Frauen-WM: "Popstar" Bajramaj wird zur Statistin

Frauen-WM : "Popstar" Bajramaj wird zur Statistin

Berlin (RPO). Die Szene im Training war symptomatisch: Als Fatmire Bajramaj ein überflüssiges Kabinettstückchen misslang, bekam sie einen Anpfiff von Silvia Neid. Erst im ARD-Tatort klischeehaft zur Schau gestellt, dann noch bei "Verstehen Sie Spaß?" veräppelt, nun von der Bundestrainerin öffentlich als unkonzentriert und verkrampft abgestempelt - der Werbe-Star sollte bei der Frauenfußball-WM der strahlende Stern im deutschen Team sein, doch ausgerechnet jetzt ermattet der Glanz des Glamourgirls.

"Lira ist nicht mehr unbeschwert. Das haben die Spiele auch gezeigt", sagte Neid dem Fachmagazin kicker drei Tage vor dem Eröffnungsspiel gegen Kanada (18 Uhr/ARD). Nur einen der vier WM-Tests hatte Bajramaj von Beginn an bestritten, sonst kam die omnipräsente Bajramaj nur von der Ersatzbank. Überzeugen konnte die neben Birgit Prinz bekannteste Spielerin im deutschen Kader nicht.

"Es gab viel Wirbel um sie"

Die öffentliche Diskussion habe die 23-Jährige nach einer starken Saison bei ihrem Klub Turbine Potsdam vom Wesentlichen abgelenkt, sagte Neid: "Es gab sehr viel Wirbel um sie, das hat sie alles sehr, sehr nachdenklich gemacht. Ihr fehlt im Moment diese Leichtigkeit des Seins." Bajramaj selbst räumte ein: "Das stimmt, die Leichtfüßigkeit hat mir in den letzten Wochen gefehlt."

Allerdings widersprach sie der Bundestrainerin auch: Grund sei nicht der Medienrummel gewesen. "Das war nichts, was mich gestört oder vom Fußball abgelenkt hat", sagte Bajramaj. Ihr härtester Kritiker sei ihr Vater, der ihr einst das Fußballspielen verbot und heute ihr größter Fan ist: "Wenn ich mal seiner Meinung nach schlecht spiele, redet er erst mal einen Tag lang nicht mit mir."

Im Vorfeld des Turniers musste die Offensivspielerin, die sich selbst als "selbstbewusste Tussi" bezeichnet, auch abseits des Sports Nehmerqualitäten beweisen. In einem TV-Streich wurde sie mit einer gestellten Reportage auf den Arm genommen, in der Siegfried Dietrich ihren angeblichen Wechsel zu einem US-Team bekannt gab.

Der Manager des 1. FFC Frankfurt, der Bajramaj von Potsdam an den Main geholt hat, berief sich auf eine fiktive Klausel, laut der er die Spielerin bei wirtschaftlichem Profit jederzeit ausleihen dürfe. Bajramaj musste gewiss schwer schlucken, war sie doch wenige Wochen zuvor noch von ihrem Ex-Trainer Bernd Schröder öffentlich als "fremdgesteuert" bezeichnet worden.

Und auch der ARD-Tatort zum Thema Frauenfußball dürfte ihr zugesetzt haben. In dem Krimi wird eine Fußball-Nationalspielerin mit muslimischen Wurzeln ermordet, weil einem Fan die offensive Vermarktung und das Profitstreben zu weit gehen.

"Das bin ich nicht, es ist nur ein Film"

Die Parallelen zu Bajramaj, selbst gläubige Muslimin und im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet, waren nicht zu übersehen - auch wenn sie sich dagegen zur Wehr setzte: "Das bin ich nicht, es ist nur ein Film."

Filmreif ist ihr Werdegang vom mittellosen Flüchtlingskind zur gefeierten Welt- und Europameisterin unbestritten. Keine kommt mit der Verbindung von fußballerischen Fähigkeiten und Glamour so gut bei der Wirtschaft an. Bajramaj wirbt im Vorfeld der WM für mehrere große Firmen (Allianz, Expert, Gatorade, Nike, Schwarzkopf). Die 47-malige Nationalspielerin versteht es, sich in Szene zu setzen. Ihr Auftritt im ZDF-Sportstudio, wo sie in Pumps auf die Torwand schoss und zweimal unten traf, ist legendär.

Doch ob die WM-Endrunde ein weiteres Sprungbrett wird, darf bezweifelt werden, obwohl Bajramaj mit einem Hauch Trotz sagt: "Ich bin wieder da, wo ich sein will." Da ihre Konkurrentinnen Celia Okoyino da Mbabi und Melanie Behringer in der Vorbereitung mit konstant guten Leistungen überzeugten, reicht das auf der großen Bühne aber derzeit nur für eine Statistenrolle.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frauen-WM: Bajramaj flachst bei Pressekonferenz

(SID/sgo)