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Neuss: Neuer Vorstoß für Verbraucherzentrale

Neuss : Neuer Vorstoß für Verbraucherzentrale

Neuss ist die einzige NRW-Großstadt ohne Verbraucherzentrale. Grund: Im Rathaus fehlt das Geld. Mit Blick auf den heutigen Weltverbrauchertag kündigt Bürgermeister Herbert Napp jedoch an: "Wir gehen das Thema noch einmal an!"

Ob die Neusser auf diesen Superlativ stolz sind? Die 155 000 Einwohner leben in der letzten nordrhein-westfälischen Großstadt, die bisher noch keine Verbraucherzentrale eingerichtet hat. Das könnte ein offizieller Antrag zeitnah ändern. "Die Landesmittel für 2014 liegen bereit", versichert Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Der Knackpunkt: Die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von einer Viertelmillion Euro müsste aber die Stadt aufbringen. "Uns fehlt das Geld", sagt CDU-Vorsitzender Jörg Geerlings, "im Grundsatz haben wir nichts gegen eine Verbraucherzentrale." Heute ist Weltverbrauchertag, der an die Rechte der Verbraucher erinnert – ein Termin, den Bürgermeister Napp für eine Ankündigung zum Anlass nimmt: "Wir gehen das Thema noch einmal an."

Der politische Streit um die Errichtung einer Verbraucherzentrale reicht in Neuss bis in die 1980er Jahre zurück. Während SPD und Grüne nicht müde werden, eine Verbraucherzentrale zu fordern, lehnen CDU und FDP sie im Ergebnis ab. Finanzierungsprobleme werden als Grund genannt. "Warum sollen wir zusätzliches Geld ausgeben?", fragt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, "wenn es in Dormagen, Düsseldorf und Mönchengladbach bereits Verbraucherzentralen gibt?" CDU-Chef Geerlings verweist darauf, dass es in Neuss viele Ansprechpartner gibt, wenn Verbraucher Rat suchen. So sei der Sozialdienst katholischer Männer (SKM) bei der Schuldnerberatung führend und auch der Hausfrauenbund biete Verbraucherinformationen an.

Nach einer zweijährigen Anlaufphase erwartet Klaus Müller "rund 20 000 Kontakte pro Jahr". Die Zahl leitet er aus Erfahrungen an anderen Orten ab. In Neuss würde die Verbraucherzentrale mit zweieinhalb Stellen besetzt werden. Das Fehlen einer so solchen Anlaufstelle nennt der SPD-Chef im Neusser Rat, Reiner Breuer, einen "unhaltbaren Zustand". Gemeinsam mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Hans Christian Markert "bastelt" er an einer "haushaltsneutralen Lösung" für Neuss. Sparkasse und Stadtwerke könnten sich an den Kosten beteiligen. Gespräche mit dem Bürgermeister laufen. Herbert Napp ("Ich hätte gern eine Verbraucherzentrale in Neuss") mag aber "nicht immer die gleichen kommunalen Unternehmen zur Spende bitten". Er regt viel an, den sechsstelligen Betrag durch eine Umschichtung im Haushalt zu gewinnen: "Für dieses wichtige Thema wünsche ich mir eine fraktionsübergreifende Initiative."

Die Dormagener Verbraucherzentrale, die 1992 eröffnet wurde, bearbeitet zur Hälfte Anfragen außerhalb Dormagens. Bürgermeister Peter Olaf Hoffmann hält sie längst für "unverzichtbar": Er würde es begrüßen, wenn eine zweite Verbraucherzentrale in den Kreis kommt: "Egal, ob in Neuss oder anderswo." Dieter Welsink, CDU-Fraktionschef im Kreistag, zieht mit: "Besteht der Wunsch, können wir gern in Abstimmung mit Städten und Gemeinen eine zweite Verbraucherzentrale im Rhein-Kreis einrichten."

(NGZ/url)