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Neuss: Hilfe für das "Jröne Meerke"

Neuss : Hilfe für das "Jröne Meerke"

Die Stadt hat zu einem Runden Tisch eingeladen. Ziel: Ein Handlungskonzept für das Naherholungsgebiet in der Nordstadt. Aktuell kann nur abgewartet werden, dass die Gänse bald in ihre Winterquartiere fliegen.

Algenblüte, eine große Zahl an Enten und Gänsen, verschmutzte Wiesen und ein aktuell nicht mehr zu benutzender Kinderspielplatz: Die Situation rund um das Naherholungsgebiet "Jröne Meerke" zwingt zum Handeln. Für Mittwoch, 8. August, hat die Stadt deshalb zu einem Runden Tisch eingeladen, um über Verbesserungsmöglichkeiten zu sprechen. Doch schon heute stellt Susanne Homma klar: Die Gänse am Jröne Meerke sind nicht allein verantwortlich zu machen. Auch wenn das derzeit vielen so scheint.

Homma ist Biologin aus Jever und beschäftigt sich mit den Populationen aller brütenden Gänsearten in Deutschland. Für sie ist das ehemalige Baggerloch in der Nordstadt von besonderem Interesse, denn dort ist die, so Homma, "einzige etablierte Brutpopulation der Schneegans in Westeuropa" zu beobachten. Einer unter Artenschutz stehenden und damit nicht jagdbaren Gänseart, von der sie aktuell 106 Exemplare in Neuss zählt. Insgesamt, so bemüht sie sich um Relativierung, seien derzeit am "Meerke" nur sechs Gänse mehr zu zählen als vor vier Jahren. "Dramatisch angestiegen ist die Population nicht — nur die Berichterstattung darüber."

Jeder Versuch, es den Gänsen dort "ungemütlich" zu machen, um sie zum Aufbruch zu bewegen, ist aus Sicht der Biologin derzeit sinnlos. "Die Gänse sind am Ende der Schwingenmauser", sagt sie. Sie können nicht fliegen und den See, auf den sie bei Gefahr als Zuflucht angewiesen sind, nicht verlassen. Anfang August, wenn die Gänse in ihre Winterquartiere ziehen, würde sich die Situation von selbst entspannen. Am Runden Tisch soll deshalb auf 2013 geschaut werden.

Vorschläge, was am "Meerke" verbessert werden kann, erhofft sich Stefan Diener vom Grünflächenamt nicht zuletzt von einem 2011 in Auftrag gegebenen Gewässergutachten. Das untersucht ein Jahr lang Gewässerqualität, -temperatur, -biologie und (erstmals) -tiefe. Denn in stehenden Gewässern wie dem von Grundwasser gespeisten "Meerke", so beschreibt Diener den Normalfall, wälzt sich das Wasser innerhalb eines Jahres um. Dass der See vor dem biologischen Umkippen steht, wie Mitglieder des dort angesiedelten Angelvereins verbreiten, bestreitet er.

Was der Gewässerqualität erheblich schadet, ist nach Angaben der Biologin Homma die Algenblüte, die das Meerke zum zweiten Mal mit einem grünen Teppich überzieht. Diese Algenart sei 2011 auf unbekanntem Weg eingeschleppt worden, weiß sie. Dass der Nährstoffeintrag durch den Gänsekot aber vor allem für das explosionsartige Wachstum verantwortlich ist, bezweifelt sie stark.

(NGZ)