Radevormwald: Lehrerin als großes Vorbild

Radevormwald: Lehrerin als großes Vorbild

Sonntag beginnt die Fußball-WM der Frauen. Als 1982 das erste Länderspiel einer deutschen Fußball-Frauennationalmannschaft stattfand, stand Gaby Dlugi-Winterberg, Lehrerin der Realschule, in der Startformation.

Für die meisten Mädels der Klassen zehn an der Realschule ist der Sportunterricht von Lehrerin Gaby Dlugi-Winterberg etwas Besonderes. Die 62-Jährige stand 1982 in der Anfangsformation, als erstmals eine deutsche Frauen-Fußball-Nationalmannschaft ein Länderspiel bestritt. In Koblenz besiegte Deutschland die Schweiz mit 5:1. An der Schule ist längst bekannt, dass eine berühmte Fußballerin dort ihren Dienst verrichtet.

Unterricht unterscheidet sich

"Das macht uns stolz, bei Frau Dlugi Sportunterricht zu haben und das Fußballspiel zu erlernen, weil wir wissen, dass sie jemand ist, die das wirklich kann", sagt Jaqueline Ludwig. Auch Jessica Busch kommt gerne zum Sportunterricht. "Meine Mutter ging schon auf die Realschule, und sie hat mir immer erzählt, dass hier eine ehemalige Nationalspielerin unterrichtet", sagt sie.

Der Unterricht bei Gaby Dlugi-Winterberg unterscheide sich schon von dem anderer Kollegen, sagen die 16-Jährigen. "Sie weiß genau, wie ein professionelles Training abläuft. Hier geht es um Disziplin und Ehrgeiz", sagt Jaqueline Ludwig. Wenn Frau Dlugi spüre, dass jemand Lust habe und sich einsetze, dann werde er auch richtig gefördert.

Die Mädchen haben Spaß daran, von einem großen Vorbild unterrichtet zu werden. "Wenn sie uns aufs Tor schießen lässt oder die Technik erklärt, lernen wir am meisten", sagt Jessica Busch. Im Vorfeld ist die WM großes Thema — auch bei Fabienne Zimmermann. Die 16-Jährige stürmt seit fünf Jahren für den SC 08, jetzt bei den Damen. "Ich kann super mit Frau Dlugi über Fußball fachsimpeln und mit ihr über ihre Erfahrungen reden", sagt sie. Sie gebe immer gute Tipps, vor allem in taktischer Hinsicht. "Immer mal wieder berichtet sie über ihre Zeit als Nationalspielerin und über Erlebnisse aus ihrer aktiven Zeit", sagt sie. Die Lehrerin war mit SSG Bergisch Gladbach auch Deutsche Meisterin.

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Bälle selbst aufpumpen

Zu Beginn des Unterrichts ist sich Gaby Dlugi-Winterberg nicht zu schade, die Bälle aufzupumpen, ehe sie ihre Mädels aufs Feld schickt und Dribbel- und Schießübungen anordnet. Tritt die 62-Jährige gegen den Ball, wird deutlich, dass ein Profi am Werk ist. Auch Schülersprecherin Tamara Carofano schnappt sich einen Ball. "Dass Frau Dlugi mal in der Nationalmannschaft gespielt hat, ist schon Anreiz fürs Mitmachen", sagt sie. Gaby Dlugi-Winterberg ist die Technik wichtig.

Ohne methodische Übungsreihe funktioniere ein Unterricht nicht. "Schließlich will ich mein Wissen vermitteln", sagt die 62-Jährige, die sich öfters mal mit lauter Stimme Gehör verschaffen muss. Wichtig ist der Lüttringhausenerin der Sport im Allgemeinen. Vor allem Mädchen ließen sich nur schwer an Sport heranführen.

"Es ist wichtig, dass sich junge Menschen bewegen", sagt Dlugi-Winterberg. Sie selbst ist bestes Vorbild. Läuferisch und konditionell mögen Jüngere besser sein, aber in technischen Belangen macht ihr so schnell keiner was vor. Und in ihrer Freizeit spielt sie Tennis beim TC Grün-Weiß Lennep — im Team "Damen 30" — als 62-Jährige!

(RP/rl)
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