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Neuss: Senta Berger eröffnet das Shakespeare-Festival

Neuss : Senta Berger eröffnet das Shakespeare-Festival

Unter den zwölf Stücken im Globe-Theater sind drei Deutschlandpremieren. In vier Wochen sind 33 Vorstellungen zu sehen.

Rainer Wiertz selbst bezeichnet das Programm als "ein bisschen anders als sonst". Und in der Tat: Das Shakespeare-Festival (vom 13. Juni bis 13. Juli) wartet mit ungewohnten Angeboten auf. Gleich der erste Programmpunkt bringt eine prominente Schauspielerin nach Neuss: Senta Berger. Zusammen mit dem Lautenensemble Capella Monacensis wird sie sich im Globe den Sonetten Shakespeares' über die "Dark Lady" widmen.

Aus der georgischen Hauptstadt Tiflis kommt das Kote Marjanishvili State Drama Theatre mit 24 Schauspielern und zeigt seine Version der Komödie "As you like it". Die Aufführung wird englisch untertitelt. Foto: Kulturamt Neuss

Nach den Erfahrungen mit dem rasend schnell ausverkauften Gastspiel von Klaus Maria Brandauer vor drei Jahren hat Rainer Wiertz für Senta Berger gleich zwei Vorstellungen angesetzt — allerdings zu höheren Sonderpreisen. "Denn trotz der großen Unterstützung von 3M muss dieses Gastspiel refinanzierbar sein", sagt Wiertz entschieden.

Auch dabei: ein chinesischer "Titus Andronicus" aus Hongkong. Foto: Kulturamt Neuss

Kaum weniger ungewöhnlich, wenn auch in hiesigen Breiten weitaus unbekannter, sind die nächsten Gäste beim Festival im Globe. Sie kommen aus der georgischen Hauptstadt Tiflis und haben mit ihrer Inszenierung der Komödie "As you like it" nicht nur Rainer Wiertz bei ihrer "ganz zauberhaften" Aufführung im Londoner Globe überzeugt. Auch Patrick Spottiswoode, wie immer mit seinen Lectures in Neuss dabei, und der Globe-Chef Dominic Dromgoole, seien von der Inszenierung des Kote Marjanishvili State Drama Theatre, die Teil des Kulturprogramms zu den Olympischen Spielen war, sehr angetan gewesen. Dromgoole schickt im übrigen seine "Globe on Tour"- Company wieder nach Neuss — mit einem "King Lear", der von dem bekannten britischen TV-Darsteller Joseph Marcell ("Der Prinz von Bel Air" gespielt wird.

Caroll Vanwelden singt und spielt "Shakespeare in Jazz". Foto: Kulturamt Neuss

Von dem "Globe to Globe"-Festival zu Olympia im vergangenen Jahr profitiert das Neusser Theatertreffen aktuell noch ein zweites Mal. Denn auch das Tang Shu Wing Theatre Studio aus Hongkong hat damals die Zuschauer und Wiertz so begeistert, dass der Festivalleiter alles dransetzte, deren Inszenierung von "Titus Andronicus" auch nach Neuss zu holen. "Ich habe gekämpft", sagt er und zu guter Letzt noch einen Anschlusstermin für die Truppe in Berlin vereinbaren können, so dass sich die Reise für die asiatischen Schauspieler lohnt.

Mit der ausschließlich aus Männern bestehenden Propeller Company kommt indes eine so bekannte wie beliebte Truppe wieder zum Festival. Mit zwei Inszenierungen, die schon mal an der Rennbahn gezeigt wurden, aber jetzt ganz neu besetzt sind: "Twelfth Night" und "Taming of the Shrew". Auch das RLT ist wieder dabei — mit dem "Kaufmann von Venedig", der von Catja Baumann inszeniert wird und am 11. Mai im RLT Premiere hat.

Die Bremer Shakespeare Company kommt mit einem "Sommernachtstraum", der "nicht so viel Slapstick hat, wie man es sonst von den Bremern kennt", sagt Wiertz. Die Komödie ist eine von nur vier deutschsprachigen Stücken beim Festival, zwei weitere — "Macbeth" und "Wie es euch gefällt" steuert das bat-Studiotheater der Ernst-Busch-Schauspielhochschule Berlin bei.

"Dieses Mal war es schwer, geeignete deutsche Inszenierungen zu finden", sagt Wiertz, "und gerade die beiden bat-Aufführungen mit blutjungen Schauspielern gehören zu den besten, die ich darunter gesehen habe." Was ihm am "Macbeth" besonders gut gefällt: "Das Stück ist mit ganz großem Ernst und ohne Sperenzchen inszeniert. Nur vier Schauspieler zeigen das Stück in 100 Minuten." Und an der Komödie sagt ihm besonders die ganz andere Sichtweise der jungen Künstler zu: "Sie fliehen aus einem beengten Leben in eine Utopie und erkennen dann doch, dass Utopie eben Utopie und Realität Realität ist." Daher wird es für diese Inszenierung auch zwei Schulvorstellungen geben. Die waren im vergangenen Jahr mit großem Erfolg eingeführt worden.

Das Festival endet, wie es begonnen hat: mit den Sonetten des Elisabethaners. Jetzt aber nicht vorgetragen von einer Schauspielerin, sondern vertont und arrangiert von der belgischen, heute in Heidelberg lebenden Jazzmusikerin Caroll Vanwelden. "Jazz haben wir noch nie gehabt", sagt Wiertz, der auf die Arbeit der Sängerin und Klavierspielerin durch eine CD aufmerksam geworden ist. Sie bringt zudem eine Band mit.

(NGZ/ac/jco/nbe)