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Neuss: Eine Stadt für uns

Neuss : Eine Stadt für uns

Zum zweiten Mal dürfen sich Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren nach ihren Wünschen eine Stadt bauen – in einem großen Sandkasten vor der Alten Post. Finanziert wird die Ferienaktion vom Förderverein des Hauses.

Für Simon (6) war die Sache schon beim ersten Mal ebenso so klar wie für Hannah: "Da will ich wieder mitmachen." Die beiden waren schon 2011 dabei, als die Alte Post mit Unterstützung ihres Fördervereins zum ersten Mal die einwöchige Aktion "Bau einer Wunschstadt" angeboten hat. Bei Hannah geht die Begeisterung jetzt sogar so weit, dass sie ihren heutigen zehnten Geburtstag erst abends feiert. Tagsüber hat sie schließlich noch zu tun.

Aber fast ist alles fertig in dieser Miniatur-Stadt in dem riesigen Sandkasten vor der Alten Post, die aus Ton, Blättern, Stöckchen und allerhand anderem Material, was sich gefunden hat oder bereitgestellt wurde, geformt ist. Und morgen ist alles vermutlich schon wieder Geschichte, wenn der Abschluss heute um 16 Uhr läuft wie im vergangenen Jahr: "Da haben die meisten Kinder ihre Bauten mitgenommen", erzählt Klaus Richter lachend, "und mir mit Fotos später bewiesen, dass mancher im heimischen Garten fast ein Jahr überlebt hat."

Der Kurator und Verantwortliche für die bildende Kunst an der Schule für Kunst und Theater führt gewissermaßen die Oberaufsicht, aber am Sandkasten selbst sind es andere Künstler, die den Kindern helfen, Fragen beantworten und sie auf Ideen bringen. Heribert Münch und Sibyll Rautenberg sind die Dozenten und haben mit den Kunstakademie-Studentinnen Isabelle Kessels und Nanja Gemmer zwei Assistentinnen zur Seite.

Bei 30 Kindern ist das auch nötig, denn die Gruppe ist bis "an die Grenze" aufgestockt worden, sagt Richter, weil er von der Zahl der Anmeldungen regelrecht überrollt wurde. "Wir hätten auch zwei Gruppen anbieten können." An eine Verdoppelung der Aktion ist dennoch nicht gedacht: "Sie soll etwas Besonderes bleiben", sagt Richter. Die neue Wunschstadt ist zudem auch keine Wiederholung der ersten. "Sie sieht ganz anders aus", sagt Münch, der schon beim ersten Mal als Dozent dabei war. Damals sei es wirklich um das eigene Umfeld gegangen; jetzt ist in dem Sandkasten eine große Ferienanlage entstanden. Mit einem "Gemütlichkeitsparadies" wie Simon es gebaut hat zum Beispiel ("so afrikanische Häuschen"), das sich um einen kleinen See gruppiert. Vielleicht liegt es an den vielen kleinen Teichen, die dank bearbeiteter Blumenschalen in der ganzen Wunschstadt verstreut sind, dass sie so viel Urlaubsatmosphäre hat.

Dabei gibt es dafür ein ganz pragmatischen Grund: "Im vergangenen Jahr gab es einen großen See im Sand, der ständig ausgelaufen ist", sagt Münch. Aber Wasser gehört für die Erbauer der Wunschstadt eben dazu. Genauso übrigens wie Flughafen und Fußballfeld, Sternwarte oder Zoo. Und Elektrizität gibt es auch. Durch (Draht-)Leitungen auf Holzstöcken – erzeugt mit Hilfe eines Stausee.

(NGZ)