1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Vorwürfe und Anfeindungen in Neuss: Kaum gewählt, ist die AfD schon zerstritten

Vorwürfe und Anfeindungen in Neuss : Kaum gewählt, ist die AfD schon zerstritten

Die Neusser "Alternative für Deutschland" (AfD), die mit drei Mandaten in den Stadtrat einziehen wird, hat sich auf ihrer Mitgliederversammlung heillos zerstritten: Vorwürfe, Anfeindungen und Endlos-Debatten. Mehr als sechs Stunden tagte die Partei am Dienstagabend.

Die Flut aus Anfeindungen und Vorwürfen hätte wohl noch länger gedauert, wenn nicht der Wirt im Vogthaus den Teilnehmern nach Mitternacht schließlich das Licht ausgeknipst hätte.

Drei Ratsmandate hat die konservative AfD bei der Kommunalwahl errungen. Doch ihre Vertreter - hier im Bild (3. vo. re.) Dirk Aßmuth mit den Versammlungsleitern (v. re.) Roger Beckkamp und Hans-Werner Schmitz - sind zerstritten. Foto: woi

Schon zu Beginn der Veranstaltung die Stimmung schlecht: "Wir stehen vor den Trümmern unseres Erfolgs", sagte der Parteivorsitzende Dirk Aßmuth, dessen Amt an diesem Abend neu vergeben werden sollte, was zu den stundenlangen Querelen beitrug. Aßmuth, der mit der Kommunalwahl einen Sitz im Rat erhalten hat, sprach von einem Putsch gegen ihn, beschuldigte den AfD-Spitzenkandidaten Günter Weinert und dessen Frau Karin, die erst vor wenigen Wochen aus der UWG aus- und in der Alternative für Deutschland eingetreten waren, die Partei zu unterwandern.

Karin Weinert wiederum unterstellte Aßmuth, im Wahlkampf versagt zu haben. Weitere AfD-Mitglieder warfen Aßmuth zudem Illoyalität und Unehrlichkeit vor. Zudem hieß es, er habe Menschen aus dem rechtsradikalen Milieu den Eintritt in die Partei erlaubt. Schließlich wurde gefordert, Aßmuth solle - zwei Tage nach der Kommunalwahl - sein Ratsmandat niederlegen, was der verneinte und den anderen vorwarf, unprofessionell zu sein.

Debattiert wurde auf der Versammlung auch der Umgang mit den Parteifinanzen, der offenbar nicht sauber abläuft. So hieß es, dass 4600 Euro aus der Parteikasse fehlen, was allerdings dem amtierenden Schatzmeister Andreas W. nicht anzulasten sei. Denn wie verlautet wurde, hat er schon seit März keinen Zugriff auf die Konten. Die Vollmacht dafür sei ihm entzogen worden. Ein anderes Parteimitglied erklärte den hohen finanziellen Verlust damit, Opfer eines Hacker-Angriffs beim Online-Banking geworden zu sein. Klären ließ sich der Vorfall während der Sitzung nicht, weil auch diese Debatte überlagert war von Schuldzuweisungen und Schadenersatzforderungen.

Der Verlauf der Versammlung, für den es eine Einladung mit 16 Tagesordnungspunkten gegeben hatte, war chaotisch. Immer wieder stellten die Mitglieder Zwischenfragen und Anträge, etwa darüber, wer stimmberechtigt sei, wie die Vorstandswahl ablaufen sollte oder wie das Protokoll zu führen sei. Mehrfach kam der Zwischenruf, Wahlen nach zehn Uhr seien nicht erlaubt. Auch die Wahl lief nicht klar strukturiert ab. Dabei wurde Karin Weinert zur Parteivorsitzenden gewählt, womit sie nun in der Afd des Rhein-Kreises als "Sprecherin" fungiert. Dirk Kranefuss bleibt in seiner Funktion als Stellvertreter. Kontrahent Dirk Aßmuth bezweifelte allerdings die Rechtmäßigkeit der Wahl, weil nur zwei Posten vergeben wurden, der Vorstand nicht komplett ist. Karin Weinert betonte dagegen gestern auf Nachfrage, ordentlich gewählt worden zu sein. Die Sitzung wurde vertagt - am 11. Juni soll weiter debattiert werden.

(NGZ)