DFB-Keeperin Nadine Angerer: Die Torfrau liebt ihre Freiheit

DFB-Keeperin Nadine Angerer : Die Torfrau liebt ihre Freiheit

Berlin (RP). Nadine Angerer stellt gleich klar, über was sie gerne reden würde: ausgefallene Dinge, nicht so das Übliche. Um das Gespräch in die von ihr gewünschte Richtung zu lenken, beantwortet sie zunächst die Standardfragen im Schnelldurchgang.

Ob sie zum Beispiel oft davon träumt, bei der am Sonntag in Berlin startenden Frauen-WM erneut ohne Gegentreffer zu bleiben? 2007 war der Nummer eins im DFB-Trikot das beim Triumph in China gelungen. "Nein, das war einmalig. So etwas wiederholt sich ganz bestimmt nicht."

Ach ja, und dann ist ja auch noch die Sache mit ihrer Sexualität. Sie hat offen bekannt, sich da "nicht so ganz festlegen zu wollen". Sie habe "überhaupt kein Problem damit, öffentlich dazu zu stehen. Ich habe nichts zu verbergen". Nadine Angerer will sich nicht auf diese beiden Themen reduzieren lassen. Eine der besten Torhüterinnen der Welt hat viel zu erzählen. Sie ist eine Persönlichkeit mit vielen Facetten. Eine ist die Sportlerin Angerer. Sie ist 32 Jahre alt, 1,75 Meter groß, spielt nach Stationen beim FC Bayern München, Turbine Potsdam und Djurgardens IF (Schweden) nun in Frankfurt. Zehn Jahre stand sie im Nationalteam im Schatten von Silke Rottenberg. Erst bei der WM 2007 bekam sie ihre Chance und ist seitdem Stammkraft. Ursula Holl und Almuth Schult stehen in der Hierarchie klar hinter ihr.

Sie ist der Spaßvogel im Team, eine, die kurz vor dem Anpfiff schon mal ganz gerne Schabernack mit den Kolleginnen treibt und deren Sachen versteckt. "Das mache ich aber nicht immer, wie irgendwo stand. Eben je nach Laune", sagt die Tochter eines Italieners.

Sie kokettiert gerne damit, eine Teamspielerin zu sein, die sich ihre Auszeiten genehmigt. Durchgeplante Abläufe sind ihr zuwider, sie bricht "einfach gerne aus. Dann packe ich meine Siebensachen und gehe mal zwei, drei Stunden alleine weg. Es steht ja nirgends geschrieben, dass man als Mannschaft die ganze Zeit in einem Raum hocken muss".

Angerer liebt die Unabhängigkeit, mag es nicht, eingeengt zu werden. Sie hat in ihrem Leben schon viel ausprobiert. Sie ist gelernte Physiotherapeutin, hat eine Ausbildung zur Veranstaltungstechnikern abgebrochen, sie war Kamera-Assistentin und Komparsin bei der ARD-Serie Marienhof. Und nach dem Ende ihrer Karriere möchte sie ein Hostel in Afrika eröffnen. Wo genau, weiß die Frau mit der Vorliebe für ausgefallene Kopfbedeckung noch nicht. "Ich lasse mich gerne treiben", sagt sie.

Vielleicht, fällt ihr dann ein, macht sie das mit Afrika und dem Hostel doch nicht. Man könne so etwas schließlich nicht planen. Das gilt auch für diese WM. "Alle reden so, als ob wir schon den Titel zum dritten Mal geholt hätten", sagt sie. "Das wird keine Spaßveranstaltung. Du gewinnst dieses Turnier nur, wenn du diesen unbedingten Willen hast." Die Defensive sieht sie für die Aufgaben gerüstet. "Irgendwo stand geschrieben, wir würden hinten wackeln. Ich sage, wir stehen absolut sicher." Da spricht dann wieder die Teamspielerin.

Hier geht es zur Bilderstrecke: DFB-Frauen beim Boxtraining

(RP)
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