stellen liebevoll dekoriert ist – mit Keramiktieren, kleinen Wasserspielen und Bachläufen. Sogar ein kleiner grüner Bergischer Löwe thront würdevoll von der Terrasse einer der höher gelegenen Parzellen. Umgeben von so viel Natur, vergisst man schnell, dass man nicht an einem entfernten Urlaubsort ist, sondern sich noch immer mitten in der Stadt befindet.

Charly Chaplin wacht über die Parzelle des Vereinsvorsitzenden Dieter Hemkemeyer. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

So geht es auch Patrick Stein: Der 30-Jährige hat erst vor gut vier Wochen, nachdem er lange Zeit auf der Warteliste ausharrte, einen Kleingarten in der Kremenholler Anlage gepachtet – und dann auch noch die Parzelle neben seinem Vater bekommen. „Für mich ein absoluter Jackpot“, sagt Stein freudestrahlend.

Seine Eltern hätten schon immer einen Kleingarten gehabt, zunächst in Lüttringhausen, später in Cronenberg und seit sechs Jahren in Kremenholl. Seine Kindheit verbrachte Stein daher größtenteils im Kleingarten. Eine schöne Zeit, blickt er zurück: „Wir haben viele Familienfeiern im Kleingarten gefeiert, ich habe viel mit den anderen Kindern gespielt und war natürlich viel an der frischen Luft.“ So eine Kindheit möchte der frischgebackene Familienvater auch seinem elf Monate alten Sohn ermöglichen. „Seitdem mein Sohn auf der Welt ist, ist der Wunsch nach einem eigenen kleinen Garten noch stärker geworden. Wir wohnen zwar im Grünen, haben aber nur einen Balkon“, berichtet Stein.

Seitdem er die Parzelle in Kremenholl gepachtet hat, werkelt der junge Mann fleißig an seiner Gartenlaube, baut Schaukel und Sandkasten für den Sohnemann auf. Fünfmal die Woche, erzählt der junge Familienvater, ist er mindestens auf der Anlage und jedes Mal für mindestens vier Stunden. Am Anfang gibt es natürlich viel zu tun, um den eigenen Kleingarten nach den persönlichen Vorstellungen herzurichten. „Aber für mich ist das keine Arbeit“, sagt Stein. Auf der Anlage könne er gut entspannen und vom Alltag abschalten. Auch Familie Stein wird dieses Jahr den Urlaub in der Heimat verbringen und den ersten Geburtstag des Sohnes im kommenden Monat im Kleingarten feiern.

Dieter Hemkemeyer ist schon seit 1996 Mitglied im KG Kremenholl, seit zwei Jahren führt er den Verein als Vorsitzender an. Dass die Nachfrage nach Kleingärten steigt, hat auch er festgestellt. Allerdings findet in seinem Verein bereits seit zwei Jahren ein deutlicher Umbruch statt. Langjährige Pächter geben ihre Gärten altersbedingt und zum größten Teil unter Tränen auf, junge Familien mit Nachwuchs rücken nach. Die Wartelisten sind lang. „Bei uns müssen Interessenten mindestens drei Jahre auf einen Rückruf warten“, sagt der 61-Jährige. Die Menschen würden offensichtlich wieder zurück zu ihren Wurzeln finden.

Doch auch Corona habe einiges in den Kleingärten verändert. Und das bezieht Hemkemeyer nicht auf Abstands- und Hygieneregeln. „In den vergangenen Monaten war unser Parkplatz so voll wie noch nie. Unsere Mitglieder haben viel mehr Zeit auf der Anlage verbracht. Das sieht man auch.“ Die Gärten sind hübsch hergerichtet und überall sprießt Obst und Gemüse.

Auch Hemkemeyer, der seit sieben Jahren zusätzlich auch die öffentliche Gaststätte auf dem Gelände betreibt, hat während des Shutdowns mehr Zeit gehabt, um seinen eigenen Garten herzurichten und lang geschobene Aufgaben und Pläne umzusetzen. So hat er beispielsweise einen kleinen Bachlauf in seiner Parzelle installiert, an dem eine kleine Charly-Chaplin-Figur aus Keramik gemütlich auf einer Bank sitz. Hemkemeyer schaut zufrieden auf sein kleines Idyll. Hier, sagt er dann, wolle er nicht mehr weg. „Ich werde mich hier nicht begraben lassen, aber ich bleibe, bis zum Schluss.“