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Neuss: Wirtschaftsförderer empört mit Newsletter

Neuss : Wirtschaftsförderer empört mit Newsletter

Eine Polemik des Wirtschaftsförderers Andreas Galland gegen die Begeisterung für die royale Hochzeit in England stößt auf Kritik in Unternehmen und Politik. Für Ärger sorgt vor allem die Sprache, die der Amtsleiter verwendet.

Der Neusser Unternehmer Guido Lichius glaubt an einen verspäteten Aprilscherz. Ähnlich geht es anderen, etwa Jens Hartmann, dem Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) im Rhein-Kreis. "Unmöglich, das kann man den Unternehmen nicht zumuten", schimpft er. Anlass ist das Vorwort zum Newsletter der städtischen Wirtschaftsförderung, der am Freitag per E-Mail verschickt wurde.

Autor ist Amtsleiter Andreas Galland. Darin ereifert sich der 44-Jährige über die Aufmerksamkeit für die Hochzeit von Prinz William und Kate in England. Dabei wirkt es so, als habe sich der Amtsleiter in Rage geschrieben: Neben Fäkalausdrücken (siehe Ausriss) spekuliert er über Williams und Kates Sexualleben und schlägt sogar den Bogen zu sich selbst. "Ich bin in einem Alter, wo ich dem Herrgott für jeden Tag danken muss, an dem mir meine eigene sexuelle Leistungsfähigkeit erhalten bleibt", schreibt Galland.

Nicht nur Unternehmer, auch Vertreter der Parteien sind irritiert von Wortwahl und Inhalt des Newsletters. "Das ist ein Unding", sagt Grünen-Fraktionschef Michael Klinkicht. Er werde auf jeden Fall eine offizielle Stellungnahme des Amtsleiters fordern. "Ich will wissen, ob der vielleicht ein Glas Wein zu viel getrunken hat, als er das geschrieben hat."

Auch der Landtagsabgeordnete und Neusser CDU-Wirtschaftsfachmann Jörg Geerlings findet, dass das "wirklich nicht die feine englische Art" war. Das Sexualleben des königlichen Paares sei ein Tabu, das in einem Newsletter der Wirtschaftsförderung nichts zu suchen habe. SPD-Fraktions-Chef Reiner Breuer glaubt, dass mit Galland die Pferde durchgegangen seien: "Jeder blamiert sich so gut er kann und Herr Galland hat alles gegeben." Allenfalls als kabarettistischer Beitrag könne so ein Text stehen bleiben. "Und dann hätte Herr Galland seinen Beruf verfehlt."

Gallands Dienstherr, Bürgermeister Herbert Napp, reagiert "not amused — als Ausdruck höchster Kritik". Er bezeichnet das Grußwort als "starkes Stück". Eine solche offizielle Veröffentlichung der Stadt könne nicht die persönlichen Befindlichkeiten eines Amtsleiters transportieren. "Man muss auch an die Adressaten denken, etwa Unternehmen, die in britischem Besitz sind", sagt Napp. Ein Beispiel ist der Logistiker Wincanton, engagiert im Neusser Hafen.

Der Bürgermeister schätzt ansonsten Gallands "bissigen, sarkastischen Stil, aber man muss wissen, wo und wie man so etwas macht". Er kündigt an, in der nächsten Woche mit Galland ein Gespräch zu führen und ihm das deutlich zu machen. "Wir werden im nächsten Newsletter Stellung nehmen."

Der Verfasser selbst kann die Aufregung dagegen nicht verstehen. "Ich habe bereits mehrfach und ausschließlich Zustimmung dazu erhalten", sagt er. "Das ist ein satirischer Beitrag und wenn wir so etwas nicht mehr schreiben können, dann können wir das Publizieren auch gleich aufgeben." Der Text sei zwar "pointiert", aber nicht unter der Gürtellinie. Er freue sich auf weitere Anmerkungen zu seinem Vorwort.

(NGZ)