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Neuss: Neusser Unternehmer Cruse baut Outletcenter in der Eifel

Neuss : Neusser Unternehmer Cruse baut Outletcenter in der Eifel

In Neuss steht Georg Cruse für eines der erfolgreichsten Mode-Unternehmen: Cruse Classics im urbanen Rheinparkcenter. Jetzt investiert er im beschaulichen Städtchen Bad Münstereifel.

Münstereifel Fachwerk, Kopfsteinpflaster und Haselnusstorte aus dem Café von Schlagersänger Heino: Das ist Bad Münstereifel. Positiv betrachtet ist es ein hübsch verschlafenes Städtchen in der Eifel, für den Rheinländer ein ideales Ziel für den Sonntagsausflug. Wirtschaftlich gesehen jedoch bewegt sich wenig in den malerischen Gassen: Knappe Kassen im Rathaus, weniger Kurgäste, Leerstände in der Innenstadt. Ab Spätsommer könnte das ganz anders sein: Georg Cruse (49), vor zehn Jahren von Neuss nach Bad Münstereifel gezogen, investiert dort mit Partnern 45 Millionen Euro in ein Outletcenter.

Der Clou bei der Idee: Im Gegensatz zu langwierigen und oft nur wenig aussichtsreichen Genehmigungsverfahren für vergleichbare Projekte, die auf der grünen Wiese geplant werden, hat Cruse mit Bestimmungen zum Schutz des innerstädtischen Handels in Bad Münstereifel kein Problem. Sein "City Outlet Bad Münstereifel" entsteht direkt im Ortskern. "Wir sorgen für eine Revitalisierung der Innenstadt", sagt Cruse. Gemeinsam mit Marc Brucherseifer, bekannt als Aufsichtsratsvorsitzender des Mobilfunkunternehmens Drillisch AG, und Rainer Harzheim, Geschäftsführer des Baustoffproduzenten GftK, hat er die Bad Münstereifel Immobilien Management gegründet. "In der Stadt waren viele Häuser auf dem Markt, die wir nach und nach erworben haben", sagt Cruse. Die Idee hatte er bei einem Winterspaziergang mit seinen heutigen Partnern rund um den im Jahr 830 gegründeten Ort, der seit 1974 "staatlich anerkanntes Kneippheilbad" ist. Dabei ging es um Möglichkeiten für nachhaltige Investitionen und auch um die Frage, wie es eigentlich mit der wirtschaftlichen Entwicklung, aber auch dem Sanierungsstau in Bad Münstereifel weitergehen könne. Die Idee des "City Outlets" war geboren. Rechtsgutachten und Analysen zu den wirtschaftlichen Chancen überzeugten den Stadtrat. Cruse und seine Partner legten los.

Über 40 Geschäfte mit insgesamt 12000 Quadratmetern Verkaufsfläche soll das "City Outlet" bieten. "Dabei spielt der Denkmalschutz für uns eine zentrale Rolle", sagt Cruse. Kritiker, etwa die Interessengemeinschaft Stadtentwicklung Bad Münstereifel, befürchten eine einseitige Ausrichtung auf den Bekleidungshandel sowie Verkehrs- und Umweltprobleme im historischen Stadtkern: "Nunmehr findet quasi ein Großversuch statt, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner Bad Münstereifels zu ,Versuchskaninchen' werden."

Die Investoren weisen solche Vorwürfe zurück. Ohne die Großinvestition habe Bad Münstereifel keine Perspektive. Der Stadt drohe der schleichende Verfall. "Die Abwärtsspirale war spürbar, in Qualität und Quantität", sagt Cruse. Der Erhalt und der sorgsame Umgang mit Denkmälern und Natur sei Teil des Konzeptes für das "City Outlet", so Cruse, bei dem auch mit den jährlich rund eine Million Tagestouristen gerechnet werde, die Bad Münstereifel bereits heute als Ausflugs- ziel besuchen. "Wir wollen nichts Nachgemachtes, keinen Fake", erklärt der Investor. Was bei anderen Outletcentern wie in Roermond oder Maasmechelen künstlich nachempfunden werde, sei in der mittelalterlichen Stadt Bad Münstereifel echt: Fachwerk, Festungsmauer, eine Burg und ein malerisches Flüsschen mit vielen Brücken. Die Häuser für das Outletcenter werden derzeit in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalschutz behutsam saniert.

Läuft alles nach Plan, soll im Spätsommer eröffnet werden. Der vorgesehene Branchenmix orientiert sich an anderen, international erfolgreichen Outletcentern und soll zu über 50 Prozent aus Designer- und Modemarken in den Bereichen Sport und Outdoor, Schuhe und Leder, Wohnen, Accessoires und Kinderbekleidung bestehen.

Das Marktforschungsunternehmen GfK rechnet für das neue Outletcenter in der Eifel mit einem Einzugsgebiet von über 13,6 Millionen Menschen in einem Umkreis von 90 Autominuten. Köln, Düsseldorf/Neuss, Bonn, Aachen und Maastricht gehören zum Einzugsgebiet. Auch die jährlich etwa 39 Millionen Tagestouristen in der Eifel sollen zum Einkaufen nach Bad Münstereifel kommen. Cruse sieht darin nicht nur für sein Projekt eine optimale Ausgangslage: "Davon werden alle profitieren, auch der bestehende Handel und die Gastronomie." Derzeit liefen zudem Gespräche mit der örtlichen Agentur für Arbeit, denn mit dem Start des Outlets seien 400 neue Jobs, umgerechnet 200 bis 250 Vollzeitstellen, entstehen.

(NGZ)