Neuss: Mehr Autofahrer unter Drogen

Neuss : Mehr Autofahrer unter Drogen

Immer mehr Autofahrer fahren unter Drogen. Die Tendenz in diesem Jahr ist steigend, auch, weil die Polizei mehr kontrolliert. Dabei fallen die Strafen deutlich geringer aus als beim Fahren unter Alkoholeinfluss.

Immer mehr Autofahrer werden dabei erwischt, dass sie unter Drogen Auto fahren. Das ist eine Erkenntnis der Kreispolizeibehörde. Wurden im Zeitraum von Januar bis einschließlich August des vergangenen Jahres bei 129 Autofahrern verbotene Betäubungsmittel festgestellt, so hat sich die Zahl im gleichen Zeitraum dieses Jahres mit 248 fast verdoppelt. Eine Erklärung für diese Entwicklung nennt Polizei-Sprecherin Diane Drawe: "Je mehr Kontrollen, desto mehr Fälle." Im Vergleich dazu die Fahrten unter Alkoholeinfluss: Im genannten Zeitraum 262 (2010) und 242 in den bisherigen acht Monaten.

Aber auch deutlich bessere technische Möglichkeiten, um Drogenkonsum festzustellen, führen dazu, dass die Zahl steigt. In umliegenden Städten ist die Entwicklung unterschiedlich. In Düsseldorf mussten sich im vergangenen Jahr 273 Autofahrer einem Drogenschnelltest unterziehen, im Jahr zuvor waren es 230 gewesen. Die Polizei spricht dort von relativ konstanten Zahlen. In Remscheid und Leverkusen meldet sie hingegen einen "drastischen Anstieg".

Die Polizei spricht von "regelmäßigen Kontrollen", ohne die Häufigkeit zu nennen. Gerne wird mit dem im Hammfeld ansässigen Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW gemeinsam Kontrollen organisiert. Die Polizeibeamten machen dabei überraschende Erkenntnisse: "Es gibt keinen bestimmen Typus, der unter Drogeneinfluss Auto fährt", sagt Stefan Post, Hauptkommissar im Verkehrsdienst. "Wir finden sie in allen Altersklassen, von 18 bis 65 — das war der Älteste bisher — und gleichmäßig bei Männern und Frauen verteilt." Es sind in der Regel Schwerpunkt-Kontrollen der Polizei, in denen konkret nach Autofahrern unter Drogeneinfluss gesucht wird. Meistens handelt es sich um Cannabis, selten um Heroin und Kokain. Inzwischen spielen auch Unfälle unter Drogeneinfluss eine nennenswerte Rolle: bei 23 der 12 041 Unfälle 2010 im Rhein-Kreis Neuss. In diesem Jahr waren es in den ersten acht Monaten ebenfalls (schon) 23.

Bei einem Verdacht (große Pupillen, Liderflackern) kann der Beamte, so Post, entweder zum Speichel- oder zum Urinvortest bitten, wobei Letzterer genauer ist. Aber nicht Gerichts-relevant. Daher wird per Blutprobe im Anschluss der tatsächliche Drogenmissbrauch festgestellt. Interessant: Die Strafen sind höchst unterschiedlich. Wird bei einem Autofahrer unter Alkohol die Fahruntüchtigkeit festgestellt (1,3 Promille), ist der Führerschein weg. Wer unter Drogen fährt und erwischt wird, der wird nur mit einer Ordnungswidrigkeit belegt. Stefan Post: "Für Drogendelikte gibt es im Vergleich zum Alkohol keinen Grenzwert."

(NGZ)
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