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Neuss: Die Macher der Tour de Neuss

Neuss : Die Macher der Tour de Neuss

Gerade mal fünfzig Mitglieder hat der Neusser Radfahrerverein von 1888/09. Für vier von ihnen bedeutet die Organisation der "Tour de Neuss" in jedem Jahr eine neue Herausforderung. Während die Logistik steht, wird die Finanzierung des Großereignisses immer schwieriger.

Um die 3497 Kilometer der Tour de France bis zur Zielankunft morgen Nachmittag auf den Champs Elyséés in Paris durchzustehen, bedarf es eisernen Willens und einer gehörigen Portion Durchhaltevermögen. Beide Eigenschaften sind auch gefragt, will man in diesen Tagen in Deutschland ein Profi-Radrennen veranstalten.

Foto: Woitschützke, Andreas

"Vor sechs Wochen wussten wir noch nicht, ob es in diesem Jahr überhaupt eine Tour de Neuss gibt", sagt Uwe Pommer. Zu groß schien dem Neusser Radfahrerverein, dessen Geschäftsführer Pommer seit einem Jahrzehnt ist, das finanzielle Risiko. Dass die elfte Auflage des Spektakels nun doch am Mittwoch (25.) auf den "Neusser Champs Elyséés", der Kaiser-Friedrich-Straße, gestartet werden kann, ist einer Kraftanstrengung jenes Quartetts zu verdanken, das seit Jahren die "Tour nach der Tour" organisiert: Neben Pommer NRV-Vorsitzender Stephan Hilgers, seine Stellvertreterin Anita Michalsky und Schatzmeister Rudi Hahne.

Bevor sie sich der Tour-Organisation widmeten, hatten die wenigsten von ihnen etwas mit Radsport am Hut. Nur Anita Michalsky ist erblich vorbelastet: Ehemann Rudi wurde 1979 Deutscher Juniorenmeister im Bahnvierer, Schwager Hans startete 1972 in München und1976 in Montreal bei Olympischen Spielen, wurde Sechster im 1000 Meter Zeitfahren. Seit drei Jahrzehnten betreibt der Norfer ein Radsportgeschäft in Erkrath, mit dem er zu den wichtigsten Sponsoren der Tour de Neuss gehört.

"Wir sind zum Glück nicht von ein, zwei Großsponsoren abhängig", umschreibt Stephan Hilgers die Finanzierungsphilosophie der Tour-Macher. Wenn die nämlich aus irgendeinem Grund abspringen, geht es den Neussern wie so vielen Rennveranstaltern in Deutschland in den vergangenen Jahren — sie müssen den Laden dicht machen. Gab es in der "Blütezeit" des deutschen Radsports an jedem Tag nach Ende der Tour de France irgendwo ein, mitunter zwei Rennen, sind nur noch die City-Nacht in Rhede (27. Juli) und der Sparkassen-Giro in Dortmund (5. August) übriggeblieben. Und die Tour de Neuss. Das "Glück" des Stephan Hilgers bedeutet im Umkehrschluss jedoch eine Menge Arbeit, bis der Etat irgendwo im mittleren fünfstelligen Bereich steht.

"Kötten gehen" nannte sein vor vier Jahren früh verstorbener Vorgänger Friedhelm Hamacher das Prinzip des Klinkenputzens. Daran hat sich wenig geändert. "Noch fehlen uns ein paar Euro, aber die werden wir bis Mittwoch schon auftreiben — auch dank unserer Freunde aus der Gaststätte 'Zum Libero'" sagt Rudi Hahne und macht deutlich, dass es neben den "Stars zum Anfassen", von Erik Zabel bis André Greipel, vor allem persönliche Kontakte sind, die Sponsoren binden — und damit die Tour de Neuss auch im elften Jahr möglich machen.

(NGZ/ac)