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Neuss: Hochzeitsfieber im Seniorenheim

Neuss : Hochzeitsfieber im Seniorenheim

Anders als in England wurde die Trauung von William und Kate in Neuss nicht öffentlich gefeiert. Viele sahen die Hochzeit anscheinend zu Hause. Nur beim Bäcker und im Seniorenheim kam königliche Stimmung auf.

Es ist 12.15 Uhr. Und als William seiner Kate den Ring ansteckt, schauen die meisten doch auf einen der unzähligen Fernseher. Wenige hatten im Mediamarkt vorher darauf geachtet, aber die entscheidenden Momente der Trauung will dann doch keiner verpassen. Kurze Zeit später setzen die meisten Kunden den Einkaufsbummel durch das Geschäft dann unbeeindruckt fort.

Hochzeit im Mediamarkt: Im entscheidenden Moment schauten dann doch alle hin. Foto: Woischützke

Sowieso ist nicht viel los in Neuss. Ein Public Viewing im großen Stil gibt es nicht, und auch in den Cafes sucht man die Hochzeitsfans vergeblich. So bleiben viele Stühle vor den Flachbildschirmen, auf denen die Trauung selbstverständlich zu sehen ist, leer. Auch besondere Aktionen zum Ehespektakel finden auf dem Marktplatz nicht statt. "Das interessiert hier einfach keinen", sagt Harald Boras, vom Cafe Kleeberg.

Anders im Seniorenpflegeheim "Johannes von Gott" im Meertal. Dort versammeln sich viele Senioren vor einem großen Fernseher im Gemeinschaftsraum. Die meisten können sich noch gut an die Hochzeit von Diana Spencer und Prinz Charles, den Eltern von Prinz William, erinnern. "Wir haben alle Bewohner eingeladen", sagt Heimleiterin Elke Bunjes. Die 48-Jährige sagt aber auch, dass viele lieber vor dem Fernseher in ihrem Zimmer geblieben sind. Sie tun es ihren Pflegern nach. Einige haben sich nämlich extra frei genommen, um die Hochzeit zu Hause zu sehen. Allen voran der stellvertretende Heimleiter Markus Ablaß, vermutlich einer der größten Fans des britischen Königshaus in Neuss. Er besitzt sogar eine Schallplatte mit der Trauung von Diana und Charles. Da darf die Hochzeit des Sohns natürlich nicht verpasst werden.

Ablaß ist ein typischer Neusser. Wenn überhaut guckt man die Hochzeit in Neuss zu Hause. Geschäfte und Straßen sind während des Gottesdiensts verhältnismäßig leer. Vielleicht genießen die Neusser dabei vor dem Fernseher die Waren der Bäckerei Puppe. Die hat sich nämlich etwas besonderes einfallen lassen: Ein William- und ein Kate-Sandwich sowie je ein "Cookie" mit dem Antlitz des Bräutigams und der Braut. Und die gehen gut, berichtet Verkäuferin Erika Riedel. Über 2100 Cookies und rund 400 Sandwiches wurden verkauft. Die Läden mussten teilweise nachbestellen. Vor allem die Schoko-Kekse mit der Braut seien nachgefragt. "Very british" wollte man sein, sagt Geschäftsführer Thomas Puppe. Dem 47-jährigen sieht man den Spaß an der Aktion an. In allen zwölf Filialen, umbenannt in "Baking-Palace", ist das Hochzeits-Angebot zu kaufen. Kunden und Verkäufer sind teilweise angetan von so viel Hochzeits-Glamour, teilweise eher wenig begeistert. Vielleicht auch, weil sie im August ihr eigenes Königspaar haben — jedes Jahr zum Schützenfest.

(NGZ)