Neuss: Neusser Frauen erobern die Werkzeugbank

Neuss : Neusser Frauen erobern die Werkzeugbank

Regelmäßig lädt der Baumarkt Bauhaus in Allerheiligen Frauen zur Women's Night ein. Die NGZ war bei diesem Heimwerker-Termin dabei.

Statt den Donnerstagabend auf der Couch mit Heidi Klum und ihren Top-Models zu verbringen, haben sich 181 Frauen aus Neuss und Umgebung diese Woche ein Kontrastprogramm ausgesucht: Heimwerken. Nach Ladenschluss, um 20 Uhr, hieß es im Bauhaus in Allerheiligen: Selbst ist die Frau.

"Wir wollen Frauen die Angst davor nehmen, mit bestimmten Geräten oder Materialien zu arbeiten und ihnen erklären, wie sie viele handwerkliche Tätigkeiten selbst erledigen können", erklärt Organisator Andre Kondzielak die Idee zur Veranstaltung, die in ganz Nordrhein-Westfalen angeboten wird und einmal pro Jahr auch in Neuss Station macht. In einstündigen Workshops zeigen Fachleute, wie man tapeziert, Wände streicht, Laminat, Fliesen oder Gartensteine verlegt, ein Waschbecken montiert, einen Bohrhammer bedient und den Garten frühlingsfit macht.

Einige Frauen kommen allein, viele jedoch zu zweit oder in kleinen Gruppen — wie Jane Korte, 34, aus Norf. Sie besucht die Veranstaltung mit ihren Freundinnen. "Wir haben unser monatliches Treffen hierher verlegt, wollen einen netten Abend verbringen und auch etwas lernen", erzählt die zweifache Mutter. Die sechs wissen jetzt, welche Farbe und Technik beim Streichen wichtig sind — und haben den Werkzeugführerschein in der Handtasche. Den gibt es nach Besuch eines Workshops, den ein Werkzeughersteller sponsert, und dort natürlich auch seine neuesten Sägen und Bohrmaschinen präsentiert — Geräte, die etwa wegen ihres geringeren Gewichts auch von Frauen leicht zu bedienen sind. Dann darf Frau selbst Hand anlegen. Kursleiter Thorsten Fieker lädt die 20 Damen um ihn herum ein, mit dem Bohrhammer die Betonwand zu bearbeiten. "Frauen machen das so, wie es ihnen der Fachmann erklärt", sagt Fieker. "Männer dagegen ziehen einfach ihr Ding durch und machen deshalb vieles falsch."

"Anfangs hatte ich Angst, weil der Bohrer ganz schön vibriert", gesteht Kristina Braun. "Aber man muss sich nur trauen", meint die 34-jährige Düsseldorferin und verweist stolz auf das saubere Loch, das sie in die Betonwand gebohrt hat.

Zwischen den Workshops kommen die Besucherinnen im Alter von etwa 18 bis 65 bei lauschiger Musik und kühlen Getränken schnell ins Gespräch. "Ich habe dieses Event im Fernsehen gesehen und wollte unbedingt mitmachen, weil ich bald renovieren möchte", erzählt Katharina Novakovic aus Widdeshoven, die mit ihrer Mutter gekommen ist. "Bei mir ist gerade kein Mann in Sicht, der zu Hause handwerkliche Arbeiten erledigt", bedauert Stefanie Tscheuchner, 42, die mit ihrer dreijährigen Tochter in Hackenbroich lebt. Sie war schon im vergangenen Jahr dabei — jetzt hat sie gelernt, wie man draußen pflastert. Was man im Garten alles machen muss, damit der Rasen im Sommer so richtig satt grün ist, verriet Reiner Mölders von der Abteilung "Stadtgarten". Dass Raupenleimringe gegen überwinternde Schädlinge helfen und man gegen Unkraut zwischen Pflastersteinen wenig ausrichten kann, kam gegen 23 Uhr allerdings nicht mehr bei jeder Zuhörerin an. Verkauft wurden Unkrautbekämpfer und Bohrmaschinen am Donnerstagabend nicht. "Wir wollen keine Heizdecken-Veranstaltung", erklärt Bauhaus-Geschäftsleiter Maikel Korinth. "Aber Sie können gerne morgen wiederkommen!"

(NGZ/ac)
Mehr von RP ONLINE