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Rhein-Kreis Neuss: Mehr Wohnungsumbauten gewünscht

Rhein-Kreis Neuss : Mehr Wohnungsumbauten gewünscht

6000 Pflegebedürftige leben im Rhein-Kreis. 191 beantragten 2013 bei der AOK Zuschüsse zu barrierefreien Wohnumbauten, die Wohnberatung des Kreises bearbeitete 286 Neuanfragen. Politiker wollen die Zahl steigern.

Bis zu 2557 Euro Zuschuss erhalten Pflegebedürftige, wenn sie ihre Wohnung so umbauen lassen, dass sie trotz körperlicher Einschränkungen weiterhin dort leben können. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will diesen Zuschuss durch die Pflegereform erhöhen. Noch ist die Nachfrage angesichts von schätzungsweise 6000 Pflegebedürftigen im Rhein-Kreis überschaubar. "191 Kunden haben im vergangenen Jahr einen Zuschuss bekommen", berichtet Marion Schröder, Neusser Regionaldirektorin der AOK Rheinland/Hamburg. Insgesamt habe die Pflegekasse 370 800 Euro an Zuschüssen zu Wohnungsumbauten gezahlt. "Das sind durchschnittlich 2094 Euro."

Am häufigsten seien Badumbauten gefragt, meist der Ersatz der Wanne durch eine - leichter begehbare - Dusche. An zweiter Stelle rangierten Türverbreiterungen, an dritter die Finanzierung von Treppenliften. Da vorher gründlich beraten werde, müsse man selten einen Antrag ablehnen, sagt Schröder.

Beraten lassen können sich Mieter und Eigenheimbesitzer bei den Pflegekassen, bei Handwerkern sowie bei der Wohnberatungsagentur im Rhein-Kreis Neuss. Letztere wurde im Oktober 2011 vom Kreis und der Landespflegekasse aus der Taufe gehoben, ist bei der Caritas angesiedelt und verbuchte im vergangenen Jahr 286 Erstanfragen. Die Opposition im Sozialausschuss des Kreistags kritisierte jüngst die Zahl als zu gering und forderte, die Angebote stärker publik zu machen. Beraterin Marion Schröer dagegen verweist auf die noch andauernde Startphase. "Wir kommen langsam ins Bewusstsein der Menschen", sagt sie.

Anders als die Pflegekassen sei man nicht auf Umbauten entsprechend einer Pflegestufe begrenzt. "Wer noch nicht pflegebedürftig ist, kann für einen frühzeitigen Wohnungsumbau sehr günstige Darlehen vom Land NRW oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten", weiß Schröer. Auch hier könne man weiterhelfen.

Und wenn nicht gerade breitere Türen für einen Rollator benötigt werden oder Rampen, um Stufen zu überwinden, könnten auch einfache Hilfsmittel schon Erleichterung bringen. "Um Stolperfallen zu vermeiden, reicht es mitunter, einen Teppich zu beseitigen oder einen Bereich heller auszuleuchten", sagt Schröer. Für Menschen, die nicht mehr gut hohe Fenster öffnen können, gibt es Fenstergriff-Verlängerungen. Matratzeneinschübe oder elektronische Lattenroste helfen beim Aufstehen aus dem Bett, und WC-Aufsätze erleichtern das Sich-Erheben von der Toilette. "Wir machen auf Anfrage Hausbesuche und beraten direkt vor Ort - kostenlos", sagt die Wohnberaterin. Eine Architektin trage mit bei zur Ideenfindung. Man sei auch nicht auf Senioren beschränkt. "Unser Angebot richtet sich an alle Menschen mit körperlichen Einschränkungen." Familien mit Demenzkranken stehe man ebenfalls zur Seite. "Vorhänge vor Türen können ein Weglaufen verhindern", sagt Schröer. "Und Sitzecken mit Fotoalben laden dazu ein, Erinnerungen zu wecken."

(NGZ)