Neuss: Stadtmauer wird wieder sichtbar

Neuss: Stadtmauer wird wieder sichtbar

Am Romaneum entsteht ein neuer Park zu Füßen der historischen Stadtmauer. Die wird rekonstruiert und nachvollziehbar gemacht. Der Kehlturm wird Aussichtspunkt und Wahrzeichen an der Ostseite der Altstadt.

Durch den Bau des Romaneums auf dem ehemaligen Omnibusbahnhof ist Neuss schon um einen schönen Platz reicher geworden. Jetzt kommt noch ein Park hinzu. Der soll in der knappen Zeitspanne bis zum Neusser Schützenfest Ende August zwischen dem neuen Bildungszentrum und dem Hessentordamm entstehen. In seinem Zentrum: der Kehlturm. Diese halbkreisförmige Geschützbastion der mittelalterlichen Stadtmauer am Schiffsanleger des damaligen Rheinarms, der Kalle oder auch Kehl, wird ein Aussichtspunkt nach Westen — und für jedermann immer frei zugänglich sein.

Ausgangspunkt für die Planungen zu diesem Park war die Idee, die historische Stadtmauer wieder sichtbar werden zu lassen. "Die alte Stadtkante", wie es Stefan Diener vom städtischen Grünflächenamt betont, "die das mittelalterliche Leben von der Landschaft trennte." Diese Einfriedung der Kernstadt wird damit an einem weiteren Punkt neu in Szene gesetzt.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt viel Mühe darauf verwandt, die Grenzen des mittelalterlichen Neuss nachvollziehbar zu machen. Am Hamtorplatz wurden die Grundrisse des Hamtores als Intarsien im Bodenbelag nachgezeichnet und zum Teil aufgemauert, Stützbögen des alten Wehrganges in Metall rekonstruiert sowie die historische Gesamtsituation in einem Bronzemodell festgehalten.

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Ähnlich wurde verfahren, als bei der Sanierung des Hauptstraßenzuges die Grundrisse des Niedertores gefunden wurden, und auch an das Zolltor erinnert ein Modell an historischem Ort. Nimmt man die Stadtmauerreste an der Batteriestraße, an der Trankgasse, am Wierstraetweg zwischen Neustraße und Hamtorplatz sowie hinter dem Neumarkt und ferner die Wehrbefestigungen Obertor, Windmühlen- und Blutturm noch hinzu, ist nun in wirklich jeder Himmelsrichtung diese "Stadtkante" markiert.

Die Stadtmauer aus dem Jahr um 1200 wurde am Kehlturm auf einer Länge von 16 Metern freigelegt. Noch verhängen Planen diese historische Bausubstanz, doch noch muss auch viel Erdreich abgetragen werden, das an diese Mauer angeschoben worden war.

Der übrige Verlauf der Mauer wurde — allerdings nur in rotem Klinker — nachgezeichnet. Auch der Kehlturm wurde deutlicher freigestellt, allerdings bei weitem nicht das historische Bodenniveau erreicht. Die Fenster, die heute ebenerdig liegen, waren ehedem Schießscharten — im Obergeschoss. Wie tief der Turm noch in die Tiefe hinabreicht sieht, wer sich bald auf dem Fußweg durch den Park dem Turm nähert und einen Blick in sein Inneres wirft — was lange Zeit nicht möglich war.

(NGZ/ac)
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