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Neuss: Siebenfache Mutter auf Wohnungssuche

Neuss : Siebenfache Mutter auf Wohnungssuche

Nicole Peter wohnt mit vier ihrer sieben Kinder in einer 80-Quadratmeter-Wohnung des Neusser Bauvereins. Sie sucht eine größere Bleibe, wandte sich auch an Bürgermeister Napp. Der Bauverein kann ihr zurzeit keine Alternative bieten.

Bezahlbare große Wohnungen oder gar Einfamilienhäuser für kinderreiche Familien sind in Neuss knapp. Das bekommt auch Nicole Peter zu spüren. Die siebenfache Mutter wohnt derzeit mit vier ihrer Kinder in einer knapp 80 Quadratmeter großen Wohnung in Weckhoven, die dem Neusser Bauverein gehört. Seit drei Jahren versucht die 38-Jährige bislang vergeblich, eine andere Wohnung zu finden. Als sie zur Geburt ihres siebten Kindes, der heute acht Monate alten Selina, stellvertretend durch den Neusser Bürgermeister Herbert Napp die Patenschaftsurkunde des Bundespräsidenten erhielt, schöpfte sie neue Hoffnung. Denn an diesem Januartag bat sie den Bürgermeister öffentlich um Hilfe. Er erwiderte, er werde sehen, was sich machen lasse. "Doch nichts ist passiert. Dabei habe ich mehrere Briefe sowohl an Herrn Napp als auch an den Bauverein geschrieben", sagt Nicole Peter. "Doch seit drei Jahren wohnen wir immer noch in dieser Grotte."

Nicole Peter klagt über Schimmelbefall, einen angeblich kaputten Gasboiler, zugige Fenster und einen von Tauben zugekoteten Balkon. Niki Lüdtke, Leiter der Mietabteilung beim Bauverein, dagegen sagt, dass erst kürzlich zwei Mitarbeiter vor Ort die Wohnung überprüft hätten. "Es ist alles in Ordnung." Die Gastherme werde nächste Woche gewartet, hat Nicole Peter mittlerweile schriftlich erfahren. "Ich hatte eine Rechnung der Stadtwerke von über 900 Euro. Das Geld kann ich nur langsam abstottern." Mehrfach habe sie die Reparatur angemahnt, "doch nichts ist passiert", so Peter. Nicole Peter erhält Hartz IV. Auch die Kaltmietkosten in Höhe von 362,65 Euro übernimmt das Amt. Bis zu 631,25 Euro Kaltmiete würde die Behörde für Nicole Peter und fünf Kinder übernehmen. Finanziell wäre also noch Spielraum für eine größere Wohnung.

Denn es ist vor allem die Enge der Wohnung, die Nicole Peter zu schaffen macht. Neben Wohnzimmer, Küche, Bad, Gäste-WC und einer kleinen Abstellkammer gibt es drei Schlafräume, zwei davon kleiner als zehn Quadratmeter. In dem einen Zimmer schlafen Rihanna (acht Jahre) und ihr sechsjähriger Bruder Miguel. Ein Zimmer für sich hat der 17-jährige David und im dritten Zimmer schläft Nicole Peter mit ihrem Baby. Nun möchte auch der 15-jährige Cedric, der gemeinsam mit seinem zehn Jahre alten Bruder Noel bislang beim Vater lebt, wieder zurück zur Mutter. "Doch wo soll er schlafen?", fragt Nicole Peter. Es sei schon schwierig, wenn ihr Freund Sascha Heupgen am Wochenende zu Besuch komme. Der 32-jährige ist Vater von Baby Selina.

Niki Lüdtke vom Bauverein zeigt Verständnis dafür, sagt aber auch: "Frau Peter hatte sich im April 2013 schriftlich an Herrn Napp gewandt mit der Bitte um Hilfe." Damals habe sie allerdings Mietschulden beim Bauverein gehabt. Mittlerweile habe sie ihr Mietverhältnis ins Reine gebracht. Dennoch gab es keine neuen Angebote. "So hart es klingt: Aber bei der Vielzahl an Interessenten bleibt manch einer auf der Strecke", sagt Lüdtke. Auch Bürgermeister Napp bezieht Stellung: "Die von der Familie geäußerten Wünsche, eine Mietwohnung im Erdgeschoss mit Garten oder ein Einfamilienhaus zur Miete zu beziehen, werden leider nur sehr selten zur Vermietung frei."

(NGZ)